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Kundenbewertungen

20 bis 30 Prozent der Rezensionen sind gefälscht

Franziska Mozart Veröffentlicht am 30.04.2012 - 10:52 Uhr

20 bis 30 Prozent der Rezensionen sind gefälscht

Produktbewertungen im Web suggerieren Authentizität; nur zu gerne glauben wir, dass Gianni1969 den gekauften DVD-Player tatsächlich super findet. Doch nach Recherchen der Fachzeitschrift "Audio Video Foto Bild" dürften bis zu 30 Prozent der Erfahrungsberichte in Online-Shops gefälscht sein. Die Redaktion gab sich als Hersteller aus und beauftragte zwei Agenturen, Kundenbewertungen für populäre Internet-Shops zu verfassen. Rund 100 Bewertungen gab "Audio Video Foto Bild" in Auftrag und stellte fest, dass keine von ihnen als Fälschung enttarnt wurde. Der Paketpreis für die ersten 35 Bewertungen betrug rund 190 beziehungsweise 299 Euro.

Die Sicherheitsmaßnahmen der Shops sind demnach leicht zu umgehen. Eine gültige E-Mail-Adresse reicht schon aus. Auch in Shops, die angeblich die Bewertungen vor Veröffentlichung prüfen, etwa Otto, Redcoon, Saturn und Notebooksbilliger.de tauchten die gekauften Rezensionen nach spätestens 48 Stunden auf.

Sicher lassen sich die zahlreichen neuen Bewertungen täglich kaum kontrollieren. Außerdem dürften die Shops auch ein Eigeninteresse daran haben, dass die Artikel aus ihrem Angebot gute Bewertungen haben. Amazon kennzeichnet Rezensionen seit Kurzem mit dem Hinweis "von Amazon bestätigter Kauf". Ein guter Ansatz, doch auch diese Sicherheitshürde hebeln die Agenturen aus. Sie bestellen das Produkt, bewerten es schicken es innerhalb von zwei Wochen kostenlos wieder zurück.

Das System der Fälschungen ist so ausgeklügelt, dass "Audio Video Foto Bild" sogar von einer Fälscher-Mafia spricht. Damit es nicht auffällt, dass zahlreiche Kommentare vom selben Absender kommen, haben die Agenturen in der Regel Datenbanken mit Tausenden Benutzerkonten, und können innerhalb weniger Minuten weitere Konten anlegen. Beworben wird die Erstellung falscher Erfahrungsberichte als "Textservice" und "Shop-Texte". Einige Agenturen engagieren für diese Dienstleitungen Texter, die für bis zu 1 Euro pro Rezension erhalten. Sie schreiben dann entsprechend der Pressemitteilungen der Hersteller und orientieren sich an bereits vorhandenen Kundenbewertungen. Negative Kommentare versuchen sie, mit positiven Rezensionen zu entkräften. Um möglichst frühzeitig auf solch negative Bewertungen zu reagieren, bieten die Agenturen laut der Zeitschrift sogenannte "Monitoring"-Verträge ab 199 Euro pro Monat an.

Hinweise auf gekaufte Bewertungen sind demnach Pseudonyme. Auch wenn jemand in kurzer Zeit viele Bewertungen abgibt, könnte es sich um einen Fälscher handeln. Zudem versuchten sie häufig gezielt, Mängel zu entkräften, die in der Fachpresse oder von anderen Testern ausdrücklich kritisiert wurden. Auch Floskeln aus den PR-Texten sollten den Käufer misstrauisch stimmen, ebenso wie die Verwendung von Wörtern wie "großartig" oder "einmalig".

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