Zweiklassen-Gesellschaft bei der Weiterbildung
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DGB-Studie | | von Deutsche Presse-Agentur

Zweiklassen-Gesellschaft bei der Weiterbildung

Viele Arbeitnehmer sind unzufrieden mit ihren Möglichkeiten, sich im Betrieb weiterzubilden. Dabei investieren die Unternehmen Milliarden. Gewerkschaften argwöhnen, nicht alle Mitarbeiter hätten die gleichen Chancen. Weiterbildung ist für einen großen Teil der Beschäftigten ein seltenes Ereignis - es fehlen die Zeit oder die Angebote, manchmal beides. Mehr oder weniger zufrieden mit seinen Weiterbildungsmöglichkeiten ist nach Gewerkschaftsangaben nur gut jeder Zweite. Dabei investieren die Unternehmen Rekordsummen in Seminare und Lehrmaterial. Doch davon profitieren längst nicht alle Mitarbeiter.

"Es gibt da eine Art soziale Spaltung", heißt es beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Gut ausgebildete junge Männer mit Vollzeitstellen dürften ihr Wissen ständig auffrischen. Weniger Chancen auf Weiterbildung hätten Teilzeitkräfte, geringfügig Beschäftigte, Geringverdiener, Zuwanderer oder Mitarbeiter ohne guten Schulabschluss, sagt DGB-Bildungsexperte Matthias Anbuhl. "Auch bei der Weiterbildung gilt das Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben." Das bestreiten Arbeitgeber nicht. "Das Unternehmen überlegt sich genau: Wo investiere ich den Euro am Besten?", sagt Susanne Seyda, Berufsbildungsexpertin beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Jedoch kalkulierten Beschäftigte ebenso: Wer wisse, dass sein Vertrag in Kürze ausläuft, lasse sich nicht unbedingt noch schulen.

33,5 Milliarden Euro - so viel wie nie haben die Unternehmen in Deutschland nach einer IW-Umfrage im vergangenen Jahr investiert, um
das Wissen ihrer Beschäftigten aufzufrischen oder zu erweitern und sich so gegen Fachkräftemangel zu wappnen. Die Summe ist vor allem dadurch gewachsen, dass mehr Menschen Arbeit haben und gerade die Neuen im Betrieb erstmal Schulungen brauchen. Die Zahl der Lehrveranstaltungen pro Kopf blieb gleich.

Im europäischen Vergleich sind deutsche Unternehmen nur Durchschnitt, wie eine Analyse des Verein Deutscher Ingenieure (VDI) ergab. Geld sei dabei nicht so sehr die Frage, sagt Autor Ernst Hartmann. "Zeit ist der gravierende Faktor." Oft herrschten auch noch starre Traditionen vor; notwendig seien mehr Möglichkeiten, neben dem Job einen Berufsabschluss nachzuholen oder zur Uni zu gehen.

Zeit dürfte auch eine Rolle spielen, wenn nach Arbeitgeberangaben nicht das klassische Seminar im Kommen ist, sondern neben externen Lehrgängen vor allem sogenannte informelle Lernformen: Lernen im Arbeitsprozess - etwa Anleitung durch Kollegen - und selbst gesteuertes Lernen mit dem Lehrbuch oder am Computer. Viele opfern dafür Freizeit: Jede dritte Weiterbildungsstunde liegt am Feierabend, wie die IW-Umfrage ergab.

"Von einer echten Weiterbildungskultur ist Deutschland weit entfernt", heißt es beim DGB, der ein Erwachsenen-BAföG und ein Recht auf Weiterbildung fordert. Große Gewerkschaften wie die IG Metall und IG Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE) haben das Thema Weiterbildung
zudem schon auf die Agenda für die nächste Tarifrunde gesetzt.

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