Zeitmanagement: Nur vergeudete Zeit?
© Foto:Presse

Nico Rose | | von Nico Rose

Zeitmanagement: Nur vergeudete Zeit?

Der letzte Monat des Jahres 2015 ist angebrochen. Es ist die Zeit, wo "noch mal eben" Projekte zuende gebracht, Budgets geschmiedet, und Strategien für das kommende Jahr verabschiedet werden. Aus diesem Grund ist der Dezember für viele Menschen einer der arbeitsreichsten Monate des ganzen Jahres – bevor dann alle die Stille Nacht feiern (es sei denn, man wurde zum Notdienst verdonnert). Da helfen doch sicher ein paar Zeitmanagement-Techniken, oder?

Eine Suche für das Wort "Zeitmanagement" in den Büchern auf Amazon ergibt derzeit rund 2.000 Treffer. Reichlich Praxisliteratur zu diesem Thema scheint also vorhanden. Und mit Seminaren und Arbeitshilfen zu diesem Sujet wird man ebenfalls zugeschmissen, wenn man denn möchte. Da drängt sich doch die Frage auf: Funktioniert das überhaupt? Kann man Zeit sinnvoll managen? Nun ist den meisten Menschen mittlerweile klar, dass die Zeit einfach munter vor sich hin tickt – so dass man, wenn überhaupt, sich selbst managen kann. Beispielsweise, in dem man seine Prioritäten sortiert und entsprechend Zeit alloziert.

Ganz gleich, ob man es nun Zeit- oder Selbstmanagement nennt: Es gibt einen eklatanten Widerspruch zwischen der Aufmerksamkeit, welche das Thema in der Ratgeber- und Management-Literatur im Vergleich zur wissenschaftlichen Forschung genießt. Der großen Popularität in jenem Umfeld steht ein (Quasi-)Desinteresse der akademischen Forschung gegenüber: Ein Review-Artikel aus dem Jahr 2007 kommt zu dem Schluss, dass zwischen 1980 und 2005 kaum mehr als 40 empirische Studien zu dem Thema durchgeführt wurden – das ist nix im Vergleich zu "heißen" Management-Themen. Wie lautet das Fazit des Autors?

Zeitmanagement wirkt! Irgendwie...

Die erfreuliche Nachricht ist: Es bringt was. Jedoch anders, als die meisten Menschen glauben. In einer Auswertung der verfügbaren Studien wurde aufgezeigt, dass Zeitmanagement folgende positive Konsequenzen haben kann:

  • Ein Plus an gefühlter Kontrolle über die zur Verfügung stehende Zeit: Zeitmanagement-Techniken führen nicht dazu, dass man tatsächlich mehr Zeit hat. Es fühlt sich aber so an. Und das zählt im Endeffekt.
  • Verminderter arbeitsbezogener Stress: Das zuvor genannte Plus an wahrgenommener Kontrolle führt wiederum dazu, sich weniger gestresst zu fühlen.
  • Gesteigerte Zufriedenheit: Das verminderte Stresslevel wiederum schlägt sich (auf Dauer) in einem Plus an Arbeitszufriedenheit nieder.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Durch Zeitmanagement hat man nicht wirklich mehr Zeit. Aber es kommt einem so vor – wie beim Placebo-Effekt.

Meine drei wichtigsten Tipps und Kniffe

Ich bin mittlerweile so alt, dass ich nicht das Wort „Life Hacks“ benutze. Kommt mir irgendwie spanisch vor. Trotzdem halte ich mich recht eisern an einige Regeln und Kniffe, die mir vor Urzeiten mal in einem Seminar in London beigebracht wurden. Ich habe ein recht bewegtes Leben. Zu meinem Hauptjob als Führungskraft in einem Großkonzern kommen einige bezahlte (z.B. regelmäßige Vorträge und Coachings) und unbezahlte Hobbies (z.B. diese Zeilen hier) – und dann bin ich noch Familienvater. Mal abgesehen davon schlafe ich gerne lang. Da beißt es sich dann irgendwann. Wie ich trotzdem einigermaßen klarkomme:

Erstens: Alles, was weniger als zwei Minuten dauert (eine kurze Mail, ein Dokument lesen und unterschreiben, etc. pp.) wird sofort erledigt, wenn das Thema auf den Tisch kommt und die Zeit gerade da ist. Derart wird unterbunden, dass sich Stapel auf dem Schreibtisch oder in der Inbox auftürmen. Außerdem verhindere ich so Verzögerungen im Arbeitsablauf bei den Menschen, die mit mir bzw. für mich arbeiten.

Zweitens: Damit Zeit für ebenjene Dinge unter Punkt 1 übrigbleibt, versuche ich, nicht mehr als 60% des Tages im Vorhinein zu verplanen. Die restliche Zeit geht erfahrungsgemäß für Unerwartetes drauf. Da eine ganze Reihe von Menschen Zugriff auf meinen Kalender hat, ist es essentiell wichtig, entsprechende Zeitfenster im Kalender für mich zu blocken.

Drittens: Ich erhalte, wie die meisten „Konzernmenschen“ heutzutage, absurd viele E-Mails. Bei einem Großteil davon bin ich allerdings nicht direkter Adressat, sondern auf Cc, soll also „im Loop“ gehalten werden, ohne dass es einen akuten Arbeitsauftrag für mich gibt. Solche Mails werden von meinem E-Mail-Programm per eingestellter Regel direkt an einen separaten Ordner, den Cc-Eingang, umgeleitet. Auf diese Weise ist mein eigentlicher Eingangsordner fast immer hübsch übersichtlich anzusehen und ich verpasse nichts wirklich Wichtiges. Die ganzen Cc-Mails lese ich dann abends in einem Schwung.

Was sind Ihre besten Life Hacks in puncto Selbstmanagement?

Ich freue mich über Ihre Kommentare und Vorschläge!

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet.Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Zeitmanagement: Nur vergeudete Zeit?

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(3) Leserkommentare

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht