Lernen vom Medienhype: Nico Rose ist Brangelina geradezu dankbar.
Lernen vom Medienhype: Nico Rose ist Brangelina geradezu dankbar. © Foto:Nico Rose

Nico Rose | | von Nico Rose

Wie mir die Scheidung von Brangelina einen kurzen Moment der Erleuchtung verschaffte

Haben Sie es schon gehört? Angelia Jolie lässt sich von ihrem Ehemann Brad Pitt scheiden. Ach, kommen Sie. Das müssen Sie gehört haben! Wenn nicht: Nicht schlimm, ich hab´s Ihnen ja jetzt gesagt. Auf Twitter spricht man über dieses heikle Sujet übrigens unter den Hashtags #BrangeliNo, #BrexPitt oder #Brangelexit. Schön.

Ich kann nicht genau sagen, wieso ich diesen Moment erhöhter geistiger Klarheit ausgerechnet diesem einschneidenden Moment der jüngeren Geschichte Hollywoods verdanke, aber das ist vielleicht auch gar nicht so wichtig. Im Idealfall taucht der Meister bekanntlich auf, wenn der Schüler es braucht. Auf jeden Fall saß ich abends vor dem Laptop mit Twitter als Second- und dem TV als Third-Screen, als die +++Eilmeldungen+++ schier über mich hereinbrachen. Das Traumpaar Hollywoods solle sich angeblich trennen.

Ich gebe zu: Mein erster Impuls bestand darin, Twitter nach weiteren Updates zu durchsuchen. Aber irgendetwas in mir hielt mich zurück. Und dann war es da. Zuerst wie ein Flüstern, kaum vernehmbar: „Das geht dich nix an!“ „Wie bitte?“, fragte ich in mich hinein. „Das geht dich nix an!“ kam es zurück, diesmal etwas lauter. „Wie, das geht mich das nix an?“, empörte ich mich. „Das sind tolle Schauspieler, ich mag doch viele ihrer Filme. Und überhaupt: Was wird jetzt aus den Kindern?“ Die innere Stimme, noch lauter und für einen Moment etwas ungeduldig: „Schon klar. Aber das geht dich nix an…!“

In mir wuchs das Bedürfnis zu protestieren. Doch so oft mein Verstand mit guten Gründen vorsprach, warum ich mich doch für das Thema interessieren solle – die innere Stimme antworte mit stoischer Gelassenheit, nicht unfreundlich, aber doch sehr bestimmt: „Das geht dich nix an!“ Und plötzlich kam er über mich, dieser Moment der Einsicht. Die Erkenntnis lautet:

Ein immens großer Teil der Probleme der Menschheit wäre instantan gelöst, wenn wir alle viel häufiger „Das geht mich nix an!“ denken oder besser noch laut sagen würden.

Damit Sie nun nicht auf die Idee kommen, der Rose sei so ein verdammter Nihilist: Es gibt sehr wohl Dinge, die uns dringend und alle etwas angehen, zum Beispiel die globale Erwärmung. Diesem Thema wäre definitiv geholfen, wenn wesentlich mehr Menschen erkennen würden, dass wir da gerade gemeinsam an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen. So, jetzt habe ich´s gesagt und meine das auch genauso. Aber: Zu den Dingen, die mich und 100% meiner Mitmenschen in 100% der Fälle zu 100% nix angehen, gehören:

  • Wer wen warum in welcher Konstellation liebt und was diese Menschen hinter verschlossen Türen tun – solange alle Beteiligten damit einverstanden sind und ihre Freude daran haben.
  • Wer an welche Götter oder fliegende Spaghetti-Monster glaubt oder auch gerade nicht glaubt und ob diese Menschen aus eben jenem Grund in der Öffentlichkeit ein Kopftuch oder doch eine Speedo-Badehose tragen möchten – solange es niemandem aufgezwungen wird.

Wenn alle Menschen sich spontan entscheiden würden, auch nur bei diesen beiden Aspekten des Lebens in ein gemeinsames „Das geht mich nix an!“ einzustimmen, würde die Menschheit innerhalb von etwa einer Woche in ein goldenes Zeitalter eintreten. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was wir gemeinsam erreichen könnten, wenn plötzlich all jene Menschen, die einen guten Teil ihrer Energie damit verschwenden, andere für eine bestimmte Lebensweise zu kritisieren, oder ihnen vorzuschreiben, oder diese gar zwingen, auf eine bestimmte Weise zu leben, plötzlich damit beginnen würden, echte Probleme zu lösen.

Und dann wären da noch ein paar Dinge:

  • Für welchen Verein Mario Götze Fußball spielen mag.
  • Was andere Menschen über das demnächst erscheinende neue Metallica-Album denken.
  • Was irgendein C-Promi neulich auf dem roten Teppich über irgendeinen D-Promi gesagt hat.

Geht mich alles nix an.

Und…und…und. Die Möglichkeiten des gepflegten „Geht mich nix an!“ sind bei näherer Betrachtung schier unerschöpflich. Und abgesehen von der Lösung eines nicht unwesentlichen Teils der Probleme Menschheit hat es noch einen spannenden Nebeneffekt: Wenn in Ihnen das nächste Mal das Gefühl aufsteigt, sich über etwas echauffieren oder sich gar einmischen zu müssen, dann sagen Sie das mal ganz laut zu sich selbst. „Das geht mich nix an!“ Es hat etwas ungeheuer Befreiendes, etwas Meditatives, es ist ein kraftvolles Mantra. Ich jedenfalls werde es von jetzt an bewusster und häufiger einsetzen.

Übrigens sollte das gepflegte „Geht mich nix an!“ keinesfalls mit „Geht mir am A…. vorbei!“ verwechselt werden. Letzteres hat eine derogative Konnotation, ersteres hat bei näherem Hinsehen durchaus eine wertschätzende Note – es wahrt die Integrität des Gegenübers. „Ich bin OK, Du bist OK“ – so heißt der Titel eines Klassikers der Selbsthilfeliteratur. Kann doch nicht so schwer sein, oder?

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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