Wie Führungskräfte uns die Freude an der Arbeit verderben
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Nico Rose | | von Nico Rose

Wie Führungskräfte uns die Freude an der Arbeit verderben

Kein Mensch geht am Freitag nach Hause und sagt: "Mensch, was bin ich diese Woche wieder geil geführt worden."

Dies steht auf einem Chart, welches ich häufiger in Vorträgen nutze und meist für ausgedehnte Lacher sorgt. Hinter dem humorigen Aspekt steckt allerdings eine tiefere Wahrheit: Chefs und Chefinnen haben einen verdammt schweren Stand.

Führungskräfte können an den meisten Tagen fast alles richtig machen, doch wenn sie an einigen Tagen manches falsch machen, ist so gut wie alles dahin.

Zu dieser Ansicht kommen auch die Forscher Catherine Bailey und Adrian Madden, welche kürzlich eine faszinierende Studie in der MIT Sloan Management Review veröffentlicht haben. Im Rahmen ihrer Untersuchung führten sie umfangreiche Interviews mit 135 Menschen aus unterschiedlichen Berufskategorien durch (vom Müllmann bis zum Professor), um sie nach den Bedingungen zu fragen, unter denen sie ihre Arbeit als sinnvoll empfinden. 

Die wichtigste Erkenntnis: Zum einen kann jede Art von Arbeit sinnstiftend sein. Eine Reinigungskraft kann ihren Job als genauso sinnerfüllt empfinden wie eine Hochschullehrerin. Zum anderen: Führungskräfte können das Sinnerleben ihrer Mitarbeiter nicht aktiv hervorrufen oder steigern, nur nachhaltig zerstören. Ihre Aufgabe besteht gewissermaßen darin, den Boden zu bestellen und zu düngen, auf dem die Sinn-Pflanzen sprießen mögen – doch wachsen und gedeihen müssen sie von selbst.

Die Bedingungen sinnvoller Arbeit

Aus den Interviews extrahierten die Forscher die folgenden Merkmale eines sinnvollen Jobs:

  • Transzendenz: Sinnvolle Arbeit hat einen klaren Nutzen für andere Menschen. Auf eine bestimmte Art muss der Job wichtiger für andere sein als für uns selbst.
  • Betroffenheit: Die Wahrnehmung von Sinn entsteht eher selten in den rein positiven Momenten. Tendenziell schmerzliche, traurige und allgemein unangenehme Momente (und deren erfolgreiche Bewältigung) tragen stark zum Sinnerleben bei.
  • Flüchtigkeit: Sinnerleben ist kein "Ganz oder gar nicht"-Phänomen. Eher ist es von episodischer Natur, es kommt und geht in Abhängigkeit von konkreten Aufgaben und sich verändernden Rahmenbedingungen.
  • Reminiszenz: Sinn im Job entsteht selten im konkreten Augenblick, sondern meist in der Rückschau, wenn die eigene Leistung mit weiteren Aspekten der Arbeit oder des Lebens an sich verknüpft wird.
  • Kontext: Die Wahrnehmung von Arbeitssinn entsteht zumeist nicht, wenn der Job nur im Kontext seiner selbst betrachtet wird. Sinn entsteht, wenn die persönliche Aufgabe in einem größeren Kontext gesehen wird, zum Beispiel als Broterwerb für die Familie, oder auch als Dienst am "großen Ganzen".
  • Begeisterung: Sinnwahrnehmung entsteht, wenn Menschen ihre Arbeit regelmäßig als anregend, kreativ und absorbierend erleben. Wer oft in den Flow kommt, empfindet seine Arbeit als vergleichsweise sinnvoll.
  • Anerkennung: Schließlich hilft es (selbstverständlich!), wenn die eigene Leistung wertgeschätzt wird, insbesondere in Verbindung mit den zuvor genannten Bedingungen. Diese Bestätigung kann vom Vorgesetzten kommen, genauso gut aber von Kollegen, Mitarbeitern, Kunden usw.

Die sieben Todsünden der Sinnvernichtung

Auf der anderen Seite beschreiben Bailey und Madden sieben Faktoren, die das Sinnerleben der Mitarbeiter in Nullkommanichts zerbröseln lassen. Wie bereits angedeutet, hat mangelhafte Führungsleistung einen großen Anteil an diesen Bedingungen.

  • Dissonanz von Wertvorstellungen: Wenn Menschen auf der Arbeit mit Wertvorstellungen konfrontiert werden (oder diese gar nach außen vertreten müssen), welche nicht mit ihren persönlichen Werten überstimmen, schwindet das Sinnerleben langsam aber sicher.
  • Bürokratie: Repetitive und insbesondere als unnötig, weil nicht wertschöpfend empfundene Aufgaben lassen den Sinn im Job rasend schnell zergehen.
  • Mangel an Wertschätzung: Eine Mangel an positiver Rückmeldung zum eigenen Arbeitsbeitrag verursacht starke Gefühle von Sinn- und Nutzlosigkeit.
  • Ungerechtigkeit: Wahrgenommene Ungerechtigkeit, insbesondere im Hinblick auf die Entlohnung (im Vergleich zu anderen) ist ein Killer für den Sinn im Job.
  • Entmündigung: Wenn Führungskräfte die Kompetenz ihrer Mitarbeiter beschneiden, zu viele Vorschriften machen und allgemein autokratisch anstatt partizipativ führen, erodiert das Sinnerleben zusehends.
  • Isolation: Das Abgeschnittensein von sozialen Kontakten und freundschaftlichen Begegnungen auf der Arbeit untergräbt auf Dauer die Empfindung von Sinn im Job.
  • Physische oder emotionale Gefährdung: Insbesondere als unnötig empfundene Gefährdung für Leib und Seele kann das Sinnerleben spürbar schmälern.
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Aus den Eingangsüberlegungen sowie der abschließenden Liste von potenziellen Sinn-Killern ergibt sich für mich übrigens auch eine wichtige Aufgabe für all jene Mitarbeiter, die geführt werden. Mir ist klar, dass Aufwärtsfeedback im Unternehmensumfeld nicht immer einfach zu vermitteln ist. Und trotzdem:

Wenn Sie einen guten Chef oder eine tolle Chefin haben: Sagen Sie es ab und zu. Es hilft. Wirklich…

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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