Digitales Arbeiten kann auf die Dauer belasten.
Digitales Arbeiten kann auf die Dauer belasten. © Foto:Microsoft

Ständige Erreichbarkeit | | von Anja Janotta

Wenn digitales Arbeiten die Familie nervt

Weil die Arbeitswelt im digitaler wird und die Arbeitnehmer ständig erreichbar sein müssen, leidet zunehmend auch das Familienleben und die Gesundheit. Das zeigt eine Untersuchung der Universität St. Gallen in Zusammenarbeit mit der "Bild am Sonntag" und der Barmer Krankenkasse, die die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles vorgestellt hat.

"Die Digitalisierung ist voll in der Erwerbsbevölkerung angekommen", sagte Studienleiter Stephan Böhm bei der Präsentation. Die Unterschiede zwischen einzelnen Berufen und Branchen fielen dabei eher gering aus. Am weitesten digitalisiert sind laut Studie IT- und naturwissenschaftliche Berufe mit 62 Prozent. Das Schlusslicht bilden Reinigungsberufe mit immerhin noch 37 Prozent.

Die ständige Erreichbarkeit macht sich vor allem gesundheitlich mit Einschlafschwierigkeiten, Kopf- und Rückenschmerzen sowie emotionaler Erschöpfung bemerkbar. Allerdings sind das offenbar nur kleinere Beschwerden - die Digitalisierung hat nur wenig Effekt auf den Krankenstand, so die Studie. Außerdem hängen demnach 18 Prozent aller Konflikte zwischen Arbeit und Familie mit der Digitalisierung zusammen. Insgesamt 23 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich durch ihre Arbeit ausgebrannt fühlten.

Trotzdem ohne Digital geht es wiederum auch nicht: Die Mehrheit der Befragten steht der Digitalisierung optimistisch gegenüber. Zwischen 51 Prozent der über 60-Jährigen und 65 Prozent bei den 18- bis 29-Jährigen äußerten sich positiv über den digitalen Wandel. Vor allem Führungskräfte und jüngere Berufstätige verspüren laut Studie einen überdurchschnittlichen Digitalisierungsdruck. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust durch Technik nimmt mit zunehmendem Alter ab: Während in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen 27 Prozent der Befragten diese Sorge umtreibt, sind es bei den über 60-Jährigen noch 12 Prozent.

12 Prozent der Befragten fühlen sich außerdem überfordert, weil die Technologie es zu vielen Menschen ermöglicht, auf ihre Zeit zuzugreifen. 15 Prozent nervt die Dauerkommunikation: Sie empfinden den Umgang mit E-Mails und Sprachnachrichten im Job als Zeitverschwendung, die nichts mit ihrer eigentlichen Arbeit zu tun hat. 17 Prozent geben außerdem an, dass sie die Technologie am Arbeitsplatz dazu zwinge, deutlich schneller zu arbeiten. Jeder Sechste fühlt sich von der Überfülle an Informationen bei der Entscheidungsfindung abgelenkt und durch die Informationsmenge überwältigt. Und auch der Zwang, sich weiterzubilden, kann zum Druck werden. Jeder Fünfte meint, er müsse seine technologischen Fähigkeiten stetig verbessern, um nicht ersetzt zu werden.

Den Druck mindern die Arbeitnehmer mit verschiedenerlei Strategien: Flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte, Sport, Verzicht auf Diensthandy und Dienstcomputer in der Freizeit und eine gute Beziehung zur Führungskraft. All dieses machen die Folgen der Digitalisierung für den Einzelnen kompensierbar.

Mehr als 8.000 Arbeitnehmer wurden von der GfK für die Studie befragt. 33,3 Millionen Berufstätige in Deutschland, die während ihrer Arbeitszeit mit Computern arbeiten oder Mobiltelefone nutzen.

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