Akademie der Muße | | von Annette Mattgey

Weiterbildung in Entschleunigung

Achtsamkeit, Stille und Stress-Reduktion heißt es bald für die ersten Kurs-Teilnehmer an der Akademie der Muße. Die Gründer Anselm Bilgri (Bild), Georg Reider und Nikolaus Birkl müssen hingegen zu vollen Touren auflaufen. Der ehemalige Benediktinermönch und ehemalige Prior des Klosters Andechs holte sich Unterstützung bei dem Rechtsanwalt und systemischen Berater Nikolaus Birkl und dem ehemaligen Franziskaner und Seminarleiter Georg Reider. Ziel der Einrichtung, die in Gräfelfing bei München ihren Sitz hat, sei es, mehr Achtsamkeit für die Umgebung zu entwickeln. Es handelt sich also nicht um eine Schule der Faulen, wehrt sich Bilgri. Die Akademie richte sich vielmehr an Führungskräfte und Manager, die zunehmend an den negativen Auswirkungen der Leistungsgesellschaft leiden. Menschen, die nach Antworten suchten und von traditionellen Konfessionen nicht angesprochen würden. Schließlich seien fast 60 Prozent der Berufstätigen der Meinung, dass sie mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen müssen. Über die Hälfte fühlt sich unter gesundheitsschädlichem Leistungs- und Termindruck. 20 Prozent der Arbeitsunfähigkeit geht auf psychologische Erkrankungen zurück.

Dagegen hält die Akademie der Muße mit Kursen, Seminaren, Vorträgen und Symposien. Sowie den sogenannten „Tagen des Innehaltens“. Das Programm umfasst die Themenspektren Lebensgestaltung, Beruf, Führung, Beziehungen, Spiritualität und Gesundheit. Traditionelle Erkenntnisse aus Philosophie und Psychologie sollen den richtigen Weg weisen. Der gestresste Manager soll „Räume entdecken und einüben, in denen er über Zeit verfügen kann“, so Bilgri. Denn Kreativität brauche Freiraum um sich entfalten zu können.

Für einen Teil der Vorträge hat die Akademie Räume der Schweißfurth-Stiftung in München gemietet. Die längeren Workshops finden in verschiedenen Herbergen - vom Kloster bis zum Bio-Hotel statt. Dabei ist die Muße nicht ganz billig, knapp 1000 Euro kostet der Retreat für Führungskräfte – Unterkunft und Verpflegung exklusive. Die dreitägigen Seminare bewegen sich zwischen 300 und 850 Euro.

Bei so viel Lebenshilfe und Entspannung heißt es nur noch, das Gelernte in den Alltag zu transportieren. „Führen mit Sog, statt Führen mit Druck“, soll den Führungskräften vermittelt werden. Dafür hält Seminarleiter Reider einen Tipp parat. Er praktiziere „Zen at work“ – nämlich eine Minute innehalten und meditieren. Und erst dann wieder in den Arbeitsalltag eintauchen.

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