Weihnachtsgeld | | von Deutsche Presse-Agentur

Weihnachtsgeld ist nicht für jeden drin

Rund 54 Prozent der Beschäftigten erhalten eine Jahressonderzahlung in Form eines Weihnachtsgeldes. Rund 15 Prozent erhalten eine Gewinnbeteiligung und 19 Prozent erhalten sonstige Sonderzahlungen. Leider sind die Chancen, wer in den Genuss kommt und wer leer ausgeht, recht ungleich verteilt. Das sogenannte Weihnachtsgeld steigt in den meisten Fällen parallel zu den Tarifgehältern, doch längst nicht jeder kann davon profitieren. Nur ein Teil der Zahlungen ist zudem vor Kürzungen geschützt.

Hier die wichtigsten Eckdaten:

Was ist Weihnachtsgeld?

Zunächst einmal ein schwammiger, gesetzlich nicht geregelter Begriff für eine Sonderzahlung. "Den Ausschlag gibt eigentlich der Auszahlungstermin zum Jahresende", sagte Tarifexperte Reinhard Bispink vom WSI-Tarifarchiv. Grundlage des Anspruchs ist in den meisten Fällen ein Tarifvertrag, der in aller Regel einen Prozentsatz zwischen 25 und 100 Prozent des Monatseinkommens nennt. Bei Tariferhöhungen steigt so auch das Weihnachtsgeld automatisch, es gibt aber auch Fix-Beträge. Neben den tariflichen Zahlungen sind durchaus auch freiwillige Leistungen der Arbeitgeber üblich, die aber unter Vorbehalt gestellt werden können. Das ist insbesondere für die Frage wichtig, ob die Arbeitnehmer auch in den kommenden Jahren wieder mit gleichem Geld rechnen dürfen.

Wer bekommt Weihnachtsgeld?

Nur gut die Hälfte der Arbeitnehmer (54 Prozent) in Deutschland, hat eine Umfrage des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung ergeben. Entscheidend ist vor allem die Frage, ob die Betroffenen nach einem Tarifvertrag bezahlt werden.

71 Prozent der Tarifbeschäftigten haben ein Anrecht auf Weihnachtsgeld, ohne Tarifvertrag sind es nur 42 Prozent. In Folge der unterschiedlichen Tarifbindung gibt es starke Unterschiede zwischen West und Ost, Mann und Frau sowie Vollzeit und Teilzeit.

Kann Weihnachtsgeld vom Arbeitgeber gekürzt werden?

Nicht, wenn es sich um ein tariflich vereinbartes Weihnachtsgeld handelt. Häufig ist die Zahlung im Manteltarif festgehalten, der bei Verhandlungen nur in seltenen Fällen "aufgemacht" wird. "Da geht man ungern ran", sagte der Tarifexperte Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Freiwillige Zahlungen können hingegen gekappt werden, wenn in den Vorjahren immer klar war, dass sie veränderbar sind. Zahlt ein Arbeitgeber freiwillig und ohne Vorbehalt über mehrere Jahre hinweg immer das gleiche Weihnachtsgeld, entsteht nach Rechtsprechung der Arbeitsgerichte eine "betriebliche Übung", auf die sich die Arbeitnehmer dann verlassen können.

Wie ist das Weihnachtsgeld entstanden und wie entwickelt es sich weiter?

Wie das gesamte Tarifrecht sind die Regelungen zum Weihnachtsgeld historisch gewachsen und daher von Branche zu Branche sehr unterschiedlich. Für Angestellte des Öffentlichen Dienstes und in der Stahlindustrie werden die Sonderzahlungen Urlaubs- und Weihnachtsgeld zusammengezogen. In einigen Ländern erhalten sogar pensionierte Beamte Weihnachtsgeld und werden damit eindeutig bessergestellt als Rentner. Keine Nachahmer hat die Regelung aus der Chemie gefunden, wo die Tarifpartner für das Weihnachtsgeld eine Spanne vorgegeben haben, innerhalb derer je nach Geschäftsverlauf auf Betriebsebene das Weihnachtsgeld ausgehandelt werden kann. Die Sonderzahlung, die im Einzelfall 125 Prozent erreichen kann, wird so einer Erfolgsbeteiligung etwas ähnlicher. Nicht tarifgebundene Unternehmen bevorzugen ertragsorientierte Modelle, sagt IW-Tarifexperte Lesch.   

Was machen die Menschen mit dem Weihnachtsgeld?

Sie geben es meistens sofort wieder aus. Das Weihnachtsgeld in Milliardenhöhe wirkt im Weihnachtsgeschäft wie ein Turbo, wenngleich der Einzelhandelsverband HDE keine genauen Summen nennen kann. Die GfK-Konsumforscher aus Nürnberg gehen davon aus, dass ein großer Teil der Sonderzahlungen in Geschenke, Urlaubsreisen oder auch in den feierlichen Rahmen des Weihnachtsfestes geht. Viele Menschen sorgen mit der zusätzlichen Zahlung aber auch fürs Alter vor und bezahlen per Gehaltsumwandlung in ihre Verträge ein. Vor allem in den unteren Lohngruppen ist das zusätzliche Geld aber auch schon fest für alltägliche Ausgaben verplant, hat im vergangenen Jahr eine Umfrage im Auftrag der Gewerkschaft Verdi ergeben.

(Christian Ebner, dpa)

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