1. Digital Mediapreneur Day | | von Christiane Treckmann

Weck den Zuckerberg in Dir!

Leidenschaft und Wertschätzung für die digitale Technologie, Offenheit, Risikobereitschaft und Mut - das sind einige der Kernkompetenzen für Digi-Entrepreneure. Yorck von Borcke, Professor der Hochschule Fresenius, machte beim ersten Digital Mediapreneur Day am Mittwoch in Hamburg klar, was diese „Mediapreneure“ von Zuckerberg, Page & Co. lernen müssen.

Jahrzehntelang konnten sich Medienmanager auf stabile Geschäftsmodelle verlassen, deren Wertschöpfungsprozesse erfolgreich waren und Managern und Mitarbeitern Orientierung gaben. Es entstanden dominante Geschäftsmodelle mit routinierten Prozessen, die Manager mit allgemeinen Managementkompetenzen erforderten, die teilweise sogar branchenübergreifend funktionierten und kopierbar waren.

Diese stabile Geschäftsarchitektur erhält nun durch die zunehmende Digitalisierung Risse: Neben einer oftmals völlig veränderten Wertschöpfungsmechanik treten durch Konvergenzprozesse auf Anbieterseite bislang unbekannte Konkurrenten auf den Plan. Auf Nachfragerseite entstehen neue Kundenbedürfnisse und lassen neue Produkt- und Marktsegmente entstehen.

Neben der Beherrschung allgemeiner Management- und Führungsfertigkeiten gewinnen individuelle Kompetenzen und ein neuer Führungsstil an Bedeutung, der sich vielfach bei erfolgreichen Managern und Entrepreneuren in der Digitalwirtschaft identifizieren lässt.

Folgendes ist dabei wichtig:

1. Leidenschaft für das Produkt

Ob Jack Dorsey von Twitter, Mark Zuckerberg von Facebook oder Pierre Omidyar von Ebay – eine Vielzahl von Gründern und Managern erfolgreicher Digitalunternehmen ist selber Informatiker oder hat sich seit frühester Jugend intensiv mit den technischen Grundlagen des Digital Business auseinandergesetzt. Von Larry Page ist überliefert, dass er, bevor das Projekt Google Books startete, selbst ein 300-Seiten-Buch einscannte, um ein Gefühl für die Digitalisierung von Büchern zu bekommen. Diese Leidenschaft, erst ein intelligentes Produkt zu bauen oder sogar komplett neue Lösungen zu ersinnen, die Kunden einen echten Mehrwert bieten, und sich erst danach um das Geldverdienen zu kümmern, ist es, was viele Start-ups aus dem Silicon Valley erfolgreich macht.

 2. Interaktion mit dem Netzwerk

Neben kognitivem Produkt-Know-how sollten sich Manager im Digital Business auf die Koordination mit ihren Netzwerkkontakten konzentrieren, die bei der Beschaffung von externem neuem Wissen, Kapital und Talenten für den Innovationsprozess unterstützen können. Ein solches Beziehungsportfolio kann zudem helfen, eine Strategie zu entwickeln, die über das Tagesgeschäft hinausgeht. So konnte Steve Jobs bei Apple aufgrund viefältiger Erfahrungen und Kontakte in der Film-, Musik- und PC-Industrie schon früh die Bedeutung der Digitalisierung für diese Branchen verstehen und daraus neue Produkte vordenken. Darüber hinaus bietet ein stabiles Netzwerk in der Branche die Möglichkeit, von Inside-out-Prozessen anderer Unternehmen zu profitieren. Prominentestes Beispiel für diese Strategie ist Google mit über 130 Akquisitionen in den letzten zehn Jahren.

 3. Promotoren des Wandels

Gute Ideen brauchten in der Wirtschaftsgeschichte schon immer Förderer: Mediapreneure fungieren als solche Promotoren und überwinden Barrieren der Innovation. Die Widerstände sind umso stärker, je mehr das neue Geschäftsmodell dem bislang eingeübten widerspricht und andere Fertigkeiten erfordert oder gar tradierte Konventionen berührt. Aus diesem Grund scheitern viele gut gedachte Modelle. Frische Ideen im Digital Business benötigen jedoch Schutz und Förderung durch das Top-Management, die Veränderungsprozesse nicht nur moderieren, sondern neben den benötigten Ressourcen das Neue auch gegen Widerstände durchsetzen.

Fazit: Mut und Optimismus

Mediapreneure sind Manager und Unternehmer, die die Marktchancen der digitalen Transformation unserer Wirtschaft konsequent nutzen. Aus der Analyse erfolgreicher Mediapreneure lassen sich Persönlichkeits­eigenschaften herausfiltern: Leidenschaft und Wertschätzung für die digitale Technologie, Offenheit in der Zusammenarbeit mit anderen, eine erhöhte Risikobereitschaft, gute Ideen auch gegen Konventionen durchzusetzen und schließlich der Mut und Optimismus, auch nach einem Scheitern erneut durchzustarten.

Management 2.0 – Tipps zur Umsetzung

1. Vertiefen Sie sich in die Grundlagen Ihres Produkts, lernen Sie die Möglichkeiten und Limitatio­nen der Technik verstehen, fragen Sie Ihre Kunden und treiben Sie mit Leidenschaft die Perfektionierung Ihres Produkts voran. Oftmals entstehen aus einem tollen Produkt völlig andere Geschäftsmodelle als anfangs geplant.

 2. Integrieren Sie komplementäre Assets über Netzwerke, Kooperationen oder Akquisitio­nen in Ihr Unternehmen. Beziehen Sie dabei über eine Netzwerkdelegation auch qualifizierte Mitarbeiter mit ein, und steigern Sie so Quantität und Qualität von Netzwerkkontakten. Sie gewinnen so unternehmerische Flexibilität, können schneller auf Veränderungen im Markt reagieren und Chancen im Markt besser nutzen.

 3. Werden Sie zum Promotor des Wandels, schützen und fördern Sie gute Ideen in Ihrem Unternehmen. Damit Innovationen im Unternehmen entstehen können, brauchen Mitarbeiter Freiraum und Vertrauen. Erst dieses Vertrauen schafft eine Atmosphäre, bei der Altbekanntes infrage gestellt und so Neues geschaffen werden kann. Akzeptieren Sie dabei auch, dass etliche gute Ideen kein wirtschaftlicher Erfolg werden. Indem Sie aber viele Ideen zügig auf Ihre Marktfähigkeit testen, anpassen oder auch wieder verwerfen, erhöhen Sie gleichzeitig die Chance auf einen Volltreffer.

Yorck von Borcke, HS Fresenius

An der Hochschule Fresenius in Hamburg leitet Professor Yorck von Bor­cke den Bachelor-Studiengang Mediamanagement sowie das Masterprogramm Mediamanagement & Entrepreneurship. Die Hochschule Fresenius und Bulletproof Media veranstalteten am 5. Februar erstmals den Digital Mediapreneur Day in Hamburg. LEAD digital ist Medienpartner dieser mit hochkarätigen Rednern besetzten Veranstaltung.

Weck den Zuckerberg in Dir!

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