Nico Rose | | von Nico Rose

Was wir von "Bob dem Baumeister" über Motivation lernen können

Wenn Menschen sich selbst oder andere für etwas motivieren, noch mehr Energie aus sich herauskitzeln wollen, dann nutzen sie häufig eine Form der Affirmation: "Tschakka, du schaffst es!", heißt es da bei einem "Klassiker" unter den Motivationsgurus. Und die Esoterikabteilungen in Buchhandlungen sind voll von dünnen Büchlein und Kartensets mit "positiven Affirmationen", die uns unseren Wünschen und Zielen näher bringen sollen. Ob solche Selbstzuschreibungen wirklich etwas bewirken, ist wissenschaftlich umstritten.

Es mehren sich allerdings die Anzeichen dafür, dass eine andere Form der (Selbst-)Motivation tatsächlich leistungsfördernd ist und uns eine gewünschte Verhaltensänderung länger durchhalten lässt.

Wie das geht, können wir uns bei der beliebten Comic-Figur "Bob der Baumeister" anschauen. Wenn er vor ein neues Problem gestellt wird, feuert er sich und seine sprechenden Werkzeuge nicht mit einem "Los, wir schaffen das!" an. Er nutzt dafür die Frageform: "Können wir das schaffen?" Seine Kameraden antworten dann in bester Barack Obama-Manier: "Yo, wir schaffen das!" (tatsächlich "Yes, we can!" im englischen Original auf die Frage "Can we fix it?"). Und er scheint mit dieser "Technik" goldrichtig zu liegen.

Eine Gruppe Forscher um Ibrahim Senay hat in mehreren Studien zeigen können, dass die grammatikalische Struktur eines ansonsten wortgleichen Satzes Einfluss darauf haben kann, wie wir uns im Anschluss verhalten. Konkret baten sie ihre Studienteilnehmer beispielsweise, Anagramme zu lösen. Die eine Hälfte der Probanden wurde gebeten, vorher den Satz „Ich werde Anagramme lösen“ einige Male innerlich zu wiederholen. Die andere Hälfte wurde aufgefordert, sich innerlich mehrere Male die Frage zu stellen: „Werde ich Anagramme lösen“? Und siehe da: jene Menschen, die sich selbst gefragt hatten, anstatt eine Aussage zu tätigen, lösten im Schnitt etwa 40 Prozent mehr Anagramme im gleichen Zeitraum. Eine Forschergruppe um Gaston Godin fand ähnliche Ergebnisse für die Intention, sich über mehrere Wochen mehr zu bewegen und Sport zu treiben. Jene Personen, die sich vorab selbst gefragt hatten, ob sie sich mehr bewegen würden, taten dies im Anschluss auch.

Bleibt die Frage: Warum ist das so? Die Forscher glauben, dass wir durch die Frageform dazu angeregt werden, über unsere Motivation bzgl. der anstehenden Aufgabe(n) nachzudenken. Dieser Prozess hilft uns, intrinsische Gründe dafür zu finden, das Verhalten auch tatsächlich an den Tag zu legen. Und intrinsische Motivation ist ein Garant für dauerhaften Einsatz und – in der Folge – hohe Leistungen; dies ist einer der stabilsten Effekte innerhalb der Motivationspsychologie.

Wenn Sie sich also in Zukunft wieder einmal selbst aufputschen wollen, versuchen Sie, sanfte Töne anzuschlagen und sich selbst zu fragen, ob Sie wirklich tun wollen, was Sie tun wollen oder sollen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Sie im Anschluss bessere Leistungen erbringen werden. Und fragen kostet bekanntlich nix…

Wer "Bob der Baumeister" nicht kennt, hier das deutsche Intro:

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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