Digi-Jobs | | von Annette Mattgey

Was macht eigentlich ein ... Audio Engineer?

Vom C64 ins Tonstudio: Das ist der Weg, den Christian Raters beschritten hat. Er ist Audio Engineer und arbeitet in seiner eigenen Firma an der Vertonung von Computerspielen. Anlässlich der Gamescom, die diese Woche in Köln läuft, stellt LEAD digital einige Berufe aus der Games-Branche vor.

Name: Christian Raters

Alter: 37

Position: CEO

Ausbildung: SAE Diploma Audio Engineer, Bachelor of Arts Audio Production

Unternehmen: Lyrebird Game + Audio GmbH

Was machst Du?

Als einer der Gründer und Geschäftsführer der Firma "Lyrebird Game + Audio" befasse ich mich zusammen mit meinem Geschäftspartner Julian Meybohm neben der Leitung der Firma besonders mit der Vertonung und Entwicklung von Computerspielen. Wir bieten neben Komposition, Sound Design, Recording und Mixing auch die Implementierung in die entsprechende Game Engine an, d. h. die programmiertechnische Einbindung aller Sounds inklusive 3D-Mixing.

Zusätzlich entwickeln wir gerade ein Spiel, bei dem die Komponente Audio im Bezug auf das Gameplay im Vordergrund steht. Hierbei fungiere ich als Projektleiter und - da die Spielidee ebenfalls von mir ist - auch als sogenannter Vision Keeper.

Außerdem doziere ich am SAE Institute Berlin und gebe Workshops und Seminare, hauptsächlich zu den Themen Game Sound, elektronische Musikproduktion und Mixing.

Wie bist du zu dieser Aufgabe gekommen?

Schon zu Zeiten des Commodore 64 haben mich Computerspiele und besonders ihre Sounds fasziniert. Damals begann ich, am Computer meine eigene Musik zu kreieren und habe dies seither nie aufgegeben. Nach einem missglückten Hochschulstudium bin ich dann zu dem Entschluss gekommen, mein Hobby irgendwie zum Beruf zu machen und absolvierte mein Diploma in Audio Engineering am SAE Institute Berlin. Schon während dieses Studiums wirkte ich bei diversen Audioproduktionen mit, da ich durch die praxisnahe Lehre am SAE Institute schon früh viel nützliche Informationen und einen guten Workflow in industrierelevanter Software bekam.

Im Rahmen meines Bachelorabschlusses habe ich dann in einem fachbereichsübergreifenden Projekt an der Entwicklung eines Computerspiels mitgewirkt. Hier durfte ich erleben, wie die Arbeit an einem Game vom ersten Konzept bis hin zur letzten Grafik vonstatten geht und natürlich was die Besonderheiten der Vertonung sind.

Danach war dann sonnenklar, dass das meine zukünftige Leidenschaft ist, mit der ich auch meinen Lebensunterhalt verdienen will.

Also habe ich zusätzlich einige weitere Assignments (benotete schriftliche Abgaben) innerhalb des Studiums wie z.B. das Schreiben eines Businessplans und eines Marketing-Konzeptes genutzt, um gezielt auf eine eigene Firma hinzuarbeiten, was Anfang 2014 dann geglückt ist :).

Welche Eigenschaft hilft dir in deinem Job-Alltag am meisten? Warum?

Die wichtigste Sache ist selbstredend die Leidenschaft für das, was man tut, und eventuell ein wenig Talent. Solch einen kreativen Job kann man nicht ständig ausüben, wenn einem die Lust oder das Können fehlt.

Nicht zu unterschätzen ist aber ebenso das "Know-how". Hiermit meine ich neben den technischen Basiskenntnissen einiger Geräte und Mischpulte besonders den Workflow in einschlägigen Programmen. Wenn man als Dienstleister tätig ist, muss man die Wünsche der Kunden meist zu einer bestimmten Deadline umgesetzt haben. Diese sind in der Regel sehr zeitnah. Und genau in diesem Punkt kommt mir meine praxisorientierte Ausbildung wieder zugute. Es ist nämlich viel einfacher, seine Ideen umzusetzen, wenn man das technische Handwerk aus dem Effeff beherrscht und man nicht unnütz Zeit mit Tutorials und Manuals vergeudet.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist heutzutage das "Networking", also Kommunikation. Man sollte gewillt sein, sich mit Menschen oder Firmen aus seiner Branche persönlich auseinanderzusetzen und ständig auszutauschen. Als Unternehmen profitiert man ungemein von diesen Kontakten in alle Richtungen, sei es durch Jobanfragen oder Tipps und Tricks.

Auch hierbei sind wir zum Glück durch unser Projektstudio in den "Riverside Studios" in Berlin-Kreuzberg und unserer Mitarbeit beim SAE Institute gut aufgestellt.

Was ist dir an deinem Job am wichtigsten? Was macht am meisten Spaß?

Natürlich ist es mir unglaublich wichtig, dass unsere Firma wächst und gedeiht. Dementsprechend ist es ein wesentlicher Bestandteil, unserem eigenen Qualitätsanspruch immer gerecht zu werden.

Der Name "Lyrebird” stammt von einem australischen Vogel, der nahezu jedes Geräusch seiner Umgebung perfekt imitieren kann. Und genau das ist die Maxime: Die Realität soll eins zu eins umgesetzt werden, um die Wahrnehmung des im Spiel Erlebten so authentisch und gleichzeitig emotional wie möglich zu gestalten.

Da ich ja gelernter Audio Engineer bin, machen mir z.B. Foley-Aufnahmen (Geräuschaufnahmen) und Sound Design sehr viel Spaß. Das ist der kreative Part meines Jobs.

Ich finde es aber auch ungeheuer spannend, ein neues Spiel zu kreieren, um es dann mit einem Team von Programmierern, 3D-Artists und Tontechnikern umzusetzen. Hierbei ist übrigens Geduld eine unverzichtbare Tugend, ebenso Genauigkeit. Es bringt nichts, ohne vernünftig ausgearbeitetes Konzept blauäugig in ein Projekt zu starten. Die Zeit, die man anfangs glaubt zu sparen, verliert man später mindestens dreifach.

Mein Job ist unverzichtbar, weil …

...ein Computerspiel ohne Sound wie das Leibgericht ohne Geruch ist.

Wenn du nicht Audio Engineer wärst, was wärst du dann?

Vor der Tontechnik habe ich Philosophie und Geologie studiert und jeweils erfolgreich abgebrochen. Wahrscheinlich wäre ich Sprüche und Steine klopfender Weltreisender geworden ;).

LEAD digital stellt in loser Reihenfolge neue Berufsbilder aus der digitalen Wirtschaft vor. Weitere Job-Porträts finden Sie hier.

Was macht eigentlich ein ... Audio Engineer?

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