Marie Lazar hat sich schon früh mit Game Design beschäftigt.
Marie Lazar hat sich schon früh mit Game Design beschäftigt. © Foto:Demodern

Digitaljobs | | von Annette Mattgey

Was macht eigentlich ... ein 3D-Artist?

"Nichts ist vergleichbar mit dem Kick, virtuelle Welten zu kreieren", sagt Marie Lazar, die als 3D-Artist für die Digitalagentur Demodern arbeitet. Warum es die Amerikanerin für ein Projekt nach Ulm verschlagen hat und was ihr an dem Job sonst noch Spaß macht.

Name: Marie Lazar

Alter: 29

Position: 3D-Artist

Ausbildung:

Ich habe an der Michigan State University und am Savannah College of Art and Design (Georgia) studiert. Somit habe ich zwei Bachelorabschlüsse – in "Telekommunikation" und in "Studio Art" – sowie einen Master in "Interactive Design und Game Development"

Unternehmen:

Ich bin am Hamburger Standort von Demodern – Digital Agency tätig.

Was machst du?

Ich entwerfe und gestalte 3D-Modelle von allem Möglichen – von Produkten, über Tiere und Pflanzen bis hin zu Umgebungen und Szenerien, beispielsweise ganze Stadtviertel mit Straßenzügen und Häuserzeilen.

In meiner derzeitigen Funktion nehme ich jedoch eher die Rolle der 3D-Generalistin ein. Das heißt, ich bin zusätzlich für Lighting, Rigging sowie Level Design* zuständig – und je nach Anwendungsfall auch für Spezialeffekte. An jedem Visual, das in die Game Engine importiert wird und nicht gerade ein Button, Icon oder Text ist, bin ich somit in irgendeiner Form beteiligt.

Wie bist du zu dieser Aufgabe gekommen?

Videospiele interessierten mich quasi schon immer. Bereits als Kind habe ich viel Zeit damit verbracht, Spiele-Ideen in meine Schulhefte zu skizzieren. Mit 18 lernte ich dann in einer Art Ferienlager, wie man einfache Game-Level mittels "Unreal" baut. Das ist die gleiche Engine, in der auch die Ego Shooter Reihe "Unreal Tournament" entworfen wurde. Seitdem wollte ich nichts anderes mehr machen. An der Uni studierte ich "Traditional Art and Game Design" und brachte mir 3D-Art über Video-Tutorials und Online Communities selbst bei. Bevor ich bei Demodern gelandet bin, habe ich für ein paar Jahre in der Spiele-Industrie gearbeitet.  

Welche Eigenschaft hilft dir in deinem Alltag am meisten? Warum?

Flexibilität ist wohl eine der wichtigsten Eigenschaften in meinem Job. Normalerweise ist der Prozess des "Modelle-Entwerfens" recht geradlinig: Erst wird modelliert, dann werden Texturen gemalt. Oft briefen jedoch Kunden und Designer kurzfristig Änderungswünsche ein. Im Zweifelsfall muss man dann von vorne anfangen. Daher plane ich voraus und gestalte meine Modelle auf eine Art und Weise, die es mir erlaubt, Änderungen einfacher vorzunehmen, ohne viel Zeit zu vergeuden.

Schildere möglichst anschaulich ein Projekt, das dich besonders begeistert hat.

Die von Demodern entwickelte Virtual Reality-Anwendung "Ulm-Stories" war und ist eines meiner Highlight-Projekte. Ich durfte das Ulm des 19. Jahrhunderts in 3D nachbauen – vom Kirchturm über Häuser bis zum einzelnen Pflasterstein. Als gebürtige US-Amerikanerin reise ich gerne durch deutsche Städte und versuche herauszufinden, wie sie sich unterscheiden. Daher war der virtuelle Ausflug (und der reale natürlich auch) nach Ulm natürlich etwas ganz besonderes.

Was ist dir an deinem Job am wichtigsten? Was macht am meisten Spaß?

Für mich persönlich ist das Wichtigste und gleichzeitig das Herausforderndste an meinem Job, die Balance zwischen den Projektzielen und den zeitlichen und budgetären Vorgaben zu halten. In einer perfekten Welt hätte ich Wochen Zeit, um ein einziges Modell bis zur Perfektion zu erstellen. In der Praxis hingegen muss ich den Aufwand immer in Relation zu Budget und Timing sehen.

Am meisten Spaß macht es mir, eine neue Technik oder Software auszuprobieren und ganz grundsätzlich – zu lernen. 

Mein Job ist unverzichtbar, weil…

Die Nachfrage nach 3D-Modellen steigt stetig: Konfiguratoren, Einrichtungsgegenstände oder ganze Umgebungen müssen für AR- oder VR-Anwendungen in 3D erstellt werden.    Und irgendjemand muss diese 3D-Modelle entwerfen – das bin in dem Fall ich. Darüber hinaus entwickelt sich die Technologie kontinuierlich weiter und damit wachsen auch die Erwartungen an Software-Kompetenzen. Stets auf der Höhe der neusten technologischen Entwicklungen zu bleiben und gleichzeitig mein künstlerisches Auge zu schärfen, ist ein Vollzeit-Job.

Wenn du nicht 3D-Artist wärst, was wärst du dann?

Höchstwahrscheinlich Programmiererin oder Game Designerin. Nichts ist vergleichbar mit dem Kick, virtuelle Welten zu kreieren. Ansonsten könnte ich mir auch vorstellen, als Architektin zu arbeiten und Räume in der realen Welt zu entwerfen.

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*Erklärung der Begriffe:

Lighting: Perfekte Ausleuchtung einer 3D-Welt

Rigging: Mithilfe einer Software wird ein Skelett, ein sogenanntes ‚Rig aus Bones’ (Knochen) oder auch ‚Joints’ (Gelenken) konstruiert, das festlegt, wie die einzelnen Teile eines Meshes bewegt werden können.

Level Design: Erstellen und Bearbeiten von 2- oder 3-dimensionalen Leveln und ähnlichen Spielwelten für Computerspiele

Was macht eigentlich ... ein 3D-Artist?

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