Karriereplanung | | von Annette Mattgey

Was Frauen von Marissa Mayer lernen können

Yahoo-Chefin Marissa Mayer ist eines der Aushängeschilder der amerikanischen Internet-Wirtschaft. An ihrem Beispiel können Frauen lernen, wie sie den Weg in Führungspositionen schaffen können. Cella Irvine (Bild), CEO von Vibrant Media, analysiert, was Marissa Mayer, Yahoo, Virginia Rometty, IBM, und Rochelle Lazarus, Ogilvy & Mather, so besonders macht.

Es ist entschieden: Auch 2013 wird die Bundesregierung sich für die Umsetzung der sogenannten „Flexi-Quote“ einsetzen. Das Ziel: Aktiennotierte Unternehmen sollen sich freiwillig zu einem bestimmten Frauenanteil in Führungspositionen bekennen. Auch die Europäische Union möchte gerne mehr Frauen in Top-Positionen sehen. Allerdings schwebt den Regierenden in Brüssel eine von der EU festgelegte Quote von Frauen in Aufsichtsratspositionen aller börsennotierten Unternehmen vor. Beide Modelle fanden schnell Befürworter und Kritiker, einig sind sich beide Fraktionen aber, dass mehr Frauen Zugang zu leitenden Positionen in Unternehmen haben sollen.  In den USA ist diese Debatte durchaus auch vorhanden, nicht aber auf Regierungsebene. Dies mag vielleicht mit der amerikanischen Mentalität zusammenhängen,  ausnahmslos jeder könne es vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen.

Keine Scheu vor neuen Aufgaben

Wo auch immer die Debatte stattfindet, sie ist wichtig und richtig. Denn Frauen haben es nach wie vor nicht leicht, ganz nach oben zu kommen. Nur vier Prozent der CEOs in den Fortune 500-Firmen sind Frauen. Wie schaffen sie es an die Spitze von einflussreichen Unternehmen? Besonders im Technologiebereich gibt es bereits einige weibliche Führungskräfte, deren Werdegang Motivation und Vorbild für Frauen überall sein kann. Ein sehr prominentes Beispiel ist Virginia „Ginni“ Rometty, Chairman und CEO von IBM, ist seit acht Jahren fest in der Fortune-Liste der 50 einflussreichsten Frauen der Wirtschaft vertreten. 2012 belegte sie sogar den ersten Platz. Ihre Karriere begann mit einem technischen Abschluss der Northwestern University, den sie mit Auszeichnung bestand. Nach nur einem Jahr beim General Motors Institute führte sie schon ihr zweiter Job zu IBM als Systemadministratorin. 

Schnell arbeitete sie sich nach oben und arrangierte schließlich unter anderem den Kauf von PricewaterhouseCoopers Consulting durch die IBM Consulting Group im Wert von über 3,5 Milliarden Dollar. Der Einstieg von IBM ins Cloud Computing und Consulting wird ihrer Initiative zugeschrieben. Das Netzwerk ist Rometty sehr wichtig und sie hält engen Kontakt zu ihrer Universität. In einem Interview mit dem Fortune Magazine beschreibt sie eine der wichtigsten Lektionen ihres Lebens: Ein Vorgesetzter hatte ihr sehr früh in ihrer Karriere einen herausfordernden neuen Job angeboten und sie bat um Bedenkzeit. Kein männlicher Mitarbeiter hätte sich Bedenkzeit erbeten, so Rometty. Frauen seien oft sehr selbstkritisch. Sie rät Kolleginnen daher, selbstsicher aufzutreten und bereit zu sein, Risiken einzugehen, auch wenn sie anfangs vielleicht unsicher sind, ob sie die neue Aufgabe meistern können.

Den Job passend zu den Vorlieben und Stärken wählen

Eine weitere prominente Führungskraft ist Marissa Mayer. Sie war maßgeblich am Erfolg von Google beteiligt und bis Juli 2012 Vizepräsidentin des Suchgiganten. Inzwischen hält sie bei Yahoo die Fäden in der Hand und ist kürzlich Mutter geworden. Nach dem Informatikstudium an der Stanford University und einem Job bei der UBS in der Schweiz stieg sie 1999 als erste Technikerin und 20. Mitarbeiterin bei Google ein. Sie war zunächst für die Webserver verantwortlich, später dann für die Gestaltung der Google-Hauptseite und -Suche sowie für Google News und Gmail. Auch Mayer blieb ihrer Hochschule treu und gab unter anderem Einführungskurse in Programmierung, was ihr zwei Auszeichnungen für besonderes Engagement einbrachte. Einen besonderen Tipp für Frauen gab sie 2011 in einem Interview mit der LA Times: Diese sollten sich darauf konzentrieren, was sie am liebsten tun und dann eine Umgebung wählen, in der sie diesen Job gerne machen. Sie selbst sei eher schüchtern. Bei Google hatten ihr dies die wenigsten Kollegen geglaubt, doch habe sie sich dort immer sehr wohl gefühlt und dadurch ihre Schüchternheit ablegen können.

Hartnäckig auf der Suche bleiben

Eine Frau, die für viele (Frauen und Männer) ein wichtiges Vorbild darstellt, ist Rochelle „Shelly“ Lazarus. Sie arbeitete mehr als 40 Jahre für die Agentur Ogilvy & Mather, wurde 1997 Vorstandsvorsitzende und CEO und ist inzwischen Ehrenvorsitzende des Werbegiganten. Als sie 1970 einen MBA an der Columbia University absolvierte, gab es in ihrer Klasse überhaupt nur vier Frauen. Schon ihr zweiter Job war bei Ogilvy & Mather, wo sie schnell die Erfolgsleiter empor schoss. Unter anderem brachte sie American Express als Kunden zur Agentur und überzeugte IBM davon, die breit über 70 internationale Agenturen gestreuten Werbeaktivitäten in die Hände eines Teams bei Ogilvy zu legen. Ganz einfach war der Weg in die Firmenspitze keinesfalls.

Neben der harten Arbeit hatte eine andere Frau maßgeblich den Weg bereitet. Lazarus löste nämlich 1996 Charlotte Beers als CEO ab und machte Ogilvy damit zur ersten Firma der Werbebranche, in der zwei Frauen nacheinander die Führungsposition innehatten. Ähnlich wie Marissa Mayer eine Generation später lebt auch Shelly Lazarus nach dem Vorsatz, das zu tun, was man liebt und gleichzeitig die richtige Balance zwischen Arbeit und Familienleben zu erhalten. In einem Videointerview mit makers.com beschreibt sie den Ratschlag, den sie allen jungen Frauen gibt: „Ihr werdet Eure Kinder immer lieben. Wenn ihr also Euren Job nicht liebt, verliert Eurer Leben die Balance, denn ihr seid immer weit von dem entfernt, was ihr liebt. Eure einzige Chance ist es, eine Arbeit zu finden, die euch wirklich am Herzen liegt. Bleibt am Ball, bis ihr diesen Job gefunden habt!“

Fazit

Eine Frauenquote allein wird also nicht reichen, mehr Frauen die Tür zur Chefetage zu öffnen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es neben dem eigenen Antrieb vieler Faktoren bedarf, um die richtigen Türen zu öffnen. Darunter das eigene Selbstvertrauen, der Mut, den Job zu finden, den man liebt und nicht zuletzt die Hilfe von einflussreichen Mentoren und Vorbildern. Die Karrieren von Rometty, Mayer und Lazarus unterstreichen dies. Wir sollten zuversichtlich in die Zukunft blicken, doch nach wie vor bedarf es der aktiven Mitarbeit aller, um das Ziel der wahren Gleichberechtigung in den Chefetagen voranzutreiben.  Jeder von uns sollte also Wege finden, anderen Frauen Türen zu öffnen, die für den entsprechenden Job am besten qualifiziert sind. 

Cella Irvine ist seit Oktober 2011 CEO von Vibrant,  Anbieter von kontextuell gesteuerter Werbung, und hat über 25 Jahre Erfahrung in Führungspositionen in der digitalen Wirtschaft. Zuvor war Cella Irvine CEO der About Group, einer Tochter der New York Times Company. Irvine hat einen MBA der Harvard University. Im Oktober 2012 wurde sie von Business Insider zu einer der „13 Powerful Women Running Today's Biggest Startups“ gekürt.

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