Silicon Valley | | von Irmela Schwab

Was Deutsche vom kalifornischen People Business lernen können

Michael Wolter hat dieses Frühjahr im Silicon Valley verbracht. Weil er als Mitglied der Geschäftsleitung von Immonet zum Axel Springer Konzern gehört, konnte er gleich an Springers Visiting Fellow-Programm teilnehmen. Sein begeistertes Fazit: "Jedes Unternehmen sollte seine Mitarbeiter dorthin entsenden." Im Interview mit LEAD digital erklärt er warum.

Was findet man im Silicon Valley was es in Deutschland oder Europa nicht gibt?
Wie wahrscheinlich viele andere aus der Tech-Branche fragte auch ich mich vor der Reise, warum gerade hier der Nabel der IT-Welt ist. Der historische Hintergrund ist bekannt, aber warum kommt auch heute noch so viel aus dem Valley? Die Innovationskraft, die von den Unternehmen vor Ort ausgeht, ist es, was man in Europa in dieser Form nicht antrifft. Sie kommt weder vom tollen Wetter noch arbeiten die Menschen dort länger und härter. Es ist die Stanford University, die das Valley prägt und deren Absolventen, die davon überzeugt sind, die besten zu sein. Ich kann nur jedem raten sich mal einen Nachmittag auf dem Gelände aufzuhalten.

Was hat Ihnen während Ihres Aufenthalts am meisten weitergeholfen?
Schon bei der Planung eines Aufenthalts sollte berücksichtigt werden, wie wichtig es ist,  gerade am Anfang viele gute Kontakte vor Ort zu ermöglichen. Axel Springer hat das wirklich professionell organisiert und den Startup-Accelerator Rocket Space damit beauftragt, die Teilnehmer des Programms zu betreuen. Die Mitarbeiter des Accelerator sorgen dafür,  dass man an den entsprechenden Veranstaltungen teilnehmen kann und die richtigen Leute für sein Projekt kennenlernt. Der Vorteil von Axel Springer: mit Dr. Anton Waitz ist ein kompetenter Ansprechpartner vor Ort, der viel Unterstützung bietet – auch wenn das nicht sein eigentlicher Job ist.

Was sollten sich die Deutschen abschauen?
Die Deutschen sollten sich mehr vom amerikanischen „People Business“ abschauen. Dies mag zwar eine Standard-Antwort sein, war für mich aber eine wichtige Erfahrung. Hier geht es um die Frage, wie man mit Menschen umgeht, die in ihnen schlummernden Potenziale und die Anziehungskraft zur Entfaltung bringt. Auch wenn es für mich zunächst tatsächlich etwas befremdlich war, dass ein Professor in Stanford seinen Studenten in der Vorlesung predigte, sie würden zur Elite gehören. Man stelle sich mal einen überfüllten Hörsaal in Deutschland vor und einen Professor, der die Vorlesung mit „Es ist mir eine Ehre vor Ihnen sprechen zu dürfen“ eröffnet. Im Berufsleben hingegen würde es nicht schaden, zum Beispiel bei Unternehmens-Prüfungen einfach mal von Excel-Listen aufschauen und sich den Unternehmer als Person genauer anzuschauen.

Was hat es Ihrem Unternehmen konkret gebracht? Und was Ihnen persönlich?
Ich bin mit fünf Ideen aus dem Silicon Valley zurückgekommen, die sich auch monetär für Immonet auszahlen werden. Mindestens drei davon kommen zur Produktreife, zwei werden bereits umgesetzt. Natürlich hat mich die Zeit auch persönlich verändert. Die Chance viele interessante Gespräche zu führen und besondere Menschen kennenzulernen hat dazu beigetragen mich weiterzuentwickeln - getreu einem Zitat von Frank Zappa: „A mind is like a parachute. It doesn't work if it is not open."

Würden Sie auch anderen Unternehmen und Startups raten, eine Zeit lang
 ins Silicon Valley zu gehen, eventuell sogar dort ein weiteres Office zu  eröffnen?  Ich kann tatsächlich jedem Unternehmen dazu raten. Idealerweise sollten nicht 
nur Führungskräfte, sondern – wie das Axel Springer macht – auch Mitarbeiter ins Silicon Valley reisen können. Natürlich müssen die Mitarbeiter mit einer klaren Aufgabe entsendet werden.

Mehr zum Thema "Deutsche im Silicon Valley" lesen Sie in LEAD digital 19/2014 (ET: 17. September 2014).

Was Deutsche vom kalifornischen People Business lernen können

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