Das Magazin erscheint als Printversion Ende des Jahres mit einer Sammlung der besten Werke.
Das Magazin erscheint als Printversion Ende des Jahres mit einer Sammlung der besten Werke. © Foto:Christian Clawien

Blogmagazin New-D | | von Lisa Daschinger

Warum Digitalstratege Christian Clawien ein Print-Magazin auflegt

Social-Media-Experten gibt es viele, aber Christian Clawien war einer der ersten und gehört heute zu den besten. Der frühere Interone-Manager ist Leiter für Digitale Strategien bei Fischer-Appelt und hat damit eigentlich genug zu tun. Trotzdem betreibt er neuerdings noch ein eigenes privates Online-Magazin: New-D. Warum macht man so etwas? W&V-Redaktionsmitglied Lisa Daschinger hat ihn gefragt. 

Herr Clawien, wie genau kam die Idee zum Magazin?

Anfang 2006, als Social Media noch Web 2.0 hieß, gab es eine Rieseneuphorie, dass das Web die Welt zum Positiven verändern würde: Dass sich Macht von Organisationen auf den Einzelnen verlagert, dass große Chancen darin liegen, dass jeder publizieren kann. Das habe ich sehr lange beobachtet und ab dem Moment, wo es ein ständiges Wechselspiel zwischen Offline- und Online gab, merkte man schnell, dass nicht alles immer nur "amazing" und "awesome" ist. Diesen Wandel mit meiner Erfahrung als Online-Kommunikator zu begleiten und auch mal mit anderen Akteuren als den üblichen Verdächtigen zu sprechen, war der Impuls New-D zu starten.

Für Sie war ein Wirtschaftsartikel in der "Zeit" der Auslöser etwas zu tun. Was genau stand in diesem Artikel?

Das war ein Artikel des von mir sehr geschätzten Götz Hamann über den Umgang mit Hasskommentaren auf Facebook. Dieses Thema ist beispielhaft für die Veränderung der Meinungsbildung durch Social Media und auch typisch für die Verunsicherung der Politik, wie sie mit neuen, globalen Netzwerken darüber verhandeln könnte, was geht und was nicht.

Man wird "Geschichten aus der Welt des Wandels sehen". Über welche Themengebiete darf man sich genau freuen?

Geschichten aus der Wirtschaft, der Kultur, der Politik oder über die Digitalisierung im täglichen Leben. Ohne mir anmaßen zu wollen, dass ich schon soweit bin, stelle ich mir eine Mischung aus "Wired", "Die Zeit" und "Galore" vor. Die Leser meines Blogs sollten sich übrigens Zeit nehmen. Die Beiträge sind ausführlich und deshalb lang.

Welche Zielgruppe soll angesprochen werden?

Auf keinen Fall wollte ich eine weitere Buzzword-Bingo-Schleuder. Mir macht es Spaß, mich mit geerdeten Akteuren aus der Gesellschaft zu unterhalten, lange Gespräche zu führen. Mit einer Buchhändlerin, einem Kinobetreiber oder einem DJ-Duo, denn Digitalisierung greift mittlerweile viel stärker auch in Branchen durch, die nicht im Mittelpunkt der Debatte stehen. Auf der anderen Seite runde ich das Thema durch Interviews mit Menschen ab, die mich inspirieren und die etwas zur Debatte beitragen können, wie z.B. der brandEins Mitbegründer Wolf Lotter, die Arbeitsministerin Andrea Nahles oder den Veränderungsexperten Jörg Jelden.

Bisher zieht New-D vor allem Influencer als Leser an: Stiftungen, Verbände, Agenturen, Journalisten oder Politiker. Ich schreibe aber bewusst nicht für eine bestimmte Zielgruppe.

Sie schreiben, dass die "Digitalen" zu sehr unter sich diskutieren und eigene Wahrheiten als nicht hinterfragbare Maxime in die Welt tragen. Wie kann das Magazin das ändern?

Wir müssen über den Rand unserer Filterbubbles schauen. Miteinander reden statt übereinander. Wenn es Menschen gibt, die Gefahren in der Digitalisierung sehen, dürfen wir nicht draufschlagen und uns über sie lustig machen. Wir müssen breit darüber diskutieren. Die Frage stellt sich: Wo ist der Ort für eine breite offene Diskussion? In einem kleinen Spezialmagazin? Eher nicht. In den Medien? Die haben ihre Kommentarspalten ja schon fast beerdigt. Das Problem ist groß: Wir erleben eine Polarisierung zu vielen Themen in der Gesellschaft. Die Stimmung wird aggressiver. Derzeit hat kaum einer eine Antwort darauf, wie man mit all diesen Strömungen umgehen kann. Es herrscht Ratlosigkeit.

Gastbeiträge sind erwünscht. Welche Themen werden besonders gerne genommen?

Alles, was zum Ansatz passt, also der persönliche Umgang mit der Digitalisierung aus der Sicht von Akteuren aus der lokalen Wirtschaft, aus der Kultur, der Gesellschaft. Die Sicht von Experten oder Wissenschaftlern aus artverwandten Umfeldern der digitalen Welt, die sich mit der Analyse und der Gestaltung der Digitalisierung beschäftigen.

Bedeutet der Launch Ihres privaten Blogmagazins einen Rückzug von Fischer-Appelt?

Nein, mitnichten. Mein Arbeitgeber ist ja selbst Akteur zu diesen Themen und gibt uns die Möglichkeit für Aktionen wie "Lass die Helden heulen". Für die "Republica" in Dublin am 20.10. wird schon das nächste Projekt dieser Art vorbereitet.

Sie schreiben unter anderem auch für Xing. Werden die von Ihnen verfassten Artikel regelmäßig auf der Jobplattform veröffentlicht?

Als Xing-Insider möchte ich spontan Dinge schreiben, die schnell raus müssen. Als nach einer Hartaberfair-Sendung ein Minister auf Twitter zu einem Digitalthema getrollt wurde, habe ich das mit der Wagenburg-Mentalität geschrieben. 

Das Magazin wird Ende des Jahres in Printversion mit den besten Geschichten des Jahres erscheinen. Bleibt das eine Ausnahme?

Lassen Sie sich überraschen. Die Pilotausgabe mache ich komplett in Eigenregie, freue mich aber über Unterstützer. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen. Wer interessiert ist oder noch eine passende Geschichte schnell loswerden will, kann mich einfach anschreiben.

Vielen Dank für das Gespräch. 

Warum Digitalstratege Christian Clawien ein Print-Magazin auflegt

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