Ohne Knete keine Fete | | von Nico Rose

Warum der Generation Y das Gehalt NICHT egal ist

Es ist ja so einiges zu finden im Internet rund um die sagenumwobene Generation Y. Wie so oft bei viel diskutierten Themen mischen sich nach und nach studienbasierte Fakten, Meinungen und nachgeplapperte Halbwahrheiten zu einer ziemlich undurchsichtigen Datenbrühe.

Eine Aussage, die ich zuletzt immer wieder finden konnte, z.B. hier in der deutschen Huffington Post, lautet (so oder ähnlich): Gehalt? Das ist den jungen Leuten heute egal. Hauptsache der Job ist sinnvoll und macht Spaß.

Es liegt mit im Prinzip fern, andere Schreiberlinge zu „dissen“ – aber hier muss ich einmal ganz klar sagen: solche Aussagen sind Kokolores! In meiner Rolle als Employer Branding-Verantwortlicher eines Großkonzerns lese ich regelmäßig die Ergebnisse jener Umfragen, die Institute wie Trendence und Universum jährlich unter tausenden von Studierenden und Young Professionals durchführen; ebenso die Studien unter den Mitgliedern des Karriere-Netzwerkes e-fellows.net. Auf Basis dieser Datenlage lässt sich sagen:

Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass für die heutigen Absolventen und Young Professionals (in Deutschland) das Gehalt weniger wichtiger geworden wäre. Die Relevanz dieses Kriteriums für Karriereentscheidungen schwankt von Jahr zu Jahr, in fetten Jahren steigt sie ein wenig, in mageren sinkt sie wieder ein bisschen. Ein abnehmender Trend über mehrere Jahre ist jedoch mitnichten erkennbar. Ohne Knete keine Fete! Das Gehalt ist und bleibt eines der wichtigsten Kriterien bei der Wahl des Jobs.  

Die Frage ist nun: Wie kommen die oben genannten Aussagen zustande? Dazu gilt es zunächst, die durchaus vorhandenen Körner der Wahrheit herauszupicken. Ja, es stimmt. Es stimmt, dass Aspekte wie Sinnerleben, Work-Life-Balance und flexible Arbeitszeitregelungen in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung gewonnen haben.

Daraus folgt aber noch lange nicht, dass das Gehalt gleichzeitig unwichtiger geworden wäre. Vielmehr ist das Anspruchsniveau an Arbeitgeber insgesamt spürbar gestiegen. Betrachtet man das Ganze theoriegeleitet, z.B. anhand der Zwei-Faktoren-Theorie zur Arbeitsmotivation von Herzberg, so lässt sich sagen:

Es gibt Eigenschaften eines Arbeitsplatzes bzw. Arbeitgebers, die das Gehalt in ihrer Bedeutung als „Begeisterungsfaktor“ überholt haben. Sprich: ein gutes Gehalt kann bei den meisten Millennials keine dauerhafte Arbeitszufriedenheit und -motivation sicherstellen – dies wird gewährleistet durch Aspekte wie flexible Arbeitszeitmodelle, die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung, und einen attraktiven „ideologischen Überbau“.

Das Gehalt ist jedoch nach wie vor ein äußerst wichtiger „Hygienefaktor“. Bedeutet: unterschreitet es einen kritischen Schwellenwert, sinkt die Arbeitszufriedenheit (bzw. die Absicht, einen Arbeitgeber überhaupt in Betracht zu ziehen) rapide gen null.

Und das ist auch gut so. Vom Sinn allein wird auch die flexible Generation Y nicht satt.

Nico Rose (zu finden auch via Twitter und Facebook) ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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