DLD Women 2013 | | von Annette Mattgey

Von der Leyen: Aus "Wut" für die Quote

Auf dem Nachmittagspanel des diesjährigen DLD Women in München offenbarte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen ihre ganz persönliche Motivation in der Quotendebatte: Wut. Mit ihr auf dem Podium diskutierten Gina Lund, Politikerin aus Norwegen, und Antonella Mei-Pochtler, Boston Consulting Group. "Wir werden langsam müde. Wir wollen Ergebnisse sehen", fasste von der Leyen ihre Haltung in der Debatte um  mehr weibliche Führungskräfte zusammen. Einig war sie sich dabei mit Gina Lund, die mehrere Jahre als Staatssekretärin im norwegischen Arbeitsministerium beschäftigt war. "Wo sind die Ergebnisse?" fragte Lund rhetorisch und spielte damit auf die vergeblichen Versuche an, den Anteil von Frauen im Management ohne Quoten zu erhöhen. In Norwegen habe die Debatte 25 Jahre gedauert, seit zehn Jahren gibt es Quoten für Frauen in der Wirtschaft.

Skeptisch blieb dagegen Mei-Pochtler. Insbesondere bezweifelte sie, dass Quoten im Aufsichtsrat mehr als bloße Ablenkungsmanöver seien. "Das hört sich bloß gut an." Stattdessen sprach sie sich für "bindende KPIs" auf freiwilliger Basis und unternehmensspezifisch aus. Außerdem sollten die Unternehmen veröffentlichen, welche Chancen Frauen bei ihnen haben: wie sind ihre Anteile bei der Einstellung, bei der Fluktuation und bei den Aufstiegsmöglichkeiten. Das führe zu einer "Abstimmung mit den Füßen" ist Mei-Pochtler überzeugt.

Mei-Pochtler lenkte den Blick vor allem auf kulturelle Aspekte in der Wirtschaft. Selektionskriterien seien häufig von Männern definiert. Kooperationsbereitschaft werde gering geschätzt. Dagegen herrsche eine überzogene Präsenzkultur, die Frauen (und Männern) das Leben schwer mache. "Die Quote ist das Werkzeug, nicht das Ziel", entgegnete Lund Mei-Pochtler. 

Bereits am Vormittag ging es beim DLD um den Zugang von Frauen zu den Spitzenjobs in der Wirtschaft. EU-Kommissarin Viviane Reding (Bild) diagnostiziert ein Umdenken bei männlichen Bossen. Die Chancen von Frauen auf Spitzenpositionen in der Wirtschaft haben sich nach Ansicht von Reding deutlich verbessert. "Es gibt einen Ansturm auf weibliche Talente", sagte sie.   Reding betonte, bei vielen männlichen Managern habe ein Umdenken eingesetzt. Erst hätten sie den Untergang der Wirtschaft vorausgesagt, um die Quote zu vermeiden. "Sie haben gesagt, dann gehen sie pleite." Inzwischen aber hätten viele Manager nachgedacht und auch Vorteile für die Firmen erkannt. "Die gute Nachricht ist: Die Gegner sind in der Minderheit - auch wenn sie am lautesten schreien."

Nach dem Willen der EU-Kommission sollen börsennotierte Unternehmen bis 2020 Aufsichtsratsposten zu 40 Prozent mit Frauen besetzen. Der Weg dahin ist aber noch weit. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ermahnte die Firmen - auch angesichts des demografischen Wandels - stärker auf die Talente von Frauen zu setzen. "Holt Sie Euch." Gelächter von dem überwiegend weiblichen Publikum auf der Konferenz erntete die Ministerin mit einem Foto vom Group Executive Committee der Deutschen Bank: 18 Männer in dunklen Anzügen in einer Reihe.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner verteidigte die Bank als Redner auf dem Podium aber und verwies auf die Erfolge in anderen Gremien der Deutschen Bank. Im Aufsichtsrat seien bereits mehr als ein Drittel der Mitglieder weiblich. Es kommt auch auf die Entwicklung an. "Keine der Frauen sei eine Quotenfrau. Jede Einzelne ist dort wegen ihrer Kompetenzen."

Die DLD (Digital Life Design), organisiert von Verleger Hubert Burda, fand erstmals 2005 statt. Sie richtet als Plattform für Internet-Unternehmer und Investoren jedes Jahr den Blick auf aktuelle Trends im Web. Die DLD Women ist ein Ableger dieser Konferenz mit Schwerpunkt auf Frauenthemen.

Dazu gehörte auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die ehemalige Top-Amazon-Managerin Jaleh Bisharat erzählte, dass ihre kleine Tochter sie früher darum gebeten habe, ihre dienstlichen Telefongespräche abends zu Hause in ihrem Kinderzimmer zu führen. "Damit sie wenigstens meine Stimme hört." Arbeitsministerin von der Leyen warnte vor einer Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit per Smartphone, die krank mache. Jeder habe es selbst in der Hand, eine Trennlinie zu ziehen. Der Internetriese Yahoo hat die Arbeit vor kurzem wieder zurück ins Büro verlegt - und nach Worten von Managerin Jackie Reses gute Erfahrungen mit der neuen Präsenzpflicht gemacht.

(dpa/am)

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