Thomas Sattelberger ist in der Jury des New Work Awards.
Thomas Sattelberger ist in der Jury des New Work Awards. © Foto:Presse

New Work Award | | von LEAD digital

Unternehmen brauchen Rebellen

Bereits zum fünften Mal vergibt das Karriereportal Xing den New Work Award (NWA). "In diesem Jahr suchen wir gezielt nach Teams, Abteilungen oder arbeitsweltverändernden Projekten aus den etablierten Unternehmen und Institutionen, die – auch im Kleinen – bereit und mutig sind, bestehende Arbeitsstrukturen zu verändern und ihre Arbeitswelt zu bewegen. In der Kategorie ‚New Worker‘ wollen wir ein besonderes Augenmerk auf die Einzelkämpfer legen, die als Systemrebellen in den Unternehmen agieren", so Thomas Vollmoeller, Jurymitglied und CEO on Xing. Bis zum 16. November können Vorschläge eingereicht werden. Nach einem zweistufigen Auswahlverfahren findet die Preisverleihung des New Work Award am 06. März 2018 in der Hamburger Elbphilharmonie statt.

Den Juryvorsitz hat Thomas Sattelberger, Publizist und demnächst Bundestagsabgeordneter für die FDP, inne. Worauf er bei den Kandidaten Wert legt und welche Rolle dabei der "Club der toten Dichter" spielt, erläutert er im Interview mit Xing Spielraum:

Herr Sattelberger, wo liegen die Schwerpunkte des NWA 2018?

Wir waren in diesem Jahr damit sehr erfolgreich, dass wir nicht nur Unternehmen, Institutionen und Organisationen ausgezeichnet haben, sondern auch Einzelpersönlichkeiten, die "New Worker". Diesen Weg wollen wir weitergehen und nochmals schärfen. Wir wollen in dieser Kategorie diejenigen auszeichnen, die als New Worker tatsächlich Veränderungen in ihren Unternehmen einleiten. Jemand, der gerne auch schon eine kritische Minderheit hinter sich hat oder bewegen kann – kurz: die Rebellen in ihren Organisationen und Unternehmen.

Welche Grundlagen braucht eine Bewerbung eines Unternehmens oder einer Organisation?

Wir suchen weiterhin Unternehmen, die sich auf die Reise begeben haben. Da sieht es bezogen auf die Umsetzung ähnlich aus wie beim Einzelbewerber, gleichzeitig sind wir bei den etablierten Unternehmen ein Stück offener geworden: Da muss sich jetzt nicht der gesamte Konzern oder die ganze Firma bereits Richtung New Work aufgemacht haben, wenn aber ein Teilbereich einer solchen Organisation sich schon deutlich verändert hat, ist das bewerbungsfähig.

Gerade bei Großkonzernen finden Veränderungsprozesse ja tatsächlich meistens in kleineren Units statt, sind aber für das große Ganze enorm wichtig…

Ja, genau. Bei den großen Unternehmen beginnt Veränderung oft an der Peripherie oder bei dezentralen Bereichen. Und genau das möchten wir gerne honorieren.

Es gibt in diesem Wettbewerbsjahr noch eine überraschende Neuerung, und zwar den "John-Keating-Preis". Können Sie uns darüber ein wenig verraten?

John Keating – alle Filmfans wissen das ja – ist der inspirierende Lehrer aus dem "Club der toten Dichter", herausragend gespielt von Robin Williams. Und dieser Keating zeigt, wie Innovation durch eine Art ‚Doppelhändigkeit‘ ermöglicht werden kann. Auf der einen Seite durch das Akzeptieren des Effizienzansatzes – in der Schulrealität damit auch dem Pauken, auf der anderen Seite durch die Schaffung von Freiräumen, die John Keating als Lehrer für seine Schüler ermöglicht. Wir werden diesen Preis sehr bewusst vergeben, lassen Sie sich überraschen.

Sie sind ein sehr aktiver Beobachter und Akteur innerhalb der New-Work-Bewegung. Was sind für Sie die wichtigsten Trends derzeit?

Ich glaube, wir müssen höllisch aufpassen, dass aus der New-Work-Bewegung kein neuer Management-Buzztalk wird, der die alte Realität mit neuen schönen Begriffen zukleistert, ohne wirklich irgendwas zu verändern. Das ist eigentlich der normale Lauf der Dinge, dass eine erfolgreiche Idee rhetorisch gekidnappt wird – und insofern eine Bestätigung, dass wir mit dem Konzept etwas Richtungsweisendes zum Laufen gebracht haben. Aber jetzt müssen wir wirklich sehr aufpassen, dass dem auch nachhaltig echte Veränderung folgt – und auch so kann man die Fokussierung des New Work Awards verstehen.

Gleichzeitig beobachte ich aber auch, dass mehr Tiefgang in die Diskussionen unserer Themen hineinkommt, zum Beispiel darüber, wie sich politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen weiterentwickeln müssen, damit wir nicht länger nur im alten Rahmen mit neuen Arbeits- und Organisationskultur experimentieren, sondern andere Arbeitszeitregimes und andere Beschäftigungsformen umsetzen können. Das sind ganz konkrete Anforderungen an die Politik.

Nun haben wir gerade eine Bundestagswahl gehabt, was muss aus Ihrer Sicht die neue Bundesregierung, egal in welcher Konstellation, in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ändern?

Es geht nicht darum, der Kassiererin im Supermarkt oder dem Arbeiter am Fließband Schutzrechte wegzunehmen, aber wir brauchen im Arbeitsrecht beispielsweise Öffnungsklauseln für Wissens- und Kreativarbeit, die auf betrieblicher Ebene dann gestaltet werden kann. Das nächste Problem ist etwa die Zeitregelung in unserer modernen Arbeitswelt: Wenn ich um 23 Uhr noch eine geschäftliche Mail zuhause bearbeite, habe ich dann wieder Anspruch auf elf Stunden Ruhezeit? Das ist derzeit völlig unklar. Und drittens brauchen wir vor dem Hintergrund der Digitalisierung auch Positivkriterien für Selbstständigkeit – und nicht nur negative Kriterien wie die der Scheinselbstständigkeit. Sodass der immer größere Anteil der Freelancer, aber auch der Unternehmen, die sie beauftragen, sorgloser Beschäftigungsverhältnisse miteinander eingehen können.

Der New Work Award wird auch im nächsten Jahr wieder im Rahmen der New Work Experience verliehen, dieses Mal findet das Event in der Hamburger Elbphilharmonie statt. Worauf freuen Sie sich dabei am meisten?

Ich freue mich am meisten auf die Lösung, wie es gelingt, diese wunderschöne Elbphilharmonie so mit unserem inhaltlichen Design balancieren, dass dieses Zusammentreffen nicht monologisch, sondern wahrlich interaktiv wird. Im Sinne des Ortes eine echte Harmonie aus vielen Stimmen.

Interview: Ralf Klassen

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