Gehaltsstudie | | von Annette Mattgey

Trotz Top-Position kein Spitzenverdienst: Digi-Gehälter klaffen weit auseinander

Mehr als 200.000 Euro lassen sich an der Spitze eines Digital-Unternehmens verdienen - allerdings nicht für jeden. Die Spanne reicht von 75.000 Euro bis 677.000 Euro. Woran das liegt, zeigt die aktuelle Studie der Personalberatung Cribb. Sie hat die Gehälter von mehr als 200 Geschäftsführern und Vorständen der deutschen Digitalwirtschaft analysiert.

Im Schnitt erzielen Entscheider in deutschen Digital-Unternehmen ein Einkommen in Höhe von 212.893 Euro inklusive Zulagen. Davon beträgt der fixe Anteil 63 Prozent, der variable 27 Prozent. Zusatzleistungen wie Dienstwagen oder betriebliche Altersvorsorge machen etwa zehn Prozent aus. Der Mittelwert basiert jedoch auf signifikanten Gehaltsunterschieden: Erhalten die Spitzenverdiener bis zu 677.000 Euro im Jahr, beziehen andere lediglich ein Jahresgehalt von 75.000 Euro.

 

Mit durchschnittlich 253.374 Euro pro Jahr verfügen Führungskräfte in Online-Media-Unternehmen im Gesamtvergleich über das höchste Einkommen. Damit liegen sie laut Cribb-Studie vor Geschäftsführern und Vorständen von E-Commerce-Unternehmen (246.102 Euro), Medienhäusern (238.687 Euro), Online-Technologie-Unternehmen (226.876 Euro) und Portalen/Marktplätzen (224.514 Euro). Erkennbar geringere Einkommensperspektive bieten hingegen Inkubatoren und Agenturen: Im Schnitt liegt das Jahresgehalt bei 203.000 Euro beziehungsweise 195.026 Euro.

Bei der Betrachtung der schwerpunktmäßig verantworteten Geschäftsbereiche führt branchenübergreifend das General Management die Gehaltstabelle an (233.265 Euro), dicht gefolgt von Digitalisierungs- (228.728 Euro) und Vertriebsspezialisten (225.472 Euro). Schlusslichter markieren Geschäftsführer und Vorstände aus den Bereichen Finanzen (182.527 Euro) und Beratung (175.329 Euro).

Gründer knappsen am eigenen Verdienst

Nicht nur die Berufserfahrung sowie die Mitarbeiter- und Umsatzverantwortung beeinflussen die Höhe des Gehalts. Die Analyse von Cribb zeigt: Auch die Rechtsform des Unternehmens ist entscheidend. So beziehen Entscheider in Aktiengesellschaften über ein Viertel mehr Salär als ihre Kollegen bei GmbHs und KGs. Sind Manager zudem am Unternehmen beteiligt, erhalten sie weniger Gehalt als solche ohne Firmenanteile. Sind sie zugleich Gründer, liegt ihr Verdienst im Schnitt ein Zehntel unter dem ihrer nicht-selbstständigen Kollegen. Finanziert sich das Unternehmen mittels Venture Capital, sind ebenfalls eher unterdurchschnittliche Chefgehälter üblich.

Medienhäuser statten Digital-Verantwortliche üppig aus

In Medienhäusern wird zumindest wenn es ums Geld geht, Wert auf Digitalkompetenzen gelegt. Geschäftsführer, die schwerpunktmäßig für Digitalisierung/Digitale Transformation zuständig sind, gehören zu den Spitzenverdienern. Ihr durchschnittliches Einkommen liegt mit 337.399 Euro inklusive aller Zulagen deutlich vor den Kollegen, die sich in den Verlagen zwar um Bereiche wie Finanzen (217.500 Euro), Vertrieb (199.569 Euro), Personal (197.500 Euro) oder Produktmanagement (183.627 Euro) kümmern, aber nicht um Digitales.

Dwight Cribb, Geschäftsführer der Cribb Personalberatung: "Medienhäuser haben die Auswirkungen des digitalen Wandels sehr früh, für alle sichtbar und äußerst schmerzlich zu spüren bekommen. Mittlerweile scheinen sie zu wissen, dass sie der Digitalisierung auf Führungsebene begegnen müssen. Das hohe Gehaltsniveau spiegelt zumindest die zentrale Bedeutung der digitalen Kompetenz für Medienhäuser wider."

Lediglich jeder fünfte Unternehmenslenker muss auf Zusatzleistungen wie Dienstwagen, betriebliche Altersversorge oder Aktienoptionen verzichten. Mehr als jedem Zweiten steht ein Dienstwagen zur Verfügung, mehr als ein Viertel nutzt die betriebliche Altersvorsorge. Fast genauso viele Befragte halten Beteiligungen am Unternehmen und knapp ein Drittel kommt in den Genuss von Aktienoptionen.

Eine Infografik fasst die Ergebnisse der Untersuchung anschaulich zusammen: Gehälter von Unternehmenslenkern in deutschen Digital-Unternehmen.

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