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Talent Meets Bertelsmann: Hat sich das "Gimmick" Periscope bewährt?

Lohnt es sich, die Live-Streaming-App Periscope für das Personalmarketing einzusetzen? Nico Rose, Leiter Employer Branding und Recruiting-Programme bei Bertelsmann, hat es ausprobiert.

Talent Meets Bertelsmann (TMB) ist ein dreitägiges Employer Branding-Event, welches Europas größter Medienkonzern seit 2008 jährlich in Berlin ausrichtet. Neben rund 60 international rekrutierten Studenten nehmen jedes Jahr zu verschiedenen Zeitpunkten etwa 120 Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen und bis zu 70 Alumni des Events aus früheren Ausgaben teil.

Im Kern ist TMB ein Fallstudien-Wettbewerb. Die studentischen Teilnehmer arbeiten in Teams über einen Tag lang an Zukunftsthemen der verschiedenen Geschäftsbereiche und präsentieren ihre Ergebnisse vor einer Jury, bestehend aus Vorstandmitgliedern und weiteren Top-Führungskräften. Abgerundet wird das Programm jeweils durch eine Party inklusive Konzert, wo schon Künstler wie Die Fantastischen 4, Adel Tawil (Ich+Ich), und Mando Diao aufgetreten sind. 

 

Von Anfang an war TMB als „Social Event“ konzeptualisiert. Wir bemühen uns, die Veranstaltung via soziale Medien einer breiteren Öffentlichkeit wie auch unseren eigenen Mitarbeitern zugänglich zu machen. Es wird getwittert und auf Facebook geteilt, was die Finger hergeben – nicht nur durch Mitarbeiter, sondern auch durch die teilnehmenden Studenten. Zu jedem Event gibt es einen rückblickenden Film (hier 2014), den wir zu Bewerbung der Veranstaltung im Folgejahr einsetzen. Doch auch die Teilnehmer drehen als Teil eines Teambuilding-Prozesses kurze Filme, die professionell geschnitten und dann als Erinnerung bereitgestellt werden (Beispiel: Team Gruner+Jahr 2014).

Ganz allgemein bemühen wir uns, mit Talent Meets Bertelsmann am Puls der Zeit zu bleiben. Seit 2012 arbeiten wir mit einer eigens programmierten Event-App, die neben der Bereitstellung von Informationen (Agenda, Teilnehmerprofile etc.) die Vernetzung der Teilnehmer (intern wie extern) via Linkedin & Co. vereinfacht. Seit 2013 – in dem Jahr wurde TMB internationalisiert – arbeiten wir in der Rekrutierung mit asynchronen, webbasierten Interviews, um auf allen Kontinenten in kurzer Zeit die besten Studenten kennenzulernen. Im gleichen Jahr haben wir im Vorfeld außerdem das (meines Wissens) erste Twitterview mit dem Personalchef eines Großkonzerns veranstaltet; mit sehr positivem Feedback.

Vor diesem Hintergrund stellte sich uns für 2015 die Frage, welches "Gimmick" wir in diesem Jahr neu einführen wollten. Schon früh in der Planung fiel unsere Wahl auf die Idee, Teile von #TMB15 mittels Periscope zu streamen. Wir entschieden uns für diesen Dienst wegen der besseren direkten Einbindung auf Twitter. Letztlich haben wir, gemeinsam mit Kollegen der Unternehmenskommunikation, mit einem Handy und einem iPad parallel gestreamed, unter anderem die Begrüßung der Studenten am 30. Juni durch unseren CEO Thomas Rabe (inkl. eines kurzen Interviews mit der Event-Moderatorin Annett Möller, bekannt als News Anchor auf n-tv bzw. RTL aktuell), einige der Fallstudienpräsentationen sowie die Siegerehrung und das abschließende Konzert mit dem BMG-Künstler Jonathan Jeremiah.

 

Was ich dabei gelernt habe:

1) Periscope macht Spaß. Es ist einfach ein tolles Gefühl zu wissen, dass ich ganz spontan zu einer "Sendeanstalt" werden kann, dass das, was ich gerade filme, theoretisch in der ganzen Welt gesehen werden kann. Plötzlich kriegt man per Kommentarfunktion positives Feedback aus den USA oder Indien – das ist schon sehr, sehr cool. Und es zeigt auch: Periscope ist ein echtes soziales Netzwerk, die Plattform ist auf Dialog angelegt.

2) Besser mit Stativ. Will man länger als zwei, drei Minuten streamen (wie z.B. bei unserem Konzert), macht es Sinn, ein Stativ parat zu haben. Das schont einerseits die eigene Armmuskulatur, führt aber auch für die Zuschauer zu einem augenfreundlicheren Ergebnis.

3) Eine Frage der Perspektive. Will man das Ganze, wie im Fall von #TMB15, zur Unternehmenskommunikation nutzen, macht es Sinn, mit mehreren Geräten und Accounts gleichzeitig zu arbeiten. Zum einen erhöht dies die Reichweite. Darüber hinaus ermöglicht es, mit verschiedenen Perspektiven zu arbeiten, ohne dass die filmenden Personen ständig ihren Standort wechseln müssen. Der Zuschauer kann bei Gefallen einfach zwischen den Streams hin- und herschalten.

4) Alles, was recht ist: Wie auch beim Fotografieren sollte man die Persönlichkeitsrechte der gestreamten Personen berücksichtigen. Wir haben im Vorfeld genau geplant, was und wen wir streamen wollten und dann von allen Personen ihr schriftliches Einverständnis eingeholt. Das war für uns ein wichtiger Zwischenschritt, zumal neben unseren Vorstandsmitgliedern mit der Moderatorin Annett Möller und dem Künstler Jonathan Jeremiah auch Menschen abgebildet wurden, die mit ihrem veröffentlichten Bild (partiell) ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Rechtsanwältin und Bloggerin Nina Diercks hat zu dieser Thematik vor einigen Tagen einen aufschlussreichen Beitrag geschrieben.

5) The Medium is the Message. Die Reichweite der Periscope-Streams ist derzeit noch überschaubar, es haben sich über den Tag verteilt etwa 1.000 Menschen zugeschaltet. Mir fehlt derzeit ein sinnvoller Vergleichswert, um diese Zahl aussagekräftig einordnen zu können. Positiv formuliert möchte ich sagen, dass es uns gelungen ist, 1.000 Menschen "live" an unserem Employer-Branding-Event teilnehmen zu lassen, die ansonsten davon ausgeschlossen gewesen wären. Zudem ist festzuhalten, dass die automatisch auf Twitter veröffentlichen Links zu den Streams eine ungewöhnlich hohe Interaktionsrate aufwiesen. Wir haben in den drei Tagen des Events mit dem Hashtag #TMB15 etwa eine halbe Million Impressions erzielt. Die Periscope-Tweets von meinem eigenen Twitter-Account wiesen dabei mehrfach Interaktionsraten im zweistelligen Bereich auf, was ein Vielfaches des üblichen Schnitts darstellt.

Vielleicht ist es für den Anfang auch gar nicht so wichtig, wie viele Leute genau dabei waren, sondern, dass wir den Weg überhaupt gegangen sind. HR-Abteilungen wird ja bisweilen eine gewisse Innovationsferne zugeschrieben – ich hoffe, wir konnten diesem Eindruck mit #TMB15 erneut ein Stück weit entgegenwirken.

Fazit: Nächste Jahr sicher wieder … #TMB16!

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