Arbeitsmarkt | | von Annette Mattgey

Studium bringt 1,25 Millionen Euro mehr Einkommen

Wer sich durchs Studium an der Uni quält, kann dafür eine satte Bildungsprämie einstreichen. Bis zum 65. Lebensjahr verdient ein Akademiker rund 1,25 Millionen Euro mehr als ein ungelernter Arbeiter. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Personen, die eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, verdienen über ihr Erwerbsleben hinweg im Schnitt knapp 250.000 Euro mehr als Personen ohne Berufsausbildung und Abitur. Für Abitur, Fachhochschul- oder Universitäts-Studium liegen die Bildungsprämien durchschnittlich bei rund 500.000 Euro, 900.000 Euro und 1.250.000 Euro.

Zu Beginn der Erwerbskarriere unterscheiden sich die durchschnittlichen Jahresentgelte zwischen Personen mit und ohne Berufsausbildung kaum. Auch bei Abiturienten, Fachhochschul- und Universitätsabsolventen liegen die durchschnittlichen Einstiegsverdienste jeweils nicht weit über dem, was Personen ohne Ausbildung und Abitur im gleichen Alter verdienen. Bis etwa zum 40. Lebensjahr steigen die mit den Bildungsabschlüssen verbundenen Einkommensdifferenzen dann deutlich an.

Mit 40 Jahren verdienen Abiturienten durchschnittlich mehr als das Eineinhalbfache, Fachhochschulabsolventen mehr als das Doppelte und Universitätsabsolventen fast das 2,7-Fache im Vergleich zu Personen ohne Berufsausbildung und Abitur. Im weiteren Erwerbsverlauf schließt sich dann die Schere wieder etwas. „Akademiker verdienen aber auch in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens im Durchschnitt deutlich mehr als Nicht-Akademiker“, schreiben die Arbeitsmarktforscher Achim Schmillen und Heiko Stüber.

Auf das gesamte Erwerbsleben gerechnet verdienen Personen ohne Berufsausbildung gut eine Million Euro, Personen mit Berufsausbildung 1,3 Millionen Euro, Abiturienten knapp 1,6 Millionen Euro, Fachhochschulabsolventen zwei Millionen Euro und Universitätsabsolventen 2,3 Millionen Euro. Die Arbeitsmarkt-Forscher gehen dabei von durchgehender Beschäftigung in Vollzeit aus.

Die Analyse beruht auf einer Stichprobe der Bundesagentur für Arbeit, für die sehr zuverlässige Angaben zu den jeweiligen  Erwerbsbiografien vorliegen. Selbstständige und Beamte sind dementsprechend nicht erfasst, sondern nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Geringverdiener. Als Grundlage dienten die Angaben zum Gehalt zu den Beschäftigungsverhältnissen zwischen 2008 und 2010. Für jedes Bildungsniveau wurden die altersspezifischen durchschnittlichen Jahresentgelte vom 19. bis zum 65. Lebensjahr aufsummiert, wobei die Forscher davon ausgehen, dass Abiturienten erstmals mit 21 Jahren, Uni-Absolventen mit 26 Jahren ihr erstes Geld verdienen. 

Auf die Bildungsprämie haben auch Faktoren wie das Geschlecht und die regionale Herkunft ihre Auswirkungen. Frauen werden für ihren Studienabschluss lediglich mit einem zusätzlichen Verdienst in Höhe 829.000 Euro belohnt, während sich der Hochschulabschluss für Männer mit einem Zusatzverdienst von rund 1,4 Mio. Euro bezahlt macht. Generell sind auch die zusätzlichen Verdienste quer über alle untersuchten Bildungsabschlüsse in Westdeutschland höher als in den neuen Bundesländern.

Dass es in der Realität Abweichungen zu diesen Modellrechnungen gibt, räumen Stüber und Schmillen ausdrücklich ein.

Was die Bildungsprämien in Zukunft erhöhen könnte:

- der demografische Wandel: Je weniger Junge neu auf den Arbeitsmarkt kommen, desto stärker sind Arbeitgeber bereit, für gut Ausgebildete zu zahlen.

- die Chancen auf dem Arbeitsmarkt: da Facharbeiter und Studierte weniger bzw weniger lange von Arbeitslosigkeit betroffen sind, könnte die Lücke zu Ungelernten noch größer ausfallen als im Modell.  

Der Kurzbericht zur IAB-Studie mit ausführlichen Erläuterungen zur Methodik liegt als PDF zum Download bereit.

Studium bringt 1,25 Millionen Euro mehr Einkommen

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Arbeitsmarkt-Forscher: "Akademiker stehen deutlich besser da"

von Annette Mattgey

Akademiker sind zwar seltener arbeitslos als andere. Aber ob sich ein Hochschulstudium finanziell auszahlt, hängt vom Studiengang und der Branche ab, räumt der Wirtschaftswissenschaftler Heiko Stüber im Interview mit LEAD digital ein. Er ist einer der Autoren der Studie "Bildung lohnt sich ein Leben lang" des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Ihre Erkenntnis, dass sich ein Studium mit 1,25 Millionen Euro Zusatzverdienst auszahlt, wird im Netz heiß diskutiert (etwa im Blog "Aktuelle Sozialpolitik" des VWL-Professors Stefan Selle). Schon jetzt gibt es Fachrichtungen, für die sich ein Studium "rein monetär betrachtet kaum auszahlt", so Stüber.

Dass sich eine Ausbildung lohnt, wird jeder unterschreiben. Aber trifft es auch für das Studium der aktuellen Mittzwanziger und -dreißiger zu ?

Ich denke, dass sich ein Studium meistens lohnt. Dass es in einigen Bereichen für Akademiker schwer ist, eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle zu „ergattern“, ist sicher richtig. Wenn man sich jedoch (Fach-) Hochschulabsolventen insgesamt anguckt, stehen sie deutlich besser da als Personen ohne abgeschlossenes Studium:

Die Arbeitslosenquote von Personen mit (Fach-) Hochschulabschluss lag 2012 bei 2,5 Prozent während sie bei Personen mit Lehre/Fachschule bei fünf Prozent und bei Personen ohne Berufsabschluss bei 19 Prozent lag. (IAB-Berechnung auf Basis Mikrozensus und Strukturerhebung der BA)

Auch die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung verlief deutlich positiver als für andere Beschäftigte (siehe S. 11 der Broschüre "Der Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker, Download hier).

Außerdem muss man auch berücksichtigen, dass für viele Berufe ein Studium einfach Pflicht ist und viele Personen ein Studium nicht wegen des späteren Einkommens wählen, sondern weil sie in einem bestimmten Bereich oder Beruf arbeiten möchten.

Erhöht der demografische Wandel nicht die Bereitschaft der Unternehmen, sich auch mit anderen Qualifikationen als dem Studium zufrieden zu geben und stattdessen auf betriebliche Weiterbildung zu setzen?

Der demografische Wandel wird sicher dazu führen, dass Unternehmen eher bereit sind, auch Personen ohne Studium einzustellen, um diese dann weiterzubilden. Ich gehe aber davon aus, dass dadurch die Bildungsprämien nicht unbedingt sinken müssen. Auch würde ich erwarten, dass in vielen Bereichen die Firmen zuerst versuchen werden, benötigtes Personal aus dem Ausland anzuwerben. Des Weiteren muss man berücksichtigen, dass in einigen Berufen das Studium einfach unabdingbar ist!

Welche Faktoren bestimmen Ihrer Meinung nach, ob sich die Bildungsprämie für einen heute Jugendlichen in Zukunft so realisieren lässt wie für die heutigen Akademiker?

Ich denke die Bildungsprämien hängen stark von Angebot und Nachfrage ab. In Bereichen, in denen ein Überangebot von Absolventen existiert, sind die Bildungsprämien sicher heute schon deutlich geringer als in anderen Bereichen. Auch hängt die Bildungsprämie sicher stark vom Wirtschaftszeig ab. Gerade in sozialen Berufen und im Bereich Kunst/Kultur sind die Einkommen oft so niedrig, dass sich rein monetär betrachtet ein Studium kaum lohnt.

Wie sich die Bildungsprämien entwickelt, wird aber sicher auch stark vom Fachkräftemangel abhängig sein. Es ist davon auszugehen, dass in Berufen mit hohem Fachkräftemangel die Löhne mittelfristig ansteigen werden. Das kann dazu führen, dass der Abstand der Bildungsprämie von Personen mit Ausbildung und Personen mit Studium sinkt, während gleichzeitig die Personen ganz ohne Ausbildung weiter zurückfallen.

Grundsätzlich denke ich, ist es schwer pauschale Aussagen zu treffen. Wenn sich Jugendliche überlegen, ob sie nach dem Abitur eine Ausbildung machen oder studieren wollen, hängt die Bildungsprämie für den Jugendlichen stark davon ab für welche Berufe, welches Studium er sich interessiert.

Wie schätzen Sie die Aussichten im Medien-Bereich ein?

Da die Datenlage hierzu nicht ausreicht, kann ich ihnen leider keine näheren Angaben für die Medienbranche bieten. Einige Zahlen bietet jedoch die Broschüre der Bundesagentur für Arbeit:

  • So hat sich der Jahresdurchschnittsbestand von Arbeitslosen in der akademischen Berufsgruppe „Redaktion, Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit“ von 2011 auf 2012 um 5,9 Prozent reduziert. (Broschüre, S. 22)
  • Allerdings zeigt die Broschüre auch (S. 29), dass die durchschnittliche Vakanzzeit von sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen in diesem Bereich deutlich geringer ist als in anderen akademischen Berufsgruppen. Dies spricht dafür, dass in dem Bereich „Redaktion, Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit“ kein Fachkräfteengpass herrscht.
  • Auf den Seiten 84 – 86 beschäftigt sich die Broschüre speziell mit dem Arbeitsmarktbedingungen und -entwicklungen im Bereich „Redaktion, Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit!

Heiko Stüber arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das der Bundesagentur für Arbeit angegliedert ist. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Kaiserslautern. Im November 2012 schloss er seine Promotion (Dr. oec.) an der Universität Hohenheim erfolgreich ab.

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