Studenten mit Digital-Wissen bringen viel mit - auch Ansprüche an ihre Arbeitgeber
© Foto:Peter von Felbert

Trendence-Sonderauswertung | | von Annette Mattgey

Studenten mit Digital-Wissen bringen viel mit - auch Ansprüche an ihre Arbeitgeber

Große Marken wie BMW, Adidas und Audi ziehen Marketing-Studenten magisch an. Darin unterscheiden sie sich nicht wesentlich von anderen Fachrichtungen. Was Studierende von ihrem Arbeitgeber wünschen, hat das Trendence Institut aktuell veröffentlicht. Insgesamt haben die Experten 52.000 abschlussnahe Studierende an 196 Hochschulen in ganz Deutschland zu ihren Wunscharbeitgebern und Karriereplänen befragt, davon über 14.000 Wirtschaftswissenschaftler.

Für LEAD digital hat das Berliner Trendence Institut eine Sonderauswertung vorgenommen, die unter den Wirtschaftswissenschaftlern diejenigen mit den Studienschwerpunkten E-Business, Marketing und Medienwirtschaft herausfiltert (Marketeers). Zusätzlich haben sich die Experten auch besonders die Studenten angeschaut, die nicht nur Digital Natives sind, sondern auch durch ihr Verhalten und ihre Interessen beweisen, dass sie für Jobs im Digital-Bereich geeignet sind (Digitals). 

Die wichtigsten Ergebnisse:

Die Wunscharbeitgeber der Marketeers sind BMW, Adidas und Audi. Die Medienbranche schneidet bei den Marketeers deutlich besser ab als bei den Wirtschaftswissenschaftlern insgesamt: ProSiebenSat.1 ist der beliebteste Arbeitgeber der Branche auf Rang 15 bei den Marketeers, gefolgt von Bertelsmann, ZDF, Axel Springer und der ARD. Während es Axel Springer bei den Wirtschaftswissenschaftlern insgesamt nicht mehr in die Top 100 schafft, liegen sie in der Gunst der Marketeers sogar noch vor der ARD im soliden Mittelfeld auf Rang 59.

Die Top 20 der Marketing- und Digi-Studenten:

E-Business, Marketing und Medienwirtschaft
Rang Top-Arbeitgeber %
1 BMW Group 14,0%
2 Adidas 11,8%
3 Audi AG 11,5%
4 Daimler/ Mercedes-Benz 11,2%
5 Google 10,1%
6 Porsche AG 9,6%
7 Apple 6,9%
8 Lufthansa Group 6,6%
9 Nike 6,4%
10 Bosch Gruppe 5,9%
11 L'Oréal 5,5%
12 Amazon 5,0%
12 Unilever 5,0%
14 Red Bull 4,8%
15 ProSiebenSat.1 4,7%
16 Ferrero 4,2%
17 dm-drogerie markt 3,8%
17 Volkswagen AG 3,8%
19 Beiersdorf 3,3%
19 Procter & Gamble 3,3%
19 Siemens 3,3%

Wofür lohnt es sich zu arbeiten?

Auf diese Fragen erwarten insbesondere Marketeers plausible Antworten. 81,5 Prozent wünschen sich, an attraktiven Produkten und Dienstleistungen mitzuarbeiten. Auch Standort und Innovationskraft sind ihnen wichtiger als dem Durchschnitt. Außerdem  wollen sie von ihrem Arbeitgeber gefordert und gefördert werden, spannende Arbeitsaufgaben und Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung bekommen. Aber auch die Unternehmenskultur spielt eine große Rolle: Kollegialität und Wertschätzung sind den Marketeers ebenfalls wichtig. Erst danach folgen gute Karriereperspektiven.

Wichtiges Merkmal: Mehr als nur Digital Native

Unter den Marketeers sind besonders viele Digitals. Während nur ein gutes Viertel der Wirtschaftswissenschaftler zu den Digitals gehört, zählt über ein Drittel der Marketeers zu dieser gerade heiß begehrten Gruppe. Entsprechend aufgeschlossen stehen sie der Digitalisierung gegenüber. 61 Prozent der Marketeers glauben, dass durch die Digitalisierung neue attraktive Jobs in ihrem Arbeitsgebiet entstehen (nur 49 Prozent der Wirtschaftswissenschaftler denken so).

Die aktuellen Absolventen sind zwar alle Digital Natives und mit den neuen Technologien aufgewachsen, aber das allein verrät noch nichts über ihre digitalen Kompetenzen. Deswegen hat das Trendence-Institut einen Kriterienkatalog aus 17 Faktoren angelegt – von einfach bis komplex, anhand derer sich die Digitals von den Non-Digitals unterscheiden lassen.

Eines der spannendsten Ergebnisse: Die Digitals bestechen nicht nur durch ihre digitalen Kompetenzen, sie zählen auch darüber hinaus zu den Highflyern unter den Bewerbern.

Die Digitals: Leistungsträger, aber auch anspruchsvoll

-          Sie haben mehr Auslandserfahrung als die Non-Digitals, mehr Englischkenntnisse, mehr praktische Erfahrung, mehr soziales/politisches Engagement, sie sind belastbarer, flexibler und leistungsbereiter. Und sie sind die Führungskräfte von morgen: Sie wollen viel mehr Führungsaufgaben übernehmen und denken strategischer als Non-Digitals.

-          Knappe Ressource: Ein Drittel der Marketeers sind Digitals. Und auch darüber hinaus verknappt sich das Angebot für Arbeitgeber, denn Digitals wollen doppelt so häufig ein Startup gründen wie Non-Digitals, sie suchen etwas häufiger im Ausland einen Job, sie sind schon frühzeitig an Arbeitgeber vergeben (ein Viertel der Digitals hat bereits einen unterzeichneten Arbeitsvertrag in der Tasche).

-          Hinzu kommt, dass es auch schwerer sein wird, die Digitals im Unternehmen zu halten: Die Digitals wollen nicht so lang im ersten Job bleiben (5,4 Jahre vs. 6 Jahre) wie die Non-Digitals und wollen prinzipiell häufiger den Job wechseln als länger bei einem Arbeitgeber zu bleiben.

-          Erwartungen an Arbeitgeber: Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung und attraktive Aufgaben sind auch den Digitals am wichtigsten bei der Arbeitgeberwahl. Aber es gibt Aspekte, die sind ihnen deutlich wichtiger bzw. unwichtiger als den Non-Digitals. Sie verlangen mehr Eigenverantwortung, Innovation und Internationalität. Weniger wichtig sind ihnen Sicherheit der Anstellung, Diversity, CSR und Work-Life-Balance.

-          Die Branchen Consulting und IT-Dienstleistungen überzeugen Digitals überdurchschnittlich gut. Die Logistikbranche hingegen hat es schwer, Digitals zu überzeugen, aber auch der Öffentliche Sektor und Banken.

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