Interview: Tobias Burkhardt | | von Annette Mattgey

"Stellenbörsen sind nicht sexy"

Die Jobsuche soll Spaß machen, findet Tobias Burkhardt und schuf mit dem Portal Jobs to be ein "Pinterest für Jobs". Jetzt arbeitet der 38-Jährige an der "Job-Love-Story" und will damit die Stellensuche Social Media-fähig machen.

Seit wann gibt es Jobs to be und was war Ihre Motivation zur Gründung?

Die Beta-Version von Jobs to be haben wir im Sommer letzten Jahres gelauncht und seit Anfang 2014 starten wir voll durch. Die ursprüngliche Idee war, ein „Pinterest für Jobs“ zu schaffen – also einen Showroom für Unternehmen. Gängige Stellenanzeigen – egal ob in der Tageszeitung und in Online-Jobbörsen - sind langweilig, inhaltsleer und versprechen Traumjobs, die sich später oft als Blindgänger herausstellen. Wir sind der Meinung, dass man seinen Job lieben muss, um gleichzeitig erfolgreich und zufrieden zu sein. Deswegen wollen wir eine Plattform schaffen, bei der es nicht um die Hard Skills geht, sondern um die Frage „Passe ich in dieses Unternehmen?“

Neben Xing, Linkedin, Kununu, Monster, Stepstone etc:  Wozu braucht es noch Jobs to be?

Unser USP ist Authentizität. Genauer betrachtet hat sich am Recruitingprozess seit über 100 Jahren nichts getan. Es gibt irgendwo eine Stellenausschreibung. Jemand liest das. Bewirbt sich dann und bekommt eine Zu- oder Absage. Daran haben auch die tausenden Onlinestellenbörsen nichts geändert. Wir sind sicher, dass sich in diesem Markt gerade ein riesiger Wandel vollzieht – weg von der Hardskill-basierten Text-Anzeige hin zur Softskill-orientieren Bild- und Video-Vermittlung. Und genau das setzen wir an. Jobs to be ist ein Angebot, das die Sprache der Gen Y spricht und authentische Einblicke hinter die Kulissen von Unternehmen liefert. Dieser Blick hinter die Kulissen offenbart, worauf es wirklich ankommt: auf die Menschen, die Kultur, das Miteinander und auf die Erkenntnis, dass Jobsuche endlich auch Spaß machen kann. Kurz um, ein Bild sagt mehr als tausend Worte und ein kurzes Videos potenziert das noch.

Was kann ich als User auf Ihrer Seite erfahren? Wie kann ich mich präsentieren?

Wir wollen Unternehmen zeigen, wie sie wirklich sind. Also keine gestellten Hochglanz-Image-Filme, sondern kurze prägnante Snap-Shots der Atmosphäre und vor allem der Mitarbeiter. Der User soll sofort ein Gefühl dafür bekommen, wie der Laden tickt. Außerdem bekommt er bei uns alle Social Media-Streams des Unternehmens auf einer Seite gebündelt. Er kann sofort sehen, was die Firmen sonst noch treiben.

In unserem Magazin Jobs to day bieten wir dem User außerdem persönliche und authentische Einblicke rund um die Themen Arbeiten, Leben und Lifestyle – mit individuellen Geschichten von Menschen, bemerkenswerten Erfahrungen, kuriosen Job-Portraits, Experten-Interviews und interessanten News aus der Jobwelt. Jobs to day ist kein klassischer Karriereratgeber, fürs "Höher.Schneller.Weiter." Wir wollen eher Inspirationen zur Selbstverwirklichung liefern und die wenigstens davon haben mit Geld und schnellem Aufstieg zu tun. Dieser sehr Content-orientierte Ansatz ist uns sehr wichtig. Und natürlich das Design. Sowohl die Businessnetzwerke als auch die Stellenbörsen sind nicht sexy. Sie versprühen keinen Esprit. Die Nutzung von Jobs to be soll Spaß machen und das Auge isst bekannterweise mit.

Welche Rolle spielt Social Media für Jobs to be?

Social Media spielt eine fundamentale Rolle für Jobs to be. Aus zweierlei Gründen: Erstens integrieren wir alle Social Media-Feeds unserer Kunden auf den Profilseiten und kuratieren über unsere Search-Technologie darüber hinaus noch relevanten Content rund um die Themen Arbeiten und Lifestyle. Zweitens wollen wir die Stellenanzeige endlich Social Media-fähig machen. Normale Textanzeigen postet und verbreitet niemand. Deswegen erarbeiten wir gerade die Stellenanzeige 2.0, unsere Job-Love-Story, gemeinsam mit unseren Kunden. Mit kurzen Bildstrecken und Videoaufrufen emotionalisieren wir die Jobs und machen sie Social Media-fähig.

Mit welchen Argumenten versuchen Sie Recruiter von Jobs to be zu überzeugen?

Wir betrachten uns als kleines Schnellboot zwischen all den Tankern. Wir bieten unseren Kunden nicht nur die Möglichkeit, sich authentisch darzustellen, sondern beraten bei Bedarf auch umfassend. Wir sind also eine Unternehmensberatung und Employer Branding-Plattform in einem. Was wir bieten, sind keine sinnentleerten Recruitingkampagnen, sondern wir liefern Beratung zu Authentizität, Transparenz und einer Portion Ehrlichkeit. Eben genau den Themen, die den Talenten aus der Generation Y wichtig sind.

Tobias Burkhardt hat Jobs to be im Juli 2013 mitgegründet. Zuvor war der studierte BWLer und Kommunikationswissenschaftler im Bereich Arbeitgeber-Marketing der Bundesagentur für Arbeit tätig. Daneben lehrt der 38-Jährige an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing (BAW).

 

 

"Stellenbörsen sind nicht sexy"

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht