Weltfrauentag 2014 | | von Annette Mattgey

Social Media-Firmen sollten von den Autobauern lernen

Nicht nur ein ansprechendes Arbeitsumfeld ist für Frauen entscheidend, sondern auch ein attraktives Gehalt. Das zeigt die Young Professional Studie von Universum Communications. Die Unternehmen aus dem Automobil-Bereich machen vor, wie sich gut ausgebildete Frauen begeistern lassen. Den Internet-Firmen fehlt es vor allem an Bekanntheit als Arbeitgeber, erklärt Stefan Lake, Country Manager bei Universum Communications, im LEAD digital-Interview.

Wie beliebt sind Internet- und Social Media-Unternehmen bei Frauen? Wie erklären Sie sich das?

Bei den Internetunternehmen liegt für die jungen weiblichen Young Professionals Google vorn. Die jungen Frauen mit akademischem Hintergrund in den Wirtschaftswissenschaften wählten Google in unserer aktuellen Umfrage der beliebtesten Unternehmen auf den achten Platz. Bei den jungen Ingenieurinnen lag Google auf Platz neun. Auch Amazon konnte sich mit Platz 21 bei den jungen Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Platz 19 bei den jungen Ingenieurinnen gut platzieren. Microsoft lag bei den jungen Wirtschaftswissenschaftlerinnen auf Platz 37 und auf Platz 54 bei den jungen Ingenieurinnen. Dies zeigt, dass mit Ausnahme von Google, Amazon und Microsoft Internet- und Social Media-Unternehmen von den weiblichen Young Professionals noch nicht stark beachtet werden.

Allerdings trägt auch dazu bei, dass sich bei Medienkonzernen wie Bertelsmann die Aufmerksamkeit auf die Konzernmutter und deren Tochterunternehmen wie RTL und Gruner + Jahr verteilt. Bemerkenswert ist aber, dass sich die Autobauer bei den Frauen so gut platzieren können: Audi und BMW liegen bei jungen Wirtschaftswissenschaftlerinnen auf den ersten beiden Plätzen. Dies liegt zum einen natürlich daran, dass diese Unternehmen in Deutschland als wichtige Arbeitgeber auftreten. Aber die Zahl der Arbeitsplätze ist kein Selbstläufer. Dann würden in unserem Ranking ganz andere Unternehmen vorn liegen. Die Autobauer sind ein gutes Beispiel dafür, dass Unternehmen, die den  Erwartungen der Frauen entsprechen und Angebote machen, die von den Frauen besonders geschätzt werden, im Wettbewerb mit anderen Unternehmen, die dies nicht machen, besser ankommen.

Was ist Frauen wichtig bei der Arbeitgeberauswahl?

Frauen setzen andere Schwerpunkte als Männer. Während zum Beispiel für über ein Drittel der Frauen die „Corporate Social Responsibility“ zu den wichtigsten Eigenschaften eines attraktiven Arbeitgebers zählt, ist die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen für weniger als ein Viertel der Männer ein besonders wichtiges Thema. Auch „ethische Standards“ und die „ökologische Nachhaltigkeit“ von Unternehmen sind für weibliche Young Professionals wichtiger als für Männer. Für die Männer ist es dagegen besonders wichtig, dass Unternehmen innovativ sind, als prestigeträchtig gelten oder schnell wachsen.

Wo müssten Internet-, Medien- und Social-Media-Unternehmen nachbessern, um mehr Frauen anzusprechen?

Für die Unternehmen aus dieser Branche ist es erst in erster Linie wichtig, überhaupt als potenzieller Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. In unseren Umfragen bekommen die Teilnehmer eine Liste von 150 Arbeitgebern vorgelegt. Die Auswahl der Liste basiert auf umfangreichen Untersuchungen und umfasst die Unternehmen und Organisationen, die am aktivsten als Arbeitgeber am Markt auftreten. Die Unternehmen selbst haben keinen Einfluss auf die Liste. Die Teilnehmer können aber auch selbst Unternehmen nennen, wenn diese nicht in der Liste aufgeführt sind. Grundsätzlich ist also kein Unternehmen ausgeschlossen. Die Unternehmen müssen also zunächst mal für Bekanntheit sorgen. Wenn die Internet-, Medien- und Social-Media-Unternehmen Frauen besonders ansprechen möchten, sollten sie genau analysieren, was für die Frauen wichtig ist und entsprechende Angebote machen. Die Autobauer zeigen, dass das geht.

Welche Vorteile haben solche Maßnahmen?

Der erfolgreiche Aufbau einer Arbeitgebermarke beginnt mit der Analyse, wie das Unternehmen in den verschiedenen Zielgruppen wahrgenommen wird. Auf dieser Grundlage können die Unternehmen Maßnahmen ergreifen, mit denen sie die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter und ihre Attraktivität als Arbeitgeber verbessern können. Dabei reicht es keineswegs aus, sich „Work-Life-Balance“ auf die Fahnen zu schreiben. Konkrete Maßnahmen sind gefragt, die im Recruiting glaubhaft kommuniziert und in den Unternehmen vor allem auch umgesetzt werden müssen.

Alle Unternehmen müssen sich in Zukunft noch besser selbst erklären. Sie sollten ihre Geschichte erzählen - es muss deutlich werden, was das Unternehmen ausmacht. Dabei sind nicht nur die Produkte oder Dienstleistungen, die das Unternehmen produziert, zu beachten, sondern das Unternehmen selbst muss als „Marke“ positioniert werden. Je effizienter und strategischer ein Unternehmen in den Aufbau und die Pflege seiner Arbeitgebermarke investiert, desto größer die Chancen, im Wettbewerb um die besten Talente zum Zug zu kommen.

Social Media-Firmen sollten von den Autobauern lernen

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