Social Media | | von Tobias Weidemann

Social Collaboration: Auf die Firmenkultur kommt es an

Immer mehr Unternehmen setzen auf Social-Media-Anwendungen in der Kommunikation ihrer Mitarbeiter  – teils um Wissen unter den Beschäftigten zu teilen und die verschiedenen nationalen und internationalen Standorte miteinander ins Gespräch zu bringen, teilweise auch um eine Kommunikationsplattform zu schaffen, die aufwendige und zeitraubende Meetings ersetzen kann oder dem Mitarbeiter mehr Zeit für das Wesentliche geben. Mit vielen Themen rund um Social Intranet und Groupware beschäftigte sich eine Konferenz von Heise Events, die am Donnerstag dieser Woche in München stattfand.

Deutlich wurde dabei, dass es sehr stark von der Unternehmens- und Führungskultur abhängt, ob solche Werkzeuge genutzt und akzeptiert werden. Doch egal ob einfaches Wiki, internes Unternehmensblog oder komplexes soziales Netzwerk mit Timeline und Gruppenfunktionen – Social-Tools können sich nur in den seltensten Fällen an alle Mitarbeiter richten. So machte der Publizist und Managementberater Michael P. Wagner deutlich, dass immer nur ein Bruchteil der Belegschaft aktiv mitschreibe, während viele Mitarbeiter allenfalls sporadisch lesend mitwirkten. Das Unternehmen müsse sich erst einmal klar werden, was man mit Social-Media-Maßnahmen erreichen will. "Ohne eine klare Strategie geht es nicht – die tatsächlichen Features dagegen werden sich im Laufe der Zeit finden und können über Updates integriert werden."

Einig waren sich die Referenten in der Vorgehensweise bei der Einführung: "Fangen Sie erst mit einer Pilotgruppe an, die dem zugetan ist und probieren Sie so etwas mit einzelnen Leuchtturmprojekten aus", empfiehlt etwa Thomas J. Schult, der an der Hochschule Hannover im Bereich "Neue Medien und Informationsmanagement" lehrt. Dadurch habe man nicht nur eine social-media-affine Gruppe, die auch wertvolle Tipps und Feedback geben könne, sondern ziehe nach und nach auch andere Interessenten nach, wenn die Neuerungen im Unternehmen publik werden. "Hilfreich ist es auch, wenn innerhalb der Geschäftsführung nicht nur einzelne Befürworter sitzen, sondern auch Führungskräfte einen passenden Arbeitsstil pflegen und ans mittlere Management weitergeben", stellte Schult fest.

Auf die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Einführung eines sozialen Intranet ging Dennis Heinemeyer vom Institut für Rechtsinformatik der Universität Hannover ein. Er machte deutlich, dass neben urheberrechtlichen Fragen und datenschutzrechtlichen Problemen vor allem die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter hiervon betroffen sind. Hilfreich sei es daher, bereits in der Planungsphase den Betriebsrat in die Entscheidungsfindung einzubeziehen und durch möglichst einfache Social-Media-Guidelines Klarheit und Rechtssicherheit für das Unternehmen und jeden einzelnen Mitarbeiter zu schaffen.

Eine grundlegende Entscheidung muss ein Unternehmen aber bereits ziemlich frühzeitig treffen: das für einen Cloud-Service oder ein System auf dem eigenen Server. Für erstere Lösung spricht die Einfachheit und die einfachere Skalierbarkeit, für letztere die Datenschutzbedenken vieler Unternehmen sowie die bessere Integrierbarkeit in die schon vorhandene Infrastruktur. Ob man dabei ein bereits bestehendes System wie Salesforce oder Microsoft Sharepoint mit zusätzlichen Funktionen ausstattet oder eine eigene Lösung wie Socialcast oder Comindware zum Einsatz kommen lässt, hänge meist von den Vorgaben der IT-Abteilung ab.

Zwei interessante Cases rundeten die Veranstaltung ab. So berichtete Karlheinz Blank über die auf Collaboration ausgerichtete aktuelle IT-Strategie beim Automobilkonzern Daimler und Jochen Gemke, Offering Manager Social Collaboration beim französischen IT-Unternehmen Atos, erklärte die Zero-Email-Strategie seines Unternehmens. Danach soll bis Ende dieses Jahres in der firmeninternen Kommunikation auf sämtliche E-Mails verzichtet werden – zu Gunsten einer neuen Social-Media-Oberfläche. Auch wenn ein solch weitreichendes Unterfangen sicher nicht in jede Firmenkultur passen wird, machten die Referenten deutlich, dass sich insbesondere in größeren Unternehmen in den nächsten Jahren die gängigen Kommunikationsstrukturen ändern werden.

Social Collaboration: Auf die Firmenkultur kommt es an

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht