Indeed-Studie | | von Annette Mattgey

So verschenken deutsche Unternehmen Milliarden

Sonst wird an allen Ecken und Enden geknappst, aber hier nehmen es die Unternehmen locker: Durch unbesetzte Stellen entgehen der deutschen Wirtschaft Jahr für Jahr rund 27 Milliarden Euro. In Deutschland dauert die Rekrutierung besonders lange. 38 Prozent der freien Stellen bleiben länger als drei Monate unbesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Job-Portals Indeed in Zusammenarbeit mit dem Centre for Economics and Business Research (CEBR). Die Untersuchungen zeigen, dass offene Positionen, die Unternehmen für mindestens einen Monat nicht besetzen konnten, durchschnittlich fast 2,3 Mrd. Euro potentiellem Wachstum entsprechen, also 1,1 Prozent des monatlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Gesamtwirtschaft – auf ein Jahr hochgerechnet sind das über 27 Mrd. Euro.
 
Gemütliche Arbeitgeber
 
Deutschland ist das Land unter den vier in der Studie untersuchten Ländern (Deutschland, Großbritannien, USA und Australien), in dem es am längsten dauert, eine Position neu zu besetzen. Rund 38 Prozent der freien Stellen in Deutschland werden länger als drei Monate nicht besetzt. Zum Vergleich: In den USA beträgt dieser Wert 32 Prozent, in Großbritannien 27 Prozent und in Australien lediglich 13 Prozent. Grund hierfür könnte die in Deutschland weniger ausgeprägte "Hire- and Fire-Mentalität" sein, weswegen Unternehmen bei der Auswahl eines Kandidaten besonders akribisch vorgehen, da eine nicht optimal besetzte Position schnell teuer werden kann.
 
Die Auswirkungen unbesetzter Positionen machen sich innerhalb eines Unternehmens an den unterschiedlichsten Stelle bemerkbar: Hat ein Hersteller beispielsweise nicht genug Mitarbeiter, um Bestellungen termingerecht fertigzustellen, produziert er unterhalb seiner Möglichkeiten. Gleichzeitig kann der benötigte jedoch fehlende Mitarbeiter das Einkommen, das der Hersteller gerne gezahlt hätte, gar nicht erst verdienen - und auch nicht verkonsumieren.
 
Die Zahl unbesetzter Positionen und deren wirtschaftliche Auswirkung variiert je nach Bundesland. Offene Stellen in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg entsprechen zusammen rund 1,2 Mrd. des Bruttoinlandsprodukts in einem durchschnittlichen Monat. Bundesländer, in denen offene Stellen schneller wieder besetzt werden, können erheblichen wirtschaftlichen Nutzen erzielen.

Für die Gesamtwirtschaft ist es von erheblicher Bedeutung, dass Arbeitsplätze und Arbeitnehmer möglichst gut zusammenpassen. Nur so gelingt es, ein stabiles und hohes Beschäftigungsniveau zu erreichen und damit angemessene Einkommen der privaten Haushalte.

"Können Unternehmen nicht die passenden Mitarbeiter finden und rekrutieren, wirkt sich das gleich zweifach auf die deutsche Wirtschaft aus”, so Paul D'Arcy, Senior Vice President Indeed. "Zum einen mindert der Mangel an Mitarbeitern sowohl die Produktion als auch den Gewinn eines Unternehmens. Zum anderen können Arbeitnehmer ohne Einkommen weniger Geld ausgeben und somit einen kleineren Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten. Mit fast 27 Mrd. Euro pro Jahr sollten die Kosten nicht besetzter Arbeitsplätze ein Weckruf für deutsche Unternehmen sein, Recruitment-Strategien in einem sich erholenden wirtschaftlichen Umfeld zu entwickeln.“
 
 

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