Diese Strecken legen die deutschen Arbeitnehmer zurück.
Diese Strecken legen die deutschen Arbeitnehmer zurück. © Foto:BBSR

Lange Wege zur Arbeit | | von Annette Mattgey

So intensiv pendeln die Deutschen

Die Zahl der Pendler steigt kontinuierlich: Inzwischen sind es 60 Prozent aller Arbeitnehmer, die woanders wohnen als arbeiten.Während im Jahr 2000 noch 53 Prozent aller Arbeitnehmer pendelten, waren es zuletzt 60 Prozent. Das geht aus einer Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hervor.

Großstädte sind besonders stark betroffen: Zwei Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in den Metropolen Frankfurt am Main, Düsseldorf und Stuttgart arbeiten, leben außerhalb der Stadtgrenzen. Die Hauptstadt der Pendler ist jedoch München: Hier stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die im Umland wohnen, seit dem Jahr 2000 auf 355.000 – ein Plus von 21 Prozent. Frankfurt am Main folgt mit 348.000 Pendlern (+14 Prozent). Am dynamischsten entwickelte sich wiederum Berlin: Hier nahm die Zahl der Pendler gegenüber dem Jahr 2000 um 53 Prozent auf 274.000 zu.

Dass viele Menschen zum Arbeiten vor allem in die Großstädte pendeln, liegt auch an einem deutlichen Beschäftigtenzuwachs in den vergangenen Jahren. "Insbesondere die Umlandkommunen profitieren vom Wachstum der wirtschaftsstarken Großstädte", sagt BBSR-Direktor Harald Herrmann. "Es hat aber auch Nebenwirkungen, dass immer mehr Beschäftigte außerhalb wohnen. Der Flächenverbrauch und die Verkehrsbelastung steigen. Deshalb ist es wichtig, dass die Infrastruktur mit dem Wachstum Schritt hält und das Umland gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden bleibt."

Wichtig sind die Themen Verkehrsinfrastruktur und ÖPNV, denn nicht nur die Zahl der Pendler, sondern auch die durchschnittliche Länge des einfachen Arbeitsweges ist in den vergangenen Jahren gestiegen: von 14,6 Kilometer im Jahr 2000 auf 16,8 Kilometer im Jahr 2015 – und das obwohl sich der Trend in den letzten Jahren wegen der positiven Situation auf dem Arbeitsmarkt schon abgeschwächt hat.

Besonders lang sind die Distanzen zu den Arbeitsmarktzentren in den dünn besiedelten Räumen abseits der Ballungsräume. In großen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts legen Arbeitnehmer im Durchschnitt mehr als 30 Kilometer auf dem Weg zur Arbeit zurück. Auch die Zahl der Fernpendler mit einem einfachen Arbeitsweg von mehr als 150 Kilometern ist seit der Jahrtausendwende gestiegen – von 1 Million auf 1,3 Millionen.

"Viele Beschäftigte nehmen für eine ihrer Qualifikation entsprechende Anstellung längere Distanzen in Kauf und sind nur über das Wochenende zuhause. Die Ballungsräume sind gut vernetzt. Das fördert die Mobilität, auch über große Distanzen", so Herrmann.

Für die Auswertung hat das BBSR die Pendlerverflechtungsmatrizen der Bundesagentur für Arbeit. herangezogen. Dabei wird anhand der Betriebsnummer des Arbeitgebers und der Anschrift des Versicherten die Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstelle berechnet. Befragungen dazu gibt es keine, daher ist unklar, ob es sich um Tagespendler, Wochenendpendler oder nur um gelegentliches Pendeln handelt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass bei relativ geringen Pendeldistanzen (bis zu 150 km) das Tagespendeln dominiert.

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