Karriere | | von Susanne Herrmann

Skjlls startet fähigkeitsbasierten Gehaltsvergleich

Eine mehrmonatige Testphase mit über 1000 Nutzern ist erfolgreich abgeschlossen: An diesem Dienstag (30.6.) geht mit Skjlls das – nach eigenen Angaben – erste fähigkeitsbasierte Gehaltsvergleichsportal für die Design-, Marketing- und IT-Branche online.

"Fast alle althergebrachten Online-Gehaltsvergleiche setzen auf den Jobtitel als maßgebliches Vergleichskriterium", heißt es von dem fünfköpfigen Gründerteam um den Hamburger Gunnar Stenzel. Ein laut Stenzel denkbar schlechtes Kriterium. "Für einen Artdirektor aus einer Onlineagentur wäre es z. B. nicht sinnvoll, wenn er sein Gehalt mit dem eines Artdirektors bei einem Printmagazin vergleichen würde. Beide haben zwar dieselbe Berufsbezeichnung, aber vollkommen unterschiedliche Fähigkeiten."

Bei dem kostenlosen Angebot geht es dagegen darum, eigene Fertigkeiten einzuschätzen (etwa auf Junior-, Senior- oder Gott-Level). Die vergleicht das Programm dann anonym mit den Profilen anderer Nutzer. 1000 sind schon drin; sie haben an der mehrmonatigen Beta-Testphase teilgenommen. Jeder, der Informationen über sich angibt, trägt automatisch und anonym zur "crowdsourced" Datenbasis des Gehaltsvergleichs bei.

In einer Balkengrafik zeigt Skjlls anschließend, was andere User mit ähnlichen Fähigkeiten verdienen. Den Durchschnittswert und auch die Verteilung der Gehälter, also wie viele User wie viel verdienen. Um die Vergleichbarkeit zu erhöhen, können die Nutzer dann auch Berufserfahrung und die Größe des Wohnorts angeben oder ob sie Personalverantwortung tragen. Das soll bei der aktiven Karriereplanung helfen und Fragen klären wie: Was kann ich verlangen, wenn ich mehr Personalverantwortung bekomme? oder Lohnt sich ein Umzug in eine größere Stadt?.

Anonymität ist Gründer Stenzel dabei ganz wichtig: "In Deutschland sind Gehälter immer noch ein Tabuthema. Anonymität und die Wahrung des Datenschutzes waren deshalb von Anfang an sehr wichtige Themen für uns – und bleiben es auch weiterhin." Man habe deshalb sichergestellt, dass aus den Vergleichsfunktionen keine Rückschlüsse auf einzelne User möglich sind. Einzelpersonen könnten nicht identifiziert werden. "Wir ärgern uns selbst oft genug darüber, wie mit persönlichen Daten umgegangen wird. Bei Skjlls hat jeder deshalb zu jedem Zeitpunkt Einblick darin, welche Informationen er für den Gehaltsvergleich angegeben hat. Und wir verstecken diese Informationen auch nicht irgendwo in der dritten Unterebene einer Subnavigation."

Auslöser für das Projekt war ein Wandel auf dem Arbeitsmarkt, den die fünf Macher feststellten: Mittlerweile könnten beispielsweise immer weniger Medienunternehmen offene Stellen mit qualifizierten Kräften und jungen Talenten besetzen. "Durch die hohe Arbeitsbelastung und die geringen Gehälter wandern viele der Hochqualifizierten in die Selbstständigkeit, in Start-ups oder andere Arbeitsformen ab", sagt Stenzel. Das führe dazu, dass Kandidaten häufiger selbst wählen könnten - und vor dem Hintergrund werde die Frage "Was bin ich wert?" immer wichtiger. Stenzel selbst kommt aus dem Agenturbereich: Der Digitaler war in verschiedenen Postionen und an verschiedenen Standorten u.a. für Interone/BBDO tätig.

Zu Beginn ist der Skjlls-Gehaltsvergleich auf Arbeitnehmer und Freiberufler aus der deutschen Medienbranche bzw. auf Design, Marketing, IT begrenzt. Weitere Branchen, Länder und Sprachen folgen in Kürze.
 Schon jetzt funktioniert Skjlls auf verschiedenen Geräten, Desktop-Computer, Laptop, Tablet oder Smartphone. An zusätzlichen Funktionen wird gearbeitet; so wird mittelfristig wohl auch die Vermittlung von Kandidaten und Arbeitgebern möglich sein. Damit träte Skjlls dann in Konkurrenz zu den großen Jobportalen wie Monster und Stepstone.

Skjlls startet fähigkeitsbasierten Gehaltsvergleich

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Arbeitgeber Medien: Jeder Zweite will weg

von Petra Schwegler

Viele Überstunden, Frauen verdienen fast ein Drittel weniger als Männer und mehr als die Hälfte der Mitarbeiter ist bereit zum Jobwechsel: Das sind zentrale Ergebnisse der Studie "Lust oder Frust in der Medienbranche" von Skjlls. Das fähigkeitsbasierte Gehaltsvergleichportal für die Design-, Marketing- und IT-Branche ist seit Juni online. Und hat nun aus über 80.000 Einzelantworten die Arbeitsbedingungen in der deutschen Medienbranche destilliert. "Die Studie wurde zur genaueren Analyse der Zielgruppe im Rahmen der strategischen Entwicklung des kostenlosen Online-Gehaltsvergleichs von skjlls.com durchgeführt", heißt es dazu. Mit mehr als 75 Fragen soll das Werk einen "detaillierten Überblick über die Arbeitsverhältnisse und den Gemütszustand von Festangestellten und Freiberuflern" liefern.

Und so steht es ums Gemüt der Medienschaffenden – befragt nach Gehältern, Arbeitsbedingungen und Befindlichkeiten in sieben verschiedenen Fachbereichen, aufgeteilt nach Festangestellten/Freelancern, Alter und Berufserfahrung:

- Frauen im Hintertreffen: Die Männer in der Branche verdienen im Schnitt 31 Prozent mehr. 

- Es wird viel und lange gearbeitet: Bis zur Rente verschenken Festangestellte 6,5 Jahre ihrer Lebenszeit durch Überstunden.

- Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in der Branche beträgt laut Skjlls 46,08 Stunden.

- Drei von vier (75 Prozent) der Festangestellten erhalten in der Medienbranche keinen Überstundenausgleich.

- So steht es um die Gehaltsentwicklung: Das Bruttogehalt verdoppelt sich nach zehn bis 14 Jahren im Job, wobei in Medien durchaus noch gut zu verdienen ist. Das gilt vor allem bei Männern, die mit mehr als einem Jahrzehnt im Beruf an der Schwelle zu 6000 Euro Bruttomonatsgehalt kratzen. Frauen überschreiten laut der Skjlls-Analyse die 5000-Euro-Hürde nicht. 

- Der Wechselwille ist sehr groß: Bei einem besseren Jobangebot ist über die Hälfte (55 Prozent) sofort weg, drei überlegen noch, nur einer lehnt ab.

- So ist es um die Zufriedenheit mit dem Medienjob bestellt: Elf Prozent der Festangestellten haben innerlich gekündigt. Unter Frauen sind es ein bis zwei Jahre nach dem Berufseinstieg sogar 19 Prozent.

- Frei arbeiten kann lukrativ sein: Der durchschnittliche Tagessatz unter Freelancern liegt bei den Befragten bei 536 Euro - wobei hier unter anderem Berater das Niveau nach oben heben.

Hier noch die Entwicklung des Bruttogehalts und die Verteilung nach Geschlechtern als Skjlls-Grafik:

 

Schon bei Start der Plattform hat das Skjlls-Team angedeutet, dass das Arbeitsfeld Medien an Attraktivität verloren hat. Auslöser für das Projekt war immerhin dieser Wandel auf dem Arbeitsmarkt: Mittlerweile könnten beispielsweise immer weniger Medienunternehmen offene Stellen mit qualifizierten Kräften und jungen Talenten besetzen, hielt Skjlls damals fest. Und: "Durch die hohe Arbeitsbelastung und die geringen Gehälter wandern viele der Hochqualifizierten in die Selbstständigkeit, in Start-ups oder andere Arbeitsformen ab." Das führe dazu, dass Kandidaten häufiger selbst wählen könnten - und vor dem Hintergrund werde die Frage "Was bin ich wert?" immer wichtiger. 

Zur Studie: Als Basis dienen Skjlls die Ergebnisse einer anonymen Online- Umfrage, die zwischen Februar und April durchgeführt wurde. Die Akquise der Studienteilnehmer erfolgte über zielgruppen-spezifische Anzeigen in Social Networks. Nach Bereinigung offensichtlicher Fehldaten und Entfernung von Angaben durch Teilnehmer die angegeben haben, nicht in der Medienbranche tätig zu sein, standen 1089 valide Datensätze für die Auswertung der Studie zur Verfügung. Prozentuale Werte, die im Verlauf der Studie genannt werden, beziehen sich auf diese 1089 Datensätze. "Trotz der ausgeglichenen demographischen Verteilung (siehe Demographie der Studienteilnehmer) erhebt diese Studie nicht den Anspruch repräsentativ zu sein", heißt es abschließend. 

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben