IG Metall | | von Annette Mattgey

Schöne neue Arbeitswelt: Mindestlohn für die Cloud?

Jetzt will die Gewerkschaft IG Metall die Regelungskompetenz der Poltik auch auf das virtuelle Arbeiten ausdehnen. Sie fürchtet einen "Sittenverfall" und befürwortet daher ein Mindestentgelt für Freelancing-Plattformen. Grundsätzlich kann Christine Benner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und verantwortlich für die Bereiche ITK und Engineering, der "Sharing Economy" viel Gutes abgewinnen: "Mobiles Arbeiten bietet Chancen für die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben. Und neue Formen digitaler Arbeit schaffen Chancen für eine bessere Teilhabe von mehr Menschen an Arbeit." Dazu bedürfe es aber Regelungen sowohl in sozialrechtlicher Hinsicht (z.B. Mitbestimmung beim Outsourcing) als auch im Hinblick auf den Arbeitnehmer-Datenschutz. "Wir wollen eine Demokratisierung und keine Amazonisierung der Arbeitswelt", betonte Benner.

Besonders unangenehm stoßen ihr dabei die allgemeinen Geschäftsbedingungen einiger Crowdsourcing-Plattformen auf: "Wenn die Plattformen mit Knebel-AGB's das Internet zur rechtsfreien Cloud verwandeln, worin sich Arbeitnehmerrechte in Luft auflösen, ist das unakzeptabel und schäbig." Tätigkeiten, die digital über eine Crowdsourcing-Plattform (wie etwa Elance, Odesk, Gulp u.a.) verrichtet würden, müssten genau so bezahlt werden wie in den Unternehmen, in denen es Tarifverträge und Betriebsräte gibt. "Ein Laissez-Faire kann doch nicht die Antwort sein. Warum soll kein Mindestentgelt für die Cloud gelten?", fragt sich Benner.

Die IG Metall kommt derzeit zur 6. Engineering- und IT-Tagung von Hans-Böckler-Stiftung und IG Metall in Rüsselsheim zusammen und diskutiert dort die Digitalisierung der Arbeitswelt. Sogar einen Twitter-Account hat die Veranstaltung: Digital Arbeit.

Dort kam auch Detlef Wetzel, Erster Vorsitzender der IG Metall, zu Wort. Deutschland benötige "ein Leitbild guter digitaler Arbeit mit zeitgemäßen Betriebsvereinbarungen, Tarifverträgen und Gesetzen", um den Interessen der Beschäftigten in der digitalen Arbeitswelt gerecht zu werden. In diesem Punkt habe die jüngst vorgestellte digitale Agenda der Bundesregierung einen blinden Fleck. Es fehle eine Technikfolgenabschätzung aus Perspektive der Beschäftigten. "Längst gibt es eine große Vielfalt an Formen digitaler Arbeit. Viele kennen keine Mindeststandards bei der Bezahlung, der Arbeitszeit oder dem Gesundheitsschutz", sagte Wetzel. Außerdem betonte Wetzel den Aspekt der Bildung: Investitionen in Strukturen zum lebenslangen Lernen seien die Voraussetzung, damit die Menschen die fortschreitende Digitalisierung nutzen könnten.

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