NDR-Klicktipp | | von Annette Mattgey

Sascha Lobo: "Rücksichtslose Technikkaste" im Silicon Valley

Müssen sich Internet-Startups den geltenden Gesetzen unterwerfen oder brauchen wir neue Regeln? Internet-Vordenker Sascha Lobo hält nichts von den Algorithmus-verliebten Nerds, die auf die Demokratie pfeifen. Vielmehr attestiert er dem Silicon Valley ein "Arschloch-Problem", wie es einmal das Wirtschaftsblatt "Economist" formuliert hat. Lobo, selbst dem Hippietum nicht abgeneigt, kann dem kalifornisch geprägten Startup-Denken nicht allzuviel abgewinnen, erklärt er in der "Panorama"-Reportage "Schöne neue Welt: Der Preis des Teilens", die sich hier in der Mediathek anschauen lässt.

In den USA sieht Lobo "eine extreme Technikgläubigkeit gepaart mit einer hippieesken, libertären Einstellung." Daraus entstehe ein "Bastard" der das Schlechte beider Seiten verbinde, "eine rücksichtslose Technikkaste, die vorgibt, die Welt verbessern zu wollen, aber extrem gefährlich ist." So beurteilt er auch das Geschäftsmodell von Uber, das mit seinem Mitfahrmodell den herkömmlichen Taxifahrern Konkurrenz macht. Natürlich seien Gelegenheitsfahrer weniger auf zusätzliches Einkommen angewiesen wie professionelle Taxifahrer. "Wenn die (Uber-Fahrer, Anm. der Red.) in Massen auf den Markt strömen, dann drücken sie die Preise auch für diejenigen, die unter Druck stehen zu fahren, da sie das Fahren für Uber als ihren Beruf begreifen."

Dabei ist Sascha Lobos Haltung zu unseren Arbeitsmodellen keineswegs konservativ, allerdings betont er, dass zur Flexibilität auch Freiwilligkeit gehört. Doch die aktuelle Situation erinnere ihn eher an den "Manchester-Kapitalismus des 19. Jahrhunderts". Besonders Uber-Gründer Travis Kalanick nimmt er aufs Korn: "Flexibilität gut und schön, aber eben nur dann, wenn sie nicht als peitschendes Effizienzinstrument in den Händen von Leuten wie Uber-Chef Travis Kalanick stattfindet." Vor ihm sollte auch die Politik nicht einknicken: "Gesetze sind nicht zum Schutz von Uber da. Gesetze sind zum Schutz der Gesellschaft da." Unerbittlichkeit und Arroganz sieht Lobo bei den Typen wie Kalanick: "Das ist ein Mann, der Schwierigkeiten hätte einen Sympathiewettbewerb gegen eine Landmine zu gewinnen."

Wird es der Politik gelingen, die anstehenden Probleme zu lösen? Mit feiner Ironie meint Lobo: "So wie in Deutschland und in Europa die Politik gerade agiert, bin ich sehr zuversichtlich, dass sie exakt die richtigen und fantastischen Instrumente schaffen werden in der nächsten Zeit, so dass in kaum mehr als 25 bis 30 Jahren die ideale Lösung für 2015 gefunden sein wird."

Das vollständige Interview mit Sascha Lobo zum Thema Share Economy und die Folgen lesen Sie auf der Seite des NDR-Fernsehens.

Sascha Lobo: "Rücksichtslose Technikkaste" im Silicon Valley

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