10 Fragen an die Recruiting-Chefs | | von Markus Weber

Sapient-Nitro-Personalchefin: "Geld wird zum Hygienefaktor"

Im Rahmen einer W&V-Online-Serie stellen wir die Recruiting-Chefs der Agenturen vor: Worauf achten sie beim Persönlichkeitsprofil von Bewerbern ganz besonders? Wie lockt man die besten Leute? Was sind die häufigsten Fehler der Bewerber? Heute steht Ute Maria Zankl, Director People Strategy bei der Digitalagentur Sapient Nitro, Rede und Antwort.

1.  Wie wird man Human-Resource-Manager bei Sapient Nitro?

Einen Königsweg zum HR-Management gibt es bei uns nicht –  zumal das ein Begriff ist, den wir nicht besonders schätzen, weil "Human Resources" nach "dinglicher Verfügbarkeit" klingt. Wir bezeichnen unsere Leute lieber als das, was sie sind: People. Bei Sapient Nitro gibt es "People Strategists", die das Personalwesen von der Pike auf gelernt haben, aber auch erfolgreiche Quereinsteiger aus der eigenen Agentur. Allen ist gemeinsam, dass sie mit großer Leidenschaft an der Schnittstelle zwischen "People" und "Business" arbeiten.

2.  Wie lockt man die besten Leute? Mit einem attraktiven Kundenportfolio oder mit Top-Gehältern?

Bei dieser Frage gibt es kein "entweder oder", sondern eher ein "und". Attraktiv ist die Kombination aus spannenden Kunden, kreativen Herausforderungen, tollem Team und dem Gefühl, als Individuum wertgeschätzt zu werden, auch in Form einer fairen Vergütung.

3.  Spielt Geld heute eine wichtigere Rolle als früher?

Geld ist kein zentrales Element, aber unwichtig ist es auch nicht. Es wird immer mehr zu einem  "Hygienefaktor" – d.h. wenn die Vergütung als fair empfunden wird, steht sie nicht im Vordergrund und ist kein primäres Entscheidungskriterium für eine Position. Wenn die Bezahlung als unfair empfunden wird, ist sie ein starker Demotivator.

4.  Worauf schauen Sie besonders beim Persönlichkeitsprofil von Bewerbern?

Hinter jedem Lebenslauf steht ein Individuum und das betrachten wir auch individuell. Besonders interessant sind für uns Bewerber, die sowohl fachlich hochqualifiziert sind und deren Erfahrungen eine Affinität zu unseren Unternehmenswerten vermuten lassen – also beispielsweise Offenheit gegenüber Veränderungen, der Antrieb über den Tellerrand hinauszuschauen und die Initiative zu ergreifen sowie die Fähigkeit zur konstruktiven Zusammenarbeit in heterogenen Teams.

5.  Was sind die häufigsten Fehler von Bewerbern?

Für uns ist es entscheidend, ob der Bewerber oder die Bewerberin sich mit uns als Unternehmen und mit der Position ehrlich auseinandersetzt. Der schwerwiegendste Fehler von Bewerbern besteht darin, die Wichtigkeit dieses Faktors zu unterschätzen.

6.  Das Image der Agenturen als Arbeitgeber hat zuletzt gelitten. Zu Recht?

Ich bezweifle, dass diese Aussage richtig ist. Nur Agenturen, die sich nicht den aktuellen Herausforderungen stellen, wie der Generation Y, dem demographischen Wandel, der Digitalisierung der Gesellschaft, dem Fachkräftemangel etc. verlieren an Boden im Rennen der Arbeitgebermarken. Es gibt eine Reihe von Agenturen, zu denen wir auch uns zählen, die sich gerade in den letzten Jahren als attraktiver Arbeitgeber positioniert haben.

7.  Wie sieht es in Ihrer Agentur mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in einer Dienstleistungsumgebung ist eine Herausforderung, die man nur meistern kann, wenn man es ernst meint. Flexible Arbeitszeitmodelle, die Möglichkeit zum Home-Office sowie Planungssicherheit für Eltern und Agentur in puncto Kinderbetreuung, Pflege oder Trauerarbeit sind unabdingbar.

Im Jahr 2013 hat Sapient Nitro einen HR Excellence Award in der Kategorie Familie und Beruf gewonnen, weil wir nachweisen konnten, dass 96 Prozent aller jungen Mütter wieder auf ihren Arbeitsplatz zurückkehrten – und das bereits nach 10-12 Monaten. Zudem gingen 88 Prozent der Jungväter in Elternzeit, eine Prozentzahl, die weit über dem Bundesdurchschnitt liegt und auch unter Agenturen ein Alleinstellungsmerkmal darstellt.

8.  Welche Rolle spielt bei Ihnen Diversity Management?

Diversity Management ist einer der zentralen Erfolgsfaktoren von Sapient Nitro, wobei wir unter Diversity mehr als nur "Gender" verstehen. Diversity Management hat zu tun mit der Kollaboration von Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln, Funktionalitäten, unterschiedlichem Alter etc. So arbeiten bei Sapient Nitro in Deutschland Menschen aus 26 Ländern zusammen und ziehen an einem Strang. Das ist sehr inspirierend!

9.  Was ist aus Ihrer Sicht der größte Fehler, den ein Personalverantwortlicher oder Headhunter machen kann?

Der größte Fehler ist, zu vergessen, dass hinter den Profilen und Lebensläufen Menschen stehen. Wer beispielsweise mit standardisierten Massenanschreiben auf Business-Netzwerken wie LinkedIn arbeitet, kann im Gegenzug keine große Wertschätzung erwarten. 

10. Warum sollte jemand bei Ihnen anfangen? Was macht Ihre Agenturmarke einzigartig?

Wer darauf brennt, immer wieder neue Herausforderungen auf internationalen Projekten zu meistern, die sich um die digitale Transformation drehen und aufregende Marken bewegen – der ist bei uns richtig. Unsere Mitarbeiter sind mit Experten und Kreativen auf der ganzen Welt vernetzt und entwickeln in multikulturellen und interdisziplinär gemischten Teams Projekte für Global Player wie Audi, Beiersdorf und Lufthansa.

Das gilt bei Sapient Nitro für alle unsere Mitarbeiter, ungeachtet der Karrierestufe. Uns geht es nicht um Hierarchien, sondern um den gemeinsamen Erfolg, daher schreiben wir Teamarbeit sehr groß: Kreation, Technologie und Beratung arbeiten Hand in Hand – interdisziplinär und international. Wir arbeiten nicht nur in der Gegenwart, sondern blicken für unsere Kunden in die Zukunft und erforschen in unserem Innovationslab – dem BlackLab – neue Trends, Technologien und Ideen.

Sapient-Nitro-Personalchefin: "Geld wird zum Hygienefaktor"

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