Nico Rose | | von Nico Rose

Role Model James Bond: Nehmen sie sich ein Beispiel an 007

Die Reihe um den britischen Geheimagenten James Bond ist die erfolgreichste Filmserie der Kinogeschichte. Alle Filme zusammen haben bisher rund sechs Milliarden Dollar umgesetzt – inflationsbereinigt wären es sogar mehr als fünfzehn Milliarden. Der letzte Film, Skyfall, ist derzeit sogar auf Platz neun der umsatzstärksten Filme aller Zeiten (ohne Inflationsbereinigung). Der Unterhaltungswert ist unbestritten, jeder hat seinen Lieblingsdarsteller – und nur ganz wenige lässt Bond so richtig kalt. So weit, so gut.

Ein interessante Frage lautet: Können wir von Bond auch persönlich etwas lernen? Ist er ein Rollenvorbild? Er hat in allen seinen Filmen geschätzte 150 – 200 Menschen ins cineastische Jenseits befördert. Außerdem hat er vermutlich ein Alkoholproblem. Das gibt ein paar Abzüge in der B-Note. Letztlich glaube ich jedoch, dass es durchaus sinnvoll, bei Bonds psychischen Qualitäten einmal genauer hinzuschauen. Deshalb folgt nun der Versuch einer Annäherung in 007 Schritten – betrachtet durch die Brille eines Positiven Psychologen.

Niemals ablenken lassen

James Bond ist immer „cool“ – zumindest erzeugt er diesen Eindruck bei anderen Menschen. Er konzentriert sich auf den Augenblick, ohne jedoch seine übergeordnete Mission aus den Augen zu verlieren. Ablenken lässt er sich allenfalls von einem kurzen Tête-à-Tête – aber selbst diese Techtelmechtel dienen meist einem Zweck, z.B. dazu, einen Bösewicht auf die Palme zu bringen. In diesem Sinne ist Bond gewissermaßen ein Meister der Achtsamkeit.

Handeln im Moment mit dem übergeordneten Ziel im Blick

Bond ist kein großer Planer. Er erfasst Situationen schnell und improvisiert dann entsprechend, verlässt sich hierbei vor allem auf seine physischen Fähigkeiten. Er weiß, dass das Leben als Superagent viele Überraschungen bereit hält und somit kaum planbar ist. Daher orientiert er sich an einigen übergeordneten Zielen und entscheidet alles Weitere spontan.

Selbstbewusstsein bis zum Abwinken

007 stellt niemals seine Fähigkeiten infrage, er zögert und verzettelt sich nicht. Kein echter Mensch verfügt über ein so großes Maß an Selbstbewusstsein (und das ist vielleicht auch gut so…). Doch dafür bewundern wir ihn. Bond erteilt uns eine Lektion in Selbstwirksamkeit. Dieses Konzept ist die wissenschaftliche Basis hinter Henry Fords berühmten Ausspruch: “Whether you think that you can, or that you can’t, you are usually right.”

Stil und Effektivität sind eins

007 versteht, dass Stil auf Schlichtheit basiert. Ähnlich wie der (nicht-fiktionale) George Clooney wirkt er immer gepflegt und tadellos gekleidet. Dabei verlässt er sich auf zeitlose Klassiker. Die Anzüge, der Haarschnitt, die Autos, die Drinks, selbst seine Waffe – all dies sagt: Lass Dich nicht von der Mode treiben, keine unnötigen Details, kein Schnickschnack. Am Ende des Tages ist dies auch eine Lehre in Effektivität. Bond versteht, dass es mitunter die beste Entscheidung ist, dafür zu sorgen, dass man sich gar nicht entscheiden muss. Auf diese Weise sparen wir „mentale Kapazität“ für Probleme, die wichtiger sind als die Frage, was wir zum Dinner anziehen wollen.

Die Geheimwaffe im Ärmel

Wenn es eng wird, hat Bond immer noch ein As im Ärmel, meistens eine Geheimwaffe, die er zuvor vom Waffenmeister “Q” bekommen hat. Übertragen auf ein normales, nicht-agentenhaftes Leben denke ich, dass wir uns alle – nicht nur in Notlagen – auf unser ureigenes Set an Charakterstärken verlassen können und sollten. Wenn Sie Ihre Charakterstärken kennenlernen möchten, können Sie hier einen kostenlosen wissenschaftlichen Test machen. Darüber zeigt dieser Punkt, dass keiner von uns als Einzelkämpfer überleben kann. Selbst ein Superagent braucht bisweilen die Hilfe anderer Menschen.

Die eigentliche Mission ergibt sich später auf den Bahamas

Bonds Aufträge führen ihn häufig quer über den gesamten Erdball. An verschiedenen Orten muss er zunächst diverse Puzzlestücke finden und zusammensetzen (bzw. Handlanger auseinandernehmen). Dieser Punkt ist auch Bestandteil der berühmten Stanford-Rede von Steve Jobs (“Connecting the Dots”). Wir können das Leben nur vorwärts leben – verstehen hingegen lässt es sich (fast) ausschließlich in der Rückschau. Daher müssen wir uns auf die Reise machen, ohne zu wissen, wo wir enden werden und was „das alles“ bedeutet. Wir müssen uns auf den Weg machen. So oder so. Sonst schaffen wir es nicht mal bis auf die Bahamas.

Alles für die Königin

Dies ist der wichtigste Punkt, auch wenn er nicht so offensichtlich ist. Obwohl 007 häufig wie eine zynische, gewissenlose und bisweilen nihilistische Person wirkt – im Kern ist er genau das Gegenteil. Es geht ihm nicht um sich selbst. Er ist Geheimagent im Dienste Ihrer Majestät. Er kämpft für die Sicherheit seiner Heimat und der gesamten freien Welt. Das ist seine übergeordnete Mission, von hier bezieht er seinen Sinn. Wir alle sollten uns auf die Suche nach "unserer Königin" machen: Jemanden bzw. einer größeren Sache, der wir dienen können und wollen. Wir sind nicht nur für uns auf dieser Welt. Bis wir das verstehen, leben wir nur den Abklatsch eines wahrhaftigen Lebens.

Anmerkung: Dieser Text beruht nur zum Teil auf meinen eigenen Gedanken. Die Urform der James Bond-Philosophie stammt von dem finnischen Philosophen Esa Saarinen. Ich hatte das große Vergnügen, von ihm unterrichtet zu werden, während ich 2013/14 Positive Psychologie an der University of Pennsylvania studierte.

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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