Goldene Runkelrübe | | von Annette Mattgey

Recruiting bei "Call a Pizza" ist Social Media-Flop des Jahres

Die schlechtesten  Maßnahmen der Personalkommunikation dieses Jahres wurden in Berlin mit der Goldenen Runkelrübe ausgezeichnet. Das Europäische Patentamt ist ebenso unter den Blam.. äh.. Prämierten wie der Lieferdienst "Call a Pizza".

Das Patentamt erhielt die Auszeichnung in der Kategorie Stellenanzeige (hier der Preisträger und alle Nominierten mit Bild). Die Anzeige ist noch gar nicht mal so ungewöhnlich und gerade darum ein echter Abtörner: viel Text, klein geschrieben, kaum gegliedert und ohne Bild. Dabei gibt es längst Studien über die Lesegewohnheiten - und dementsprechend über die Erfolgsaussichten von Stellenanzeigen.

Die Goldene Runkelrübe ist ein Publikumspreis – eine Jury, bestehend aus Unternehmensvertretern, Personaldienstleistern und Bewerbern, hat die schlechtesten Maßnahmen der Personalkommunikation dieses Jahres aus den 60 zuvor eingereichten Nominierungen ausgewählt. Alle Jurymitglieder bewerten die jeweiligen Maßnahmen nach eigenem Geschmack bzw. ihrer fachlichen Kompetenz.

"Das Ziel aller Personalmarketingmaßnahmen ist es, passende Bewerber anzusprechen und als Arbeitgeber zu überzeugen. Das ist nicht immer einfach, insbesondere in Berufsfeldern, in denen der Nachwuchs hart umkämpft ist. Umso wichtiger ist es also, zielgerichtet und mit den richtigen Botschaften zu kommunizieren", so Jannis Tsalikis, einer der beiden Organisatoren des Awards. 

Zu den weiteren Preisträgern zählen der Lieferdienst "Call a Pizza", der sich mit penetrantem Dauer-Posten in der Kategorie Social Media an die Spitze schob. Das grottigste Karriere-Video steuerte die Volksbank Franken bei. Die schlechteste Karriere-Website attestierte die Jury Lase  Industrielle Lasertechnik.

Aus Fehlern lernen

"Wir wollen die Unternehmen nicht an den Pranger stellen bzw. nicht lachend mit dem Finger auf sie zeigen. Ganz im Gegenteil. Unser Ziel ist es, auf Fehler hinzuweisen und die entsprechenden Maßnahmen in Zukunft zu verbessern – und das mit einem kleinen Augenzwinkern. Aus Fehlern lernt man schließlich, die ausgezeichneten Maßnahmen sind Lehrbeispiele und zeigen, wie man es eben nicht machen sollte", sagt Henner Knabenreich, ebenfalls Organisator der Goldenen Runkelrübe.

Hier die Einzelbewertungen von Jannis Tsalikis und Henner Knabenreich zu den Auszeichnungen:

Stellenanzeige: Europäisches Patentamt

  • Jannis Tsalikis: "Ganz offenbar ist hier Name Programm, denn das Europäische Patentamt bedient jedes Klischee. Die Stellenanzeige verliert sich viel zu sehr im Detail und ist mithin äußerst schwere Kost."
  • Henner Knabenreich: "Das Europäische Patentamt sucht einen Direktor für Personaleinstellungen. Und das haben sie offenbar dringend nötig, wenn man einen Blick auf die Stellenanzeige wirft. Sie ist definitiv zu lang, es werden nur Forderungen gestellt, Informationen zu dem, was der Arbeitgeber bietet, findet der Bewerber auf zwei Zeilen. Vermutlich war es die unglaubliche Länge, die die Juroren zu diesem Urteil bewogen hat. Eine Entscheidung, die ich mittragen kann."

Karriere-Video: Volksbank Franken (hier alle Nominierten)

Karriere-Website: Lase Industrielle Lasertechnik (hier alle Nominierten)

  • Jannis Tsalikis: "Ich muss gestehen, dass mich die Entscheidung der Juroren in diesem Fall etwas überrascht hat, denn schaut man sich die Nominierten an, dann hätten sicher auch andere Unternehmen gewinnen können. Jedoch: Ich habe lange keine Karrierewebsite gesehen, die so konsequent Bewerber ausgeladen hat. Von daher ist der Sieg auch nicht ungerecht."
  • Henner Knabenreich: "Mein Favorit war ein anderer. Ich persönlich kann die Entscheidung der Juroren nicht so ganz nachvollziehen. Allerdings wirkt das ‚Besetzt!’ in der Tat eher abschreckend und signalisiert auch nicht gerade, dass der Bewerber willkommen ist."

Social Media: Call a Pizza (hier alle Nominierten)

  • Jannis Tsalikis: "Wer in Social Media aktiv sein will, muss bereit sein, sich über guten Content Gedanken zu machen und bereit sein für den Dialog. Einfach immer nur den gleichen Post zu veröffentlichen ist, als wolle man in einer Bar seine Freunde mit immer der gleichen Story begeistern. Genau das macht Call a Pizza und verdient mithin zurecht die Rübe. Gratulation."
  • Henner Knabenreich: "Muss ein Unternehmen zwingend mit einer Karriereseite auf Facebook vertreten sein? Definitiv nicht. Und schon gar nicht, wenn einem nichts an Inhalt einfällt und man regelmäßig ewig den gleichen Inhalt postet. Mein Favorit war allerdings die Jobmesse auf Twitter. Twitter braucht keine festen Öffnungszeiten. Und Unternehmen, die das Prinzip Twitter nicht verstanden haben, sollten der Plattform einfach fern bleiben. So einfach ist das!"
Recruiting bei "Call a Pizza" ist Social Media-Flop des Jahres

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