Auszüge aus der Jobstairs-Umfrage.
Auszüge aus der Jobstairs-Umfrage. © Foto:Jobstairs

Jobstairs-Umfrage | | von Annette Mattgey

Recruiting à la Tinder: Übernimmt Künstliche Intelligenz die Personalarbeit?

Viele Recruiting-Prozesse laufen heute längst digital ab. Doch wieweit sind datenbasierte Tools bereits im Recruiting angekommen? Und wie schätzen Recruiter die Entwicklung des Data Driven Recruitings bis 2020 ein? Diese Fragen stellte die Jobbörse Jobstairs Personalentscheidern aus deutschen Top-Unternehmen.

Mindestens jedem zweiten Recruiter (53,86 Prozent) sind die technischen Möglichkeiten des Data Driven Recruitings bekannt. 15,38 Prozent der befragten Personalentscheider sind mit diesen Tools sogar bereits sehr vertraut. Doch wofür werden sie heute genutzt?

Jeder Zehnte (10,53 Prozent) nutzt bereits Chatbots beispielsweise für die Ansprache von Talenten und in der Bewerberkommunikation. Auch Matching-Technologien (15,79 Prozent) kommen zum Einsatz.

In Zukunft werden smarte, datenbasierte Tools weiter um sich greifen. So sehen etwa 92,31 Prozent bei der Auswertung von Bewerbungen ein sehr großes Potenzial.

"Viele Recruiter verwenden datenbasierte Tools noch zurückhaltend, die Umfrage zeigt hier aber ganz deutlich die steigende Relevanz des Data Driven Recruitings", erklärt Prof. Wolfgang Jäger, Sprecher der Jobbörse Jobstairs.

Auch die Kommunikation zwischen Bewerber und Personaler wird sich durch neue Technologien verändern. In den verschiedenen Phasen der Personalauswahl ist heute das persönliche Gespräch oder Telefonat mit Abstand der meist genutzte Kommunikationskanal (95,83 Prozent). Aber auch digitale Kommunikationstechnologien wie Video-Konferenzen (66,67 Prozent) oder Instant Messaging Dienste (25 Prozent) werden heute – wenn auch deutlich weniger – bereits verwendet.

"Bis 2020 wird sich auch hier die gelebte Recruiting-Praxis verändern", prognostiziert der Personalmarketing-Experte. Zwar geben viele der befragten HR-Verantwortlichen an, die persönliche Kommunikation z.B. das Gespräch behalte seine hohe Bedeutung (75 Prozent) oder werde sogar noch wichtiger werden (29,83 Prozent).

Allerdings steigt parallel dazu auch die Bedeutung digitaler Kommunikationskanäle an. Mindestens jeder zweite Recruiter sieht steigendes Potenzial beim Robot-Recruiting (58,33 Prozent), bei Video-Konferenzen (58,33 Prozent), bei Chatbot-basierter Kommunikation (56,52 Prozent), bei Online-Assessments (54,17 Prozent) und bei Instant Messaging Diensten (50 Prozent).

VR hat seinen Platz im Recruiting

"Robot-Recruiting und Chatbot-basierte Kommunikation werden auf dem Weg zum Recruiting 4.0 künftig immer weiter an Bedeutung gewinnen", ist sich Jäger sicher. Positiv bewerten die befragten Recruiting-Spezialisten ebenfalls den Einsatz von Virtual (VR) und Augmented-Reality-Anwendungen (AR) im Rahmen des Personalmarketing-Prozesses. Fast drei Viertel (71,44 Prozent) befassen sich mit dem Thema. 14,29 Prozent haben bereits entsprechende Projekte umgesetzt.

Auf die Frage, welcher Bewerbungsform bis 2020 die größte Bedeutung zukommt, herrscht Einigkeit unter den HRlern. Die One-Click-Bewerbung (100 Prozent), die mobile Vorab-Bewerbung (95,65 Prozent) und – nach wie vor – das Online-Bewerbungsformular (91,30 Prozent) sind als Top drei der zukünftigen Bewerbungsformen genannt. Auf Platz vier rückt nun aber schon die Vermittlung von Bewerbern durch einen Algorithmus (82,61 Prozent) nach. Neben mobilen Bewerbungsformen wird demnach auch das automatisierte Recruiting immer wichtiger. Insgesamt blicken die Personalexperten positiv in eine noch stärker Daten und Technik getriebene Zukunft.

Die wenigsten Befragten (13,05 Prozent) sehen Robot Recruiting als Bedrohung. Vielmehr gehen die Experten mehrheitlich davon aus, dass das Data Driven Recruiting menschliche Entscheidungen auf eine objektive Grundlage stellt (69,57 Prozent). 82,61 Prozent der Befragten glauben sogar, Mensch und Maschine werden künftig Hand in Hand arbeiten. Dennoch sehen HRler in der "Entmenschlichung" des Recruiting (73,91 Prozent) noch vor dem Datenschutz (65,22 Prozent) die größte Herausforderung im Data Driven Recruiting/Robot Recruiting.

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