R.I.P. Bud Spencer: Danke für meine Kindheit, Buddy!
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Nico Rose | | von Nico Rose

R.I.P. Bud Spencer: Danke für meine Kindheit, Buddy!

Ich bin fürchterlich hin und hergerissen. Mitten in meinen Jubel über den Sieg der Isländer gegen England (ja, da war ich parteiisch…) mischt sich tiefe Trauer über die Nachricht zum Tod von Bud Spencer. Ich habe Tränen in den Augen. Mit Bud Spencer geht ein wichtiges Stück meiner Kindheit, geteilter Kindheit, ein einzigartiger Held für viele Millionen Deutsche!

Am Anfang noch auf VHS-Kassetten aus dem Fernsehen mitgeschnitten, habe ich Stunden um Stunden, Tage um Tage, vor dem Fernseher verbracht. Allein. Mit meinen Eltern. Meinen Großeltern. Meinen Freunden. Habe alle Filme wieder und wieder geschaut. Konnte sie auswendig mitsprechen.

Mit den Kumpels habe ich tausende Male alle Prügelszenen – bei denen auf wundersame Weise nie jemand ernstlich verletzt wurde – nachgespielt, morgens auf dem Schulhof und dann nachmittags nochmal im Kinderzimmer. Und am nächsten Tag wieder von vorn.

Wir haben alle Sprüche auswendig gelernt ("Mach schon Platz, ich bin der Landvogt!" – "Was ist denn jetzt mit de´ Kohlen?") und sie uns und jedem, der sie hören oder auch nicht hören wollte, zuvorderst unseren Lehrern, wieder und wieder um die Ohren gepfeffert. Bis zum Abwinken.

Noch heute habe ich alte Freunde, mit denen ich mich ich hauptsächlich per Aneinanderreihung von Bud Spencer- und Terence Hill-Zitaten verständige. Es funktioniert.

Die linke und die rechte Hand des Teufels stehen für eine Welt, in der das Gute letztlich immer über das Böse triumphiert. Mit der nötigen Schlagfertigkeit, sowohl physisch, als auch verbal. Es ist genau das, was (insbesondere) kleine Jungs sein wollen – in einer Welt, die noch so unerklärlich ist und in der im Prinzip alle anderen stärker sind als man selbst.

Es ist eine reine, eine gefahrlose Welt. Die Guten sind einfach nur gut, die Bösen meist noch nicht mal richtig böse, häufig eher tollpatschig und unbeholfen. Sie sterben nicht, sondern müssen geschlagen das Feld räumen.

So eine Welt hat es "in echt" nie gegeben – doch heute gibt es sie nicht einmal mehr im Kino. Dieser Tage gibt es nur noch gebrochene Helden, wenn überhaupt. Jeder hat seine Schattenseiten und oft weiß man lange überhaupt nicht, wer wo steht. Das ist realistischer, aber auch viel anstrengender.

Bud Spencer steht wie wenige andere Stars für die Unbekümmertheit unserer Kindheit. Für "damals, als die Dinge noch in Ordnung waren", Nachmittage bei Oma und Opa mit grotesken Mengen an Schokokeksen – und Sommerabende mit den Nachbarn und "viel länger aufbleiben, als man eigentlich darf".

Wenn ich also nun weine, dann weint hauptsächlich das kleine Kind in mir. Das ist OK. Wobei: Da ist auch noch so ein leises Gefühl, das schwerer wiegt. Es sagt mir: Wenn selbst der mächtige Bud Spencer gehen muss, dann bist Du auch eines Tages dran. Eigentlich weiß man das ja als erwachsener Mensch. Aber meist will man es bekanntlich nicht wahrhaben.

Zum Glück werden seine Filme niemals sterben. Und mein kleiner Sohn ist jetzt dreieinhalb. In ein paar Jahren ist er so weit. Ich freue mich schon drauf…

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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