Thorben Fasching, Geschäftsführer bei Open Reply, und selbst ein Vorbild beim Reputation Management.
Thorben Fasching, Geschäftsführer bei Open Reply, und selbst ein Vorbild beim Reputation Management. © Foto:Presse

Thorben Fasching | | von Thorben Fasching

Personal Branding: Wie mache ich mich zur Marke?

Warren Buffett hat eigentlich keine Ahnung, wie sich eine seiner bekanntesten Wahrheiten anfühlt: "Es braucht 20 Jahre, um einen guten Ruf aufzubauen. Aber nur fünf Minuten, um ihn zu ruinieren." Seit Jahrzehnten gilt der milliardenschwere US-Amerikaner als der Guru in der Finanzwelt. Buffett hat etwas geschafft, das ihn etwa mit Technologie-Visionär Steve Jobs noch Jahre nach dessen Tod verbindet: Beide haben ein Alleinstellungmerkmal geschaffen, ihre Namen sind Gütesiegel – sie haben sich selbst zur Marke gemacht.

Beispiele finden wir auch in Deutschland. So gibt Claus Hipp seiner Marke ein Gesicht. Für die Babynahrung aus seinem Haus steht der Unternehmer seit Jahrzehnten mit seinem Namen. Er liefert somit ein Versprechen, das bei der Zielgruppe über Generationen ankommt. Warum sind Markenversprechen wie diese so wirksam? Weil die Wahrnehmung eines Produkts oder einer Dienstleistung heute mit den Menschen dahinter steht und fällt. Persönlichkeiten entscheiden mehr über die öffentliche Wahrnehmung als eine schicke Verpackung mit coolem Slogan und schrägem Logo.

Der Grund hierfür ist so banal wie bekannt: Menschen kaufen lieber von Menschen als von Unternehmen. Erfolg heißt heute, den eigenen Wiedererkennungswert in die Welt zu tragen. Personal Branding ist eines der Buzzwords der letzten Jahre und verheißt ein ausschlaggebendes Verkaufsargument. Allerdings braucht heute dank Social Media niemand mehr 20 Jahre, um einen guten Ruf zu etablieren.

Ob Karriere-Boost oder Produktverkauf per Eigenmarke, am Anfang jeder Personal-Branding-Strategie steht die Selbstreflexion: Was ist mein Alleinstellungsmerkmal und wie mache ich es bekannt? Die meisten scheitern bereits an dem ersten Teil dieser Frage. Es scheint schwerer denn je, seine Expertise in einer Welt voller Individualisten zu definieren. Eine Menge Blogger, Youtuber und Instagram-Stars teilen ihre Besonderheiten mit der Welt. Authentizität ist in diesem Zusammenhang das entscheidende Wort – auch und erst recht im sogenannten Snapchat-Jahr 2016, in dem wir unser Mittagessen auf Instagram posten, unseren Beziehungsstatus bei Facebook teilen und unseren Lebenslauf bei Linkedin anpreisen.

Der Kern eines erfolgreichen Personal Brands ist die Gewissheit darüber, wer man selbst ist, was man kann und wofür man stehen will. Die Definition der eigenen Werte ist der USP der eigenen Persönlichkeit – eine Herausforderung, der sich inzwischen sogar Spezialisten annehmen. Die Firma Social Trademark etwa hilft Persönlichkeiten bei der Suche nach der eigenen Kernkompetenz, der Positionierung und dem Aufbau einer Online-Reputation. Inzwischen pusht die Agentur namhafte Experten aus diversen Branchen mit einem eigenen Blog und über Social-Media-Kanäle. Denn die beste Idee ist ohne den Trommelwirbel der Öffentlichkeit wirkungslos.

Daher muss jeder, der seinen Brand ausbilden will, seine definierten Werte auch über Linkedin, Facebook, Xing, Twitter und Co. konsequent kommunizieren. Ein Blog ist die Visitenkarte des Social Media-Zeitalters, macht Expertenwissen teilbar und multipliziert es. Für Einsteiger bietet Linkedin seinen Usern seit 2015 mit der hauseigenen Autorenplattform Pulse die Möglichkeit, schnell, einfach und spontan zu bloggen.

Eben dies sollte jeder im Rahmen seiner Personal-Branding-Strategie tun. Schließlich steht und fällt der Erfolg des eigenen Brands mit dem Wissen, das man bereit ist weiterzugeben. Content Marketing ist für Unternehmen in diesem Zusammenhang das entscheidende Stichwort. Hier geht es primär darum, einen Mehrwert zu stiften, den Leser zu unterhalten, eine Marke mit Storytelling lebendig zu machen. Königsdisziplin ist der Dialog mit der Zielgruppe über Social Media.

In Zusammenhang mit nachhaltigem Networking sind Kritikfähigkeit und Empathie das A und O einer Online-Präsenz. Wer sich der Reichweite von Aussagen im Social Web bewusst ist und verantwortungsvoll handelt, kann seinem Brand auch konsequent das geben, was ihn erfolgreich macht: sympathische Menschlichkeit, der man gerne Vertrauen schenkt. Hinter jeder Marke müssen aber echter unternehmerischer Erfolg oder fundierte fachliche Kompetenz stehen. Nur wer viel zu bieten hat, kann auch viel zeigen. Personal Branding bedeutet daher: die eigene Persönlichkeit kennen und ausbauen, laufend Kontakte knüpfen und die eigene Expertise zementieren.

Starke Brands sind für Unternehmen inzwischen unverzichtbar, denn effektiver können Personal Branding und Employer Branding nicht ineinandergreifen. Wer kauft nicht gerne bei dem Unternehmen, das die ultimativen High Potentials unter seinem Dach versammelt? Das Brand-Versprechen einer Eigenmarke mit herausragender Reputation verbreitet sich so rasant wie die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda, setzt sich ebenso hartnäckig in den Köpfen der Menschen fest und hallt nach. Geschickt genutzt ist das Resultat ein sich ständig weiter festigender Expertenstatus und langfristiger Imagezuwachs. Denn indem das eigene Wort Gewicht hat, gewinnt es auch an Einfluss. Deshalb sind Personal Brands Meinungsmacher.

Thorben Fasching ist Geschäftsführer von Open Reply, einer Agentur für digitale Transformation, Mobile Solutions und Connected Platforms. Zudem ist er Vizepräsident im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Er ist einer der "Digital Leader", einer festen Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Personal Branding: Wie mache ich mich zur Marke?

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(4) Leserkommentare

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht