Noch mehr Tipps, wie Sie Fehler in der Bewerbung vermeiden
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Nico Rose | | von Nico Rose

Noch mehr Tipps, wie Sie Fehler in der Bewerbung vermeiden

Vor kurzem schrieb LEAD-digital-Blogger Nico Rose auf, wie Personalabteilungen ticken, die Bewerber mit Standard-Antworten abspeisen. In den Folge-Beiträgen erläutert er, was man daraus lernen kann. Um lästiges Hin- und Herswitchen zu vermeiden, wiederholen wir die Argumente aus dem Ursprungsartikel nochmal. Der Blog-Beitrag erscheint in mehreren Teilen (hier gehts zu Teil 1).

1. Dein Lebenslauf besteht aus einer halben Seite. Oder aus 26.

Einerseits: selbst ein Abiturient kann mit ein bisschen Einsatz eine Seite füllen (Infos zu Leistungskursen, Nebentätigkeiten, Hobbies etc.). Anderseits: wer sein Berufsleben auch nach 30 Jahren Erfahrung nicht auf maximal drei bis vier Seiten zusammenfassen kann, zeugt damit von einer Unfähigkeit zur Priorisierung und Zuspitzung. Gerade im Business sollte man das aber draufhaben.

2. Dein Lebenslauf sagt aus, wann Du wo warst, aber nicht was Du dort gemacht hast.

Einer der häufigsten Fehler in Lebensläufen: Sie sind einfach nicht aussagekräftig (genug). Natürlich interessiert den Recruiter, wie lange Du bislang bei welchen Unternehmen gearbeitet hast. Mindestens ebenso sehr interessiert uns allerdings, was Du dort konkret gemacht hast. Viele Bewerber nennen z.B. nur den Jobtitel oder die Abteilung bei vorigen Arbeitgebern (Beispiel: Oktober 2012 bis Dezember 2015: Projektmanager Vertriebsunterstützung bei Musterfirma). Doch was heißt das genau? Die Zeiträume, Unternehmen und Jobtitel bilden quasi das Skelett des Lebenslaufes, jetzt muss noch das Fleisch an die Knochen. Zu jeder beruflichen Station gehört – entweder in kleiner Schrift als kurzer Fließtext oder per Bullets – eine Erläuterung zu den wichtigsten Tätigkeiten.

Zum Beispiel:

  1. Konkrete Themen und Aufgaben, die man verantwortet hat.
  2. Projekte, die man bearbeitet hat.
  3. Sofern erlaubt: Kunden oder zumindest Branchen, für die man gearbeitet hat.
  4. Softwarepakete, mit denen man gearbeitet hat.
  5. Bei Menschen mit einiger Berufserfahrung sollte auch die Höhe der Budgetverantwortung und ggfs. die Führungsspanne genannt werden.

Generell: je besser der Recruiter verstehen kann, wie der Arbeitsalltag genau ausgesehen hat, desto besser. Trotzdem liegt die Würze in der Kürze. Ergo: unwichtige Routinetätigkeiten einfach weglassen. 

3. Die Zeitangaben in Deinem Lebenslauf sind zu grob verfasst, enthalten also z.B. nur Jahreszahlen.

Wenn Du nicht schon 30 Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hast, möchten Personaler genaue Zeitangaben zu Deinen Berufsstationen lesen, d.h., den exakten Monat der Aufnahme und Beendigung einer Tätigkeit – nicht nur das jeweilige Jahr. Werden bei jüngeren Menschen nur die Jahreszahlen genannt, vermutet der Personaler fast automatisch, dass Du Lücken kaschieren willst. Siehe dazu auch Punkt 6.

4. Man findet rein gar nix über Dich im Netz.

Ich verstehe durchaus den Wunsch, möglichst keine Spuren im Netz hinterlassen zu wollen. Jedoch möchte ich zu bedenken geben, dass die völlige Abwesenheit von Content über Dich – gerade auch in meinen bisherigen Branchen (Konsumgüter, Hochschulen, Beratung, Medien) – auf wenig Gegenliebe stoßen könnte. Es gehört nach meinem Dafürhalten einfach zum guten Ton, spätestens mit dem Berufseinstieg ein gepflegtes Profil auf Xing und/oder Linkedin zu haben, und etwas später in der Karriere vielleicht mal eine Präsentation auf Slideshare oder einen Gastbeitrag in einem Branchenblog (wenn man nicht selbst einen pflegt). NSA hin oder her.

5. Man findet zu viel über Dich im Netz, was besser nicht dort sein sollte.

Zunächst: Partybilder googlende Personaler möchte ich hier einmal entschieden in das Reich der Mythen verbannen. Für sowas haben wir in der Regel gar keine Zeit. Trotzdem sollte man sich der Tatsache gewahr sein, dass es Agenturen gibt, die im Auftrag von Personalabteilungen sogenannte Background-Checks durchführen. Das passiert allerdings erst bei höheren Managementjobs, wo es dann um deutlich sechsstellige Jahresgehälter geht. Es geht allerdings – auf einem groben Level – viel einfacher. Personensuchmaschinen wie www.yasni.de spucken auf einen Klick und in Sekundenschnelle mehr oder weniger übersichtlich aus, was es so alles über einen Menschen im Netz zu finden gibt: Profile in sozialen Netzwerken, Fotos, Videos, Erwähnungen auf Nachrichtenseiten, und…und…und. Du musst also im Zweifel damit rechnen, dass begutachtet wird, welche Spuren Du hinterlassen hast.

Um jetzt keine unnötigen Ängste zu schüren: Ich habe selbst eine sehr offenherzige Netz-Persona. Von mir gibt es auf Facebook Urlaubs- und Partyfotos noch und nöcher. Ich glaube, jedes Unternehmen sollte Verständnis dafür aufbringen, dass Mitarbeiter auch ein Privatleben haben. Ich sehe allerdings – nach meiner persönlichen Einschätzung – auf keinem der Fotos so aus, als wäre ich irgendwie "außer Kontrolle".

Ich arbeite auch kaum mit Gruppen oder sonstigen Privatsphäre-Einstellungen. Meine Regel lautet: Im Prinzip darf jeder alles sehen. Darüber hinaus halte ich mich eisern an zwei – hochgestochen möchte ich sagen – Heuristiken. Nr. 1: ich poste nichts, bei dem ich den Verdacht habe, dass mir Mama abends den Vogel zeigt (ja, sie weiß zum Beispiel über den Twitter-Feed auf meiner Homepage, was ich so treibe). Nr. 2: ich poste nichts, bei dem ich den Verdacht habe, dass mein heute dreijähriger Sohn im Teenageralter denken würde: "Oh Mann, was war Papa früher für'n Horst." Mit diesen beiden Regeln fahre ich seit 2004 recht unfallfrei in allen sozialen Netzwerken.

6. Man findet Widersprüchliches über Dich im Netz, beispielsweise unterschiedliche Informationen zum Karriereweg auf Xing und Linkedin.

Hier nun der eigentliche Grund, warum Personaler in 90 Prozent der Fälle im Netz nach Dir suchen werden: Es geht um das Vervollständigen und Verifizieren von Fakten, nicht um das Suchen nach diskreditierenden Informationen. Das bedeutet: im Prinzip ist es erstmal ein gutes Zeichen, wenn der Recruiter die Kollegen aus Mountain View bemüht, es signalisiert Interesse. Vielleicht hast Du beispielsweise ein Praktikum bei einem Unternehmen gemacht, dessen Name uns nicht geläufig ist. Um besser zu verstehen, wo Du warst und was Du dort gelernt haben könntest, suchen wir also nach dem Unternehmen. Wenn wir dieses in Deinem Xing- oder Linkedin-Profil verlinkt finden: Herzlichen Dank!

Daher gebe ich auch gerne folgende Empfehlung: Wenn Du ein Xing- und/oder Linkedin-Profil angelegt hast, dann solltest Du es mit der gleichen Sorgfalt bearbeiten, wie eine an ein Unternehmen geschickte Bewerbung (siehe dazu auch die Punkte 5 bis 8 in meinem letzten Artikel). Zudem sollten alle beruflichen Profile deckungsgleich sein, was die beruflichen Stationen (Aufgabenbeschreibung, Verweildauer etc.) betrifft. Das Letzte, was Du möchtest, ist, den Spürsinn des Recruiters zu wecken. Bei Widersprüchlichkeiten entdeckt so mancher Personaler auf einmal seinen "inneren Columbo"  und gewinnt Freude daran, Lücken und Unstimmigkeiten zu finden. Nicht gut. Am besten ist es, wenn Deine Bewerbung einfach "durchflutscht", der Personaler also nach zwanzig Sekunden verstanden hat, wer und warum Du bist – um dann eine Mail mit der Einladung zum Erstgespräch zu verschicken.

P.S.

Der gesamte, mehrteilige Text ist als Service-Artikel für Menschen gedacht, die sich demnächst (wieder) bewerben wollen. Ich sage ausdrücklich nicht, dass ich all die genannten Vorgehensweisen auf Seiten der Personalabteilungen für "gut" befinde. Meine Schilderungen geben jedoch ein recht realistisches Bild davon ab, womit Bewerber nach Sachlage einfach rechnen sollten – um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Persönlich gehe ich davon aus, dass sich im Recruiting in den nächsten Jahren sehr viel tun muss und wird. Wir müssen vor allem viel "digitaler" werden und generell offener im Denken. Einige Anregungen dazu finden sich in meinen zweiteiligen Artikel auf "Gruenderszene.de" (hier und hier).

Den Abschluss der Serie zum Thema Bewerben finden Sie am Freitag hier bei LEAD digital.

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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