Jobsuche 2.0 | | von Annette Mattgey

Nico Lumma: Bin ich schwer vermittelbar?

Zur Selbstvermarktung tragen heute ganz wesentlich Social Media-Kanäle bei. Besonders eifrig sind diejenigen, die selbst in dem Bereich arbeiten und nach neuen Herausforderungen suchen. In diesem Jahr gingen etwa t3n-Autor Falk Hedemann, Punktefrau Christine Heller, BVDW-Sprecher Mike Schnoor und Nico Lumma, COO für Digital Pioneers, mit ihrer Jobsuche in die Social Media-Offensive. In loser Folge berichten sie exklusiv für LEAD digital über ihre Erfahrungen.

Den Anfang macht Nico Lumma mit seinem Gastbeitrag für LEAD digital:

Es gehört mittlerweile zum guten Ton, den Wunsch oder die Not zur beruflichen Veränderung nicht nur in Gesprächen mit möglichen Arbeitgebern kundzutun, sondern auch auf XING und LinkedIn zu vermerken. Einige gehen noch einen Schritt weiter und nutzen ihr Blog und ihre Reichweite auf Twitter, Facebook und Google+ dafür, auf sich und ihre aktuelle Job-Situation aufmerksam zu machen.

Jobsuchende haben mittlerweile mehr Möglichkeiten, als einfach nur Stellenausschreibungen zu lesen, sondern sie können über Social Media Aufmerksamkeit und Vernetzung nutzen. Zwar wird die Diskussion immer wieder bestimmt von Befürchtungen, dass Jobsuchende keinen Job bekommen wegen kompromittierender Fotos auf Facebook, aber ich denke, dass die Vorteile überwiegen. Vor einigen Jahren habe ich bei der Suche nach Entwicklern in die Stellenausschreibung den Passus "BloggerInnen werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt", um damit zu illustrieren, dass Chefs natürlich auch davon profitieren, wenn sie bereits vor dem Vorstellungsgespräch mehr über die Bewerber erfahren können. Man erkennt viel leichter, ob sich ein Bewerber schon länger mit dem Thema auseinandersetzt oder vielleicht einen ganz anderen Fokus hat, der aber auch für das Unternehmen interessant sein könnte. Social Media versetzt Menschen in die Lage, zu ihren Themen zu schreiben und sich als Experte zu positionieren. Dies ist hilfreich für die Wahrnehmung und damit auch hilfreich bei der Jobsuche.

Vorteile für beide Seiten

Ich gehöre auch dazu und habe bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Zwar schreibe ich auf meinem Blog zu allen Themen, die mich gerade interessieren und nutze auch eine etwas pointiertere Ausdrucksweise, aber das hilft nur dabei, das eigene Profil zu schärfen. Vor einigen Jahren bereits hatte ich über einen Blogpost direkt nach 30 Minuten den letztendlich entscheidenden Anruf bekommen, der zu einer spannenden Anstellung bei Scholz & Friends führen sollte. Daher ist es für mich naheliegend, auch aktuell wieder mein Blog zu nutzen, um mein erweitertes Netzwerk für die Jobsuche einzuspannen.

Das hat weniger mit einem ausgeprägten Willen zu konsequenten Selbstdarstellung zu tun als mit dem Ausnutzen von Transparenz und Vernetzung. So liegen die Karten auf dem Tisch und potenzielle Arbeitgeber können sich leicht ein Bild vom Kandidaten machen. Potenzielle Kollegen können dafür sorgen, dass man Gespräche mit Arbeitgebern bekommt, die man vorher nicht im Fokus hatte. Die Offenheit im Umgang mit der beruflichen Veränderung führt praktischerweise auch zu viel Feedback, das dabei hilft, sich selber einzuschätzen.  

Freie Wahl wie das Kind im Bonbonladen

Bei mir persönlich hat die Offenlegung der Jobsuche per Blog und Twitter dafür gesorgt, dass ich einen Schwung neuer Gespräche führen konnte. Ich schwanke allerdings gerade zwischen "Kind im Bonbonladen" und "ich bin schwer vermittelbar", was natürlich auch mit meinem Profil und meinem Such-Fokus zu tun hat. Die einen nehmen mich als Werber wahr, die anderen als Internetfuzzi, wiederum andere als "zu wild", dabei liegt mein Fokus seit über 15 Jahren auf Innovation und Trends im Internet. Die Beschäftigung mit Social Media ist etwas, was mich bereits umtreibt, bevor ich 2003 eine Blogplattform gestartet habe und bevor es den Begriff überhaupt gab. Die Beschäftigung mit Frühphasen-Finanzierung von Startups kommt durch mein Interesse an Innovation und an neuen Trends und Technologien.

Ich habe mich noch nicht für einen neuen Job entschieden, aber das wird jetzt zeitnah passieren dürfen. Da Anfragen von Agenturen nicht ausbleiben, die Unterstützung im Bereich Social Media benötigen, bleibt dies ebenso eine Option für mich wie etwas im Bereich der Startup-Finanzierung - die Klammer wird digitale Innovation bleiben. Wie ich mich letztendlich entscheide, schreibe ich dann wieder auf meinem Blog. Bis dahin werde ich meine Expertise nutzen, um als Freelancer Projekte voranzutreiben. Sprechen Sie mich ruhig an, so wild bin ich gar nicht (immer).

Nico Lumma arbeitet derzeit noch als COO für Digital Pioneers N.V. in Hamburg. Zuvor brachte er die Werbeagentur Scholz & Friends als Director Social Media auf Vordermann. Er bezeichnet sich selbst als "stolzer Vater von drei Kindern und glücklich verheiratet mit meiner Frau". Seine Gedanken teilt er der interessierten Öffentlichkeit seit Jahren via lumma.de mit. Darüberhinaus sucht er Einfluss durch seine politische Arbeit, unter anderem im Gesprächskreis Netzpolitik des SPD-Parteivorstandes und als Co-Vorstand des D64.

Nico Lumma: Bin ich schwer vermittelbar?

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Startup-gestählt: Wie sich Don Dahlmann neuen Arbeitgebern anpreist

von Annette Mattgey

Nach gut einem halben Jahr ist das Engagement von Social Media-Experte Don Dahlmann bei Allryder wieder beendet. Dort sollte er als Communication Manager die Bekanntheit der App pushen - was ihm durchaus gut gelang, nicht zuletzt mit einem Viralvideo im Stile amerikanischer Shoppingsender. Auch  der "witzigste Update-Text für eine App" wurde von der Zielgruppe gelobt. 

Allryder ist eine Smartphone-Applikation für den Nahverkehr innerhalb einer Stadt. Sie vergleicht alle Mobilitätsoptionen nach Verfügbarkeit, Fahrdauer und Preis. Konkret gegenübergestellt werden dabei die Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs (Bahn, S-Bahn, U-Bahn, Busse, Tram), von Carsharing- (car2go, DriveNow), Bikesharing- (Call a Bike, NextBike) sowie Taxi-Unternehmen. Hinter Allryder steckt das Berliner Start-up Door2Door (ein Porträt finden Sie im Kontakter Nr. 43/2014 vom 23.10.2014). Geld verdienen will man mit Location Based Advertising, erklärt Maxim Nohroudi, einer der drei Gründer, im Gründerszene-Interview Ende Oktober.

"Unverhofft kommt oft" überschreibt Don Dahlmann, der in der Jury des Grimme Online Awards sitzt und bisher als Journalist und Berater gearbeitet hat, seinen heutigen Blog-Beitrag. Neben ihm muss auch Social Media Managerin Manuela Braun Allryder verlassen. Zu den Gründen schreibt er: "Wir wissen ja, dass Jobs bei Startups eher volatil sind. Aber welcher Job ist das heute nicht? Geschäftsmodelle ändern sich gerade in jungen Firmen schnell und so war es nun auch bei Allryder." Die Geschäftsführer Maxim Nohroudi, Tom Kirschbaum und Stefan Kellner nimmt er dabei von Kritik aus: "An der Unterstützung durch die Founder hat es nie gefehlt."

Ähnlich formuliert es Nohroudi in seiner Mail an LEAD digital: "Startups wachsen dynamisch und passen ihr Geschäftsmodell kontinuierlich an. Hieraus ergeben sich auch manchmal strukturelle und personelle Veränderungen." Daher werde man den  Bereich Kommunikation entsprechend neu aufstellen. Einstellungen sind jedoch nicht geplant: "PR und Social Media werden zukünftig über externe Agenturen betreut", so Nohroudi.

In seinem Blog-Beitrag macht sich Dahlmann gleich auf die Suche nach einem neuen Job. Dahlmann empfiehlt sich selbst als einen "erfahrenen, so ziemlich alle (Shit-)Stürme erlebt habenden, Startup gestählten, freundlichen, sehr hart arbeitenden, PR/Social Media/Marketing/Redaktions- erfahrenen Menschen hat, der sich im Bereich Mobility, Automotive, Technologie, Medien, Musik, Reise, Hotel und Motorsport auskennt".

Mit seinem Jobgesuch via Social Media und Blog ist Dahlmann nicht alleine. Das haben auch schon andere Social Media-Experten wie Nico Lumma, Mike Schnoor und Christine Heller (inzwischen Dingler) getan - mit unterschiedlichen Erfahrungen. 

Hier nochmal Don Dahlmann in seiner Paraderolle für Allryder:

von Annette Mattgey - Kommentare Kommentar schreiben