Nachfolge im Mittelstand: Es hapert an Kandidaten
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KfW-Studie | | von Annette Mattgey

Nachfolge im Mittelstand: Es hapert an Kandidaten

Deutschlands Mittelständlern geht der Nachwuchs für die Unternehmensführung aus. Zwar planen etwa 620.000 Firmen bis 2018 einen Wechsel auf dem Chefposten oder einen Verkauf, wie eine Studie der KfW Bankengruppe ergab. Das sei jeder sechste Mittelständler bundesweit. Betroffen sind davon rund 4 Mio. Beschäftigte. Der Generationenwechsel im Mittelstand legt damit an Tempo zu: Vor drei Jahren hatten noch 14 Prozent bzw. 530.000 Mittelständler von kurzfristig anstehender Nachfolge berichtet. Doch die Zahl derjenigen, die ein bestehendes Unternehmen weiterführen wollen, sinke seit Jahren: Gab es 2002 noch etwa 200.000 sogenannte Übernahmegründer, waren es im vergangenen Jahr nur noch 62.000.

Die Förderbank warnt vor einem zunehmenden Engpass. "Die Alterung erhöht Jahr für Jahr die Zahl der Unternehmen, die zur Übergabe anstehen. Die jüngeren Generationen sind aber zu dünn besetzt, weshalb die Nachfolger fehlen", erklärte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. "Vor allem die Babyboomer werden in den kommenden 20 Jahren eine Lücke auf den mittelständischen Chefetagen hinterlassen." Aktuell gebe es aktuell jährlich etwa dreimal so viele übergabebereite Unternehmer wie Übernahmegründer.

Die Unternehmensübergabe erfolgreich zu gestalten, wird folglich mehr und mehr zu einer zentralen Herausforderung für den Mittelstand. Wenn die Übergabe verschleppt wird oder sogar scheitert, geraten Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze unter Druck. Volkwirtschaftlich ist das ein akutes Problem, denn viele Mittelständler machen sich erheblich zu spät Gedanken über das Thema Nachfolge oder unterschätzen den Zeitbedarf. Von den Inhabern kleiner und mittlerer Unternehmen, die binnen drei Jahren übergeben wollen, haben lediglich 42 Prozent den Nachfolgeprozess gestartet, weitere 22 Prozent haben konkrete Planungen. Das heißt aber auch: Rund ein Drittel der Unternehmer hat wenig bis nichts unternommen, für sie droht die Zeit knapp zu werden.

12072016_Planung

Immerhin die Hälfte des Mittelstands identifiziert die frühe Nachfolgersuche und eine mehrjährige Planung als wichtige Erfolgsfaktoren der Unternehmensnachfolge. Die größte Bedeutung messen die Unternehmer allerdings der intensiven Einarbeitung des Nachfolgers (72 Prozent) und dem Erhalt von Kunden und Lieferanten (60 Prozent) bei. Die Modernisierung des Unternehmens im Vorfeld der Übergabe wird hingegen nur selten als wichtiger Erfolgsfaktor angesehen (13 Prozent). Diese Einschätzung kann zu Problemen führen, denn auch in den Jahren vor dem Rückzug sollten Inhaber die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität ihres Unternehmens kritisch überprüfen – und wenn nötig investieren.

Es bleibt in der Familie

Deutlich mehr als die Hälfte (56 Prozent) des Mittelstands zieht grundsätzlich die Übergabe an ein Familienmitglied in Betracht (Mehrfachnennung möglich). Einen externen Käufer (z. B. Existenzgründer, ein anderes Unternehmen oder Finanzinvestoren) können sich 48 Prozent der Inhaber vorstellen, die Übergabe an Miteigentümer und / oder Mitarbeiter kommt für 43 Prozent in Frage. Nur sechs Prozent sehen die Stilllegung ihres Unternehmens als eine Option.

In vielen Fällen entfällt damit der Kaufpreis. Üblicherweise erfolgt die Übergabe dann als Schenkung im Rahmen des Erbrechts. Von den 33 Prozent der Übernahmen mit Kaufpreis lag das Volumen bei fast jedem fünften über 50.000 Euro.

 

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Die Studie basiert auf Daten des KfW-Mittelstandspanels, das die Förderbank seit 2003 regelmäßig erhebt. Dafür werden jährlich bis zu 15.000 Mittelständler repräsentativ befragt. Ergänzend wurden gemeinsam mit Creditreform Informationen zum Thema Unternehmensnachfolge erhoben. Dafür wurden 1200 inhabergeführte Unternehmen mit höchstens 500 Beschäftigten und nicht mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz befragt.

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