Jobwechsel | | von Annette Mattgey

Mit Flipflops ins Büro: Das bringt der Wechsel vom Konzern ins Start-up

Wie fühlt sich das Arbeitsklima bei einem Start-up an im Vergleich zu einem Pharma-Konzern? Catarina Specht hat den Wechsel in diesem Jahr erlebt. Nicht nur der Dresscode ist ihr an ihrem neuen Arbeitsplatz, dem Gutscheinportal Savoo.de, sympathischer, sondern auch der größere Gestaltungsspielraum.

Text: Catarina Specht

Endlich mit Flipflops ins Büro. Der lockere Dresscode, der mit meinem Wechsel von einem großen börsennotierten Konzern zu einem sechs Monate alten Start-up Unternehmen einhergeht, ist in diesem Sommer die vielleicht größte gefühlte Veränderung in meinem Berufsalltag.

Neben der Schuhmode ist es zunächst ungewohnt, in einer kleinen Organisation zu arbeiten. Fünf oder sechsstellige Mitarbeiterzahlen sind bei international agierenden Konzernen keine Seltenheit. Das ist anonym, kennt man doch nur einen Bruchteil der Kollegen und Vorgesetzten persönlich und vermittelt das Gefühl, ein kleines, mehr oder minder wichtiges Rad in einem bedeutenden Ganzen zu sein. In einem Start-up hingegen kommt man meist als einer der ersten zehn Mitarbeiter an Bord und ist gefragt, beim Aufbau des Unternehmens, bei der Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes und der Unternehmenskultur mitzudenken. Es gilt Strukturen zu schaffen, wo keine sind, und nicht, sich karrierestrategisch günstig in vorhandene Strukturen einzufügen.

Ein Start-up-Umfeld mit flachen Hierarchien und dynamischem Wachstum lockt gerade Young Professionals mit außergewöhnlichen Karrierechancen, stellt aber auch Herausforderungen, deren man sich bewusst sein sollte, bevor man aus der üblichen Mischung aus Neugier und Opportunismus das berufliche Umfeld so drastisch verändert.

Job-Beschreibung besser schwarz auf weiß einfordern

Junge Unternehmen haben oft nur eine Handvoll Mitarbeiter. Natürlich kann kein Mensch gleichzeitig Controller, Content Manager und Marketingleiter sein und dennoch: in einer Kultur des Aufbaus ist Flexibilität und eine Hands-on Mentalität gefragt. Das heißt Ärmel hochkrempeln und mutig die unbekannten Aufgaben angehen. Das ist spannend und bietet die Möglichkeit, sich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren. Wie weit man hier geht, hat man selbst in der Hand. Die Karrierejournalistin und Betriebsrätin Tina Groll empfiehlt, bereits im Vorstellungsgespräch auf die Arbeitsplatzbeschreibung zu achten, um späteren Frust zu vermeiden: „Sind die Vorstellungen des Arbeitgebers unklar, was genau auf der vakanten Position zu tun ist, sollte man in Absprache mit dem neuen Chef, diese genau umreißen und auch schriftlich fixieren. Sie kann dann immer noch verändert werden. Flexibilität ist wichtig, aber auch eine schriftliche Fixierung der zentralen Aufgaben“

Stoppen Sie Ihre Chefs und Kollegen rechtzeitig

Seine Grenzen zu kennen und diese zu respektieren, ist generell wichtig, um beruflich erfolgreich zu sein. Für eine Start-up-Karriere ist diese Fähigkeit aber eine entscheidende Voraussetzung.

Achten Start-ups im Vorstellungsgespräch auf andere Qualitäten? Wichtig ist sicher die oben genannte Flexibilität, aber auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und der Mut, Entscheidungen zu treffen. Die Eigenverantwortung führt von der Bestimmung der Gehaltsvorstellungen und Aufgaben bis hin zum Thema Arbeitsbelastung und Überstunden, denn Start-ups verfügen in der Regel weder über eine professionelle HR-Abteilung noch über einen Betriebsrat. Bruno Acar, Countrymanager der 2012 gegründeten Savoo GmbH hat im vergangenen Jahr viele Vorstellungsgespräche geführt und drei Mitarbeiter gewonnen. Er betont: „Ich achte in Bewerbungsgesprächen besonders darauf, ob Kandidaten in der Lage sind, größere Zusammenhänge zu erkennen und ihr Handeln an der Unternehmensstrategie auszurichten. Silodenken können wir uns nicht leisten.“

Junge Unternehmen müssen, um am Markt bestehen zu können, großen Wert auf die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter legen, denn in einem kleinen Team ist jeder nur sehr schwer ersetzbar. Eine Hire&Fire Mentalität kann sich ein Start-up in der Regel nicht leisten. Prestige-Studien zur Zufriedenheit von Arbeitnehmern zeigen eindeutig, dass eine sinnstiftende Tätigkeit zunehmend wichtiger wird als das Gehalt oder der Dienstwagen als Statussymbol. Neues auszuprobieren und sich weiterzubilden ist sinnstiftend, ebenso wie die Chance, mit einem Unternehmen zu wachsen.

Doch ist der Berufswechsel von einem behäbigen Konzern in ein kreativ-dynamisches Start-up ein strategisch günstiger Schritt für die eigene Karriere oderanders gefragt: Gelingt der Berufswechsel auch wieder zurück zu den bekannten Namen und großen Marken? Ein aktueller Trend in der Unternehmenskultur gibt Antwort: Konzerne scheuen weder Kosten noch Mühe, ihren Mitarbeitern Unternehmergeist, so genanntes „Entrepreneurship“ zu vermitteln. Führungskräfte werden ermutigt, in ihren Bereichen eine Art Start-up-Spirit voranzutreiben, um die Kreativität und Flexibilität des Unternehmens zu erhöhen. Es geht also darum, in der Belegschaft genau die Fähigkeiten und Einstellungen zu fördern, die Mitarbeiter eines Start-ups ganz natürlich entwickeln.

Catarina Specht arbeitet als Manager PR & Communications bei Savoo.de  in Berlin. Savoo ist das internationale Tochterunternehmen von Savings.com. Das europäische Team mit 18 Mitarbeitern sitzt an den Standorten London (savoo.co.uk gegründet 2009) und Berlin (savoo.de gegründet 2012). Specht kennt auch die Arbeit in Großunternehmen. Vor ihrem Einstieg bei Savoo war sie für das Pharmaunternehmen Pfizer tätig.

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