Interview | | von Annette Mattgey

Mirko Kaminski: Was dem Achtung-Lab noch fehlt

Von der "Magie des Raumes" zu neuen Arbeitsabläufen - so sieht Mirko Kaminski, Chef der Agentur Achtung, die Entwicklung des vor wenigen Wochen eröffneten Lab. Der Gebäudeteil, gestaltet vom Hamburger Architekturbüro HDA (Bilder dazu hier bei W&V), animiert auf knapp 500 Quadratmetern zum abteilungsübergreifenden Arbeiten. Im Interview mit LEAD digital wehrt sich Kaminski gegen die Nörgler, die das Lab bloß für ein etwas stylisheres Großraumbüro halten. Außerdem bekennt er, wo er noch dringend nachbessern muss.

Wieviel Fläche nimmt The Lab ein und wieviele der Mitarbeiter sitzen hier regelmäßig?

Beim Lab handelt es sich um zusätzliche Räume, die mit einer Investition von etwa 500.000 Euro umgebaut und eingerichtet wurden. Gestaltet haben wir sie gemeinsam mit dem Hamburger Architektenbüro HDA nach Vorbildern aus dem Silicon Valley. Hier arbeiten fast 30 Mitarbeiter und ausschließlich die "zuliefernden" bzw. kreativen Funktionen: Content Production, Content Roll-out, Strategy und Storydoing. Es ist der neue Betriebskern von Achtung.

W&V hat The Lab ja vorgestellt und dazu auch einige kritische Kommentare bekommen. Daher die Frage: Wie unterscheiden sich die Räume von herkömmlichen Großraumbüros?

Die Idee des Labs mag generell nicht neu sein. Vor allem, wenn man sich in Startups umschaut. Aber besucht man mal 100 Agenturen, so findet man in 90 davon kleine, nüchterne Standardbüros, in denen jeweils zwei, vier oder sechs Leute sitzen. Durch Raumwände und Abteilungsgrenzen beschränkt. Wir wollen dies aufbrechen, insbesondere künstliche Barrieren und Abteilungsschranken wie "Redaktion" oder "Reaktion" oder "Digitalteam". Unfassbare Besonderheiten sind ein riesiger Screen, der permanent anzeigt, was im Social Web gerade hot ist, ein Gadget Desk, auf dem Gadgets zum Experimentieren zur Verfügung stehen (in Kürze auch ein 3D-Drucker), ein Global Desk für Echtzeitmarketing und –kommunikation bei Großereignissen und Großthemen, eine Werkstatt mit beschreibbaren Wänden und Glasfronten statt eines normalen Konferenzraums etc.

Warum müssen die Berater draußen bleiben? Wollten die nicht?

Die Berater sind eine Etage höher in Branchenteams wie "Fashion“, "Consumer Electronics", "Financial Services", "Logistics" etc. tätig. Die Teamleiter haben den Auftrag, ihr jeweiliges Branchenteam zur "besten Agentur" für die zugeordnete Branche zu machen – obwohl es sich ja eigentlich um ein Team innerhalb einer Agentur handelt. Die Berater gehen selbstverständlich ins Lab. Und die Lab-Mitarbeiter gehen zu den Beratern. Überall haben wir Nischen und Projekttische für die vorübergehende Zusammenarbeit und den Austausch installiert.

Hatten Sie andere Agenturen oder Arbeitsplätze als Vorbild?

Wir möchten gerne zwei Welten abbilden. Die eine Welt der Unternehmensberater mit Kommunikationsschwerpunkt mit einem eigenen architektonischen Stil auf der einen, und die kreative und innovative Startup-Welt mit der Anmutung einer Garage oder Werkstatt auf der anderen Seite.

Nicht alle Arbeitgeber sind mit ihren Lab-Experimenten glücklich geworden. Was haben Sie aus gescheiterten Lab-Projekten anderer Agenturen gelernt bzw. was wollen Sie besser machen?

Entscheidend ist immer der Mensch. Wir gehen bei der Einführung von Neuem sehr behutsam vor, um wirklich alle mitzunehmen. Daher sind die Mitarbeiter aus Digitalteam, Redaktion, Bewegtbildteam, Kreation, Content Marketing etc. auch erstmal nur ins Lab umgezogen und sitzen nun gemischt. Der Communitymanager neben dem Texter. Der Videoprofi neben der Arterin. Der Content Marketer neben dem SEO-Experten. Zunächst soll es durch die Magie des Raumes zu gegenseitigen Impulsen kommen. Später werden wir neue Arbeitsabläufe einführen. Schritt für Schritt. Und durch die Mitarbeiter im Lab entwickelt.

Die Sitzkonstellation ist ja nicht das einzige, wie man "open minds" fördern kann. Welche Ideen und Konzepte bietet Achtung da seinen Mitarbeitern, um auch in andere Gebiete (Wissenschaft, Kunst, Kultur) reinzuschnuppern? 

Unsere Mitarbeiter besuchen sehr, sehr viele Konferenzen, Kongresse, Camps, Events etc. - auch im Ausland. Sie bringen dann immer neue Impulse mit. Und Gelerntes, das sie in internen Foren mit anderen teilen. Darüber hinaus haben wir Austauschprogramme mit z.B. RTL und der Bild-Zeitung. 

Jeder Achtung-Mitarbeiter erhält mindestens 60 Stunden Fortbildung im Jahr – mal intern, mal extern. Wir holen jeden Monat externe Speaker in die Agentur, die Neues mitbringen.

Entscheidend ist ferner, immer wieder neue Achtung-Köpfe, sozusagen "Unruhestifter" von außen in die Agentur zu holen, die Bestehendes hinterfragen.

Wie liefen die ersten Wochen? Schon erste Änderungs- bzw. Ergänzungswünsche?

Der neue Fußboden riecht angeblich noch etwas. Und die neue Espressomaschine wird sehnsüchtig erwartet.

Architekt Henrik Diemann und seine Herangehensweise an das Lab:

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