Ein Plus von 20 Prozent bei den offenen Digi-Stellen.
Ein Plus von 20 Prozent bei den offenen Digi-Stellen. © Foto:Bitkom

Bitkom-Studie | | von Annette Mattgey

Mehr als 50.000 Digitaljobs warten auf Bewerber

Derzeit gibt es in Deutschland 51.000 offene Stellen für IT-Spezialisten, das entspricht einem Anstieg um fast 20 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Damals wurden 43.000 offene Stellen gezählt. Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte, die der Digitalverband Bitkom heute im Vorfeld des 10. Nationalen IT-Gipfels (16./17. November) vorgelegt hat. Bei der repräsentativen Umfrage von Bitkom Research wurden mehr als 1.500 Geschäftsführer und Personalverantwortliche von Unternehmen aller Branchen befragt.

"Der Fachkräftemangel hat die Marke von 50.000 Stellen übersprungen, Unternehmen aller Branchen suchen händeringend IT-Experten. Wir brauchen Digitalexperten, vom Software-Entwickler über den IT-Sicherheitsspezialisten bis zum IT-Berater, um die digitale Transformation in Deutschland erfolgreich gestalten zu können", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. 

So verteilen sich die offenen Stellen:

20.500 unbesetzte Stellen finden sich in Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche. Vor allem Softwareanbieter und IT-Dienstleister sind auf der Suche, bei ihnen gibt es alleine 17.400 Vakanzen. 2.200 Experten werden bei Unternehmen gesucht, die IT-Hardware und Kommunikationstechnik oder Unterhaltungselektronik anbieten. 900 freie Stellen gibt es bei den Anbietern von Telekommunikationsdiensten. Dabei suchen die Unternehmen vor allem Software-Experten.

6 von 10 Digitalunternehmen (60 Prozent), die freie Stellen für IT-Spezialisten haben, suchen Software-Entwickler. Bei ihnen ist vor allem Knowhow rund um Big Data (47 Prozent der Unternehmen, die Software-Entwickler suchen), Cloud Computing (40 Prozent) sowie Apps (36 Prozent) gefragt. Kräftig gestiegen ist die Nachfrage nach Entwicklern mit Kenntnissen rund um Industrie 4.0 – diese werden von 35 Prozent der Unternehmen mit Stellen für Entwickler nachgefragt, vor einem Jahr lag der Anteil nur bei 23 Prozent.

Neben Software-Entwicklern suchen die ITK-Unternehmen verstärkt IT-Berater (21 Prozent der Unternehmen, die unbesetzte IT-Stellen haben), vor einem Jahr waren es nur 14 Prozent. "Die weiterhin hohe Nachfrage nach Entwicklern und der steigende Bedarf an IT-Beratern spiegelt die Digitalisierung der Wirtschaft wider. ITK-Unternehmen helfen Unternehmen aus allen anderen Branchen dabei, ihre Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle zu digitalisieren", so Rohleder. Gefragt sind darüber hinaus Anwendungsbetreuer und Administratoren (21 Prozent) sowie IT-Sicherheitsexperten (17 Prozent).

Bei den Anwenderunternehmen sind aktuell 30.500 Stellen für IT-Experten unbesetzt. Dabei geht die Nachfrage nach Anwendungsbetreuern und Administratoren zurück (von 44 Prozent auf 37 Prozent der Unternehmen mit offenen IT-Stellen), der Bedarf an Software-Entwicklern steigt dagegen weiter (von 27 Prozent auf 31 Prozent). „Unternehmen aus traditionellen Branchen entwickeln sich zu Digitalunternehmen, die verstärkt entsprechende Kompetenzen benötigen und qualifizierte Mitarbeiter suchen“, so Rohleder. Daneben suchen Anwenderunternehmen verstärkt IT-Sicherheitsexperten (17 Prozent) sowie IT-Berater (14 Prozent).

Deshalb brauchen Firmen Digi-Spezialisten: 

Rund die Hälfte der Unternehmen in Deutschland hat nach Einschätzung des Bitkom noch "keine echte Digitalstrategie", mahnt Rohleder. "Die Unternehmen müssen sich dringend mit strategischen Fragen des Umbaus ihres Geschäftsmodells für die digitale Wirtschaft von morgen beschäftigen." Auf dem nationalen IT-Gipfel am 16. und 17. November in Saarbrücken stehen die Themen digitale Transformation
und digitale Bildung im Fokus.

Die Digitalisierung betreffe jede Branche: Der Tankstellenbetreiber müsse sich fragen, womit er sein Geld verdienen wolle, wenn immer mehr Elektroautos unterwegs seien und irgendwann überhaupt nicht mehr getankt werde. Der Zahntechniker stehe vor der Herausforderung, dass demnächst 3D-Drucker hochwertige Inlays direkt in der Praxis produzierten. Und Krankenhäuser bräuchten eine Antwort darauf, dass medizinische Diagnosezentren in Asien für wenig Geld Röntgendiagnosen anböten.

"Jeder Veränderungsprozess ist eine Herausforderung, aus der sich gleichzeitig neue Geschäftsfelder ergeben können", sagte Rohleder. In der Haus- und Gebäudereinigung beispielsweise könnten Putzroboter eingesetzt werden, der Elektriker müsse künftig ein vollvernetztes Smarthome bauen.

"Wir haben eine Riesen-Chance, die wir jetzt ergreifen müssen", sagte Rohleder, dessen Verband 2400 Unternehmen mit bundesweit etwa einer Million Beschäftigten vertritt. Die digitalen Chancen lägen buchstäblich auf der Straße, man müsse sich aber "schon bücken" und sie aufheben. "Wenn jemand nichts tut und den analogen Gaul reitet, bis er tot umfällt, ist demnächst 'Schluss mit lustig'. Jetzt fahren die Züge aus dem Bahnhof und es heißt einsteigen."

Deutschlands größte Stärke - "die vollen Auftragsbücher" - seien derzeit gleichzeitig seine größte Schwäche. Sie raubten Unternehmern Zeit und Aufmerksamkeit, die sie bräuchten, um strategisch den digitalen Umbau ihrer Geschäftsmodelle zu planen. "Man muss sich die Zeit dafür schaffen und die notwendige Kompetenz aneignen."

Um Unternehmen bei der digitalen Transformation zu helfen, werde auf dem IT-Gipfel eine "breite Initiative" vorgestellt: "In enger Zusammenarbeit zwischen Regierung und Wirtschaft werden wir jene Unternehmen unterstützen, die nicht wissen, wie sie auf die Digitalisierung reagieren sollen und sie für sich nutzen können", sagte Rohleder.

Speziell mittelständische Unternehmen sollten "genau die Unterstützung" erhalten, "die sie brauchen, um ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen und digital auszurichten". Künftig soll es dafür überall in Deutschland Digitalisierungszentren geben. "Der IT-Gipfel wird ein Signal des digitalen Aufbruchs aussenden."

Rohleder zeigte sich für die deutsche Wirtschaft insgesamt "zuversichtlich". Deutschland habe wenig Rohstoffe und ein hohes Gehaltsniveau. Rohstoffe spielten in der digitalen Wirtschaft kaum noch eine Rolle. Und hohe Gehälter verlören durch steigende Produktivität an Bedeutung. "Wir haben jetzt die einmalige Chance, Wertschöpfung von den Niedriglohnstandorten wieder nach Deutschland
zurückzuholen."

Zum zehnten nationalen IT-Gipfel werden mehr als 1000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft erwartet, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

am/Birgit Reichert, dpa

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