Karriere-Netzwerke | | von Markus Sekulla

Markus Sekulla steigt bei Xing aus - ein Abschied in drei Akten

Ich trenne mich gerne von Netzwerken. Natürlich nur, wenn sie mir nichts mehr bringen. Vor ziemlich genau zwei Jahren habe ich meine Foursquare-Aktivitäten auf Null gesetzt. Der Sinn des "Ich muss mich noch mal schnell hier einchecken" war mir einfach völlig abhanden gekommen. Viele meiner Peers sind dort weiterhin aktiv und der ein oder andere hat auch noch Spaß daran. Die Swarm-Entwicklungen mal außen vor, viel Uninteressanteres als sich irgendwo einzuchecken, gibt es für mich nicht. Oder doch? Die sogenannten Social Business Netzwerke Xing und Linkedin sind für mich mittlerweile genauso unspannend wie Foursquare geworden.

Akt 1 - Keine Premium-Mitgliedschaft - Der Basis Nutzer

Liest man die Pressemitteilungen der Xing AG, kann man den Erfolg des Netzwerks erkennen. Knapp eine Millionen neue Nutzer von Q1 2013 zu Q1 2014 sind sicher nicht schlecht. Auch mehr Mitglieder sind Premium-Nutzer. Ich bin davon nicht überrascht, im Gegenteil. Xing hat ja sehr wohl eine Funktion in Online D-A-CH. Und doch... die für mich wichtige Funktion für mich hat es in den letzten Jahren an andere Netzwerke verloren. Wie kam es dazu?

Gruppen, in denen die Diskussionen selten über einstellige Beiträge rauskommen; Kontaktanfragen en masse von "Profinetzwerkern", die das Prädikat Spam redlich verdient haben; redundante Infos, die ich ebenso auf meinen anderen Netzwerken mitbekomme.

Vor mehr als einem Jahr habe ich entschieden, dass die Xing Premium-Mitgliedschaft mir keine sieben Euro im Monat mehr wert ist. Ich bezahle zehn Euro für Spotify. Wenn ich mir den persönlichen Nutzen im Verhältnis anschaue, wird die Waagschale fast zum Katapult.

Doch nach etwa einem Monat dann der Rücktritt vom Rücktritt und ich wurde wieder Premium-Mitglied. Warum? Jetzt wird es peinlich... aber ich gestehe es. Die Profilbesucher sehen zu können war es mir wert, wieder sieben Euro im Monat zu zahlen. Heute muss ich darüber lachen und es ist mir so peinlich, dass ich, nachdem ich wieder kein Premium-Mitglied war, einige Monate diesen Betrag zum Spenden beiseite gelegt habe.

Heute, als Basis Mitglied bin ich zwar noch ab und an eingeloggt, sehe aber eigentlich immer nur die gleichen Kontakte wie auch auf Facebook oder Twitter mit den gleichen Statusmeldungen. Daher... Akt 2 wurde mehr als fällig.

Akt 2 - Keine Aktivität - Die Karteileiche Markus Sekulla

Akt 2 hat letzte Woche begonnen. Er bedeutet für mich völlige Inaktivität bei Xing. Bei Linkedin brauche ich da nichts zu ändern. Da war ich nie aktiv. Das werde ich aber möglicherweise im Zuge eines internationalen Umzugs in ungewisser Zukunft ändern. Möglicherweise.

Hier ein Screenshot meiner neuen Profilbeschreibung.

 

Die Karteileiche Markus Sekulla also. Ich werde mich nicht mehr einloggen, die App löschen, meine Profildaten löschen, nicht an Gruppenaktivitäten teilnehmen, weder Freundschaftsanfragen annehmen noch Geburtstagsgrüße versenden. Einen kleinen "Abschiedspost" werde ich noch einstellen, jeder ist schließlich eingeladen auf Facebook, Twitter oder Instagram mein Kontakt zu sein.

Bleibt die Frage, was ich von einer Plattform erwarte. Schneller Austausch mit meinem Netzwerk und Neuigkeiten rund um meine Branche sind für mich die beiden zentralen Punkte.  Bietet mir das eine Plattform nicht, dann bin ich bereit sie aufzugeben. Dabei bin ich mir durchaus bewusst,  dass Xing auch anders genutzt werden kann und sich meine Arbeitsweise vielleicht nicht mit der Xing-Stammmitgliedschaft deckt. Aus meiner Perspektive kann ich alles über andere Netzwerke abdecken. Mein Business-Netzwerk Nummer eins? Facebook. Mit Abstand.

Doch bin ich bereit für die Löschung des Xing-Profils? Nein.

Akt 3 - Der Austritt? Gründe zu bleiben

Warum kündige ich nicht ganz und lösche mein Profil? Spannende Frage. Eigentlich gibt es für mich nur wenige Gründe, die dagegen sprechen. Und doch ziere ich mich. Wer meinen Namen googelt, der bekommt mein Xing-Profil als erstes Suchergebnis angezeigt. Das ist für mich in Ordnung, kann ich den Besucher doch von dort aus auf die für mich wichtigen Netzwerke leiten. Meine E-Mail-Adresse ist auch schnell sichtbar.

Der Online-Lebenslauf, den Xing mal für mich darstellte, von dem habe ich mich lange getrennt. Xing ist, so wie ich das mittlerweile schon mehrfach gehört habe, für viele Mitglieder ein Telefonbuch oder einer dieser schönen runden Visitenkartenhalter.

Ich behaupte mal, dass ich meine wichtigen Netzwerkkontakte so eng vernetzt habe und sie nicht in einem extra Online Visitenkartenhalter brauche. Wenn ich dann mal einen verliere, dann werde ich hoffentlich damit leben können.

Die Google-Suchergebnisse veranlassen mich zu bleiben und ein Karteileichen-Dasein zu fristen. Natürlich gibt es auch einige Nachrichten, die ich bestimmt noch mal lesen werde. Und das eine Mal im Jahr die Geburtstagsliste durchgehen mit großen Augen, wie alt oder jung einige der Kontakte sind.

Lange Rede kurzer Sinn(tl;dr)

Ich mache es bei Xing fortan genau wie bei Foursquare: Ich behalte mein Profil, nutze die Plattform jedoch nicht. Die wichtige Kommunikation in meinem Geschäftsbereich der digitalen Kommunikation findet dort für mich nicht statt. Wer jetzt auf mein Xing-Profil geht und mir eine Freundschaftsanfrage schickt, der bekommt einen Online-Rüffel.

Markus Sekulla ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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