women&work | | von Annette Mattgey

Männer stapeln zu hoch, Frauen zu tief

Bei der beruflichen Selbsteinschätzung sehen sich Männer viel positiver als Frauen. Das fängt beim Nutzen für den Arbeitgeber an und geht bis hin zur Gehaltsvorstellung. Mit dieser Einstellung schaufeln sich Frauen oft selbst ihr Karriere-Grab, urteilt Melanie Vogel, Initiatorin der Umfrage und Veranstalterin der Karriere-Messe women&work. Junge Frauen sind sich ihres eigenen Wertes oft nicht bewusst. Das zeigt die aktuelle Umfrage "Student Survey 2013", die von der AoN - Agentur ohne Namen, Veranstalterin der women&work, unter 400 Studierenden bundesweit bereits zum zweiten Mal durchgeführt wurde. Danach bestimmen nur 39 Prozent der befragten Frauen ihren Wert als Arbeitskraft aus ihrem "Nutzen für das Unternehmen" (Männer 66 Prozent). Und sie hinterlegen ihre Leistung nicht mit einem monetären Wert.

Das wird bereits bei der Bewertung des Einstiegsgehaltes deutlich und zieht sich durch die Bewertung der eigenen Arbeitsleistung im Rahmen einer Vollzeitstelle nach fünf bzw. zehn Jahren durch. Auf die Frage, welches monatliche Bruttogehalt die Studierenden für die erste Vollzeitstelle als angemessen betrachten, entschieden sich 23 Prozent der Frauen und nur sieben Prozent der Männer für die Spanne von 1000 Euro bis 2000 Euro. Demgegenüber betrachten 28 Prozent der Männer die Gehaltsspanne von 4000 Euro  bis 6000 Euro als angemessen. Bei den Frauen sind es dagegen nur sieben Prozent.

"Die Ergebnisse unserer Umfrage unterstreichen deutlich die Tendenz des weiblichen Understatements", so Vogel weiter. "Tiefstapeln führt ins Abseits, denn fehlt das Bewusstsein für den eigenen Nutzen als Arbeitskraft, hat das Auswirkungen auf die Karriere. Wer sich selbst nichts zutraut, dem wird auch nichts zugetraut." Haben Frauen ihren Nutzen (für den Arbeitgeber) nicht definiert oder erkennen sie nicht die Notwendigkeit einer eigenen Nutzen-Definition, haben sie nicht nur beim Einstiegsgehalt Nachteile, sondern bei jeder weiteren Gehaltsverhandlung auch, ist sich Vogel sicher.

Vorsicht vor dem Fleißige-Bienchen-Syndrom

"Tatsachen verkünden, statt Tiefstapeln heißt nicht unbedingt Dampfplaudern und erhöht die Chance für ein besseres Gehalt," sagt Claudia Kimich (Bild), Verhandlungsexpertin aus München und Autorin des Buchs "Um Geld verhandeln". "Viele Frauen wollen um jeden Preis vermeiden, als Dampfplauderer gesehen zu werden und sehen viele ihrer Leistungen außerdem als selbstverständlich und nicht erwähnenswert. Kimichs Aufruf lautet: "Frauen, verkündet Tatsachen. Zeigt Euch und Eure Leistungen, übernehmt Verantwortung dafür und werdet sichtbar.“

Bei dieser Form der Sichtbarkeit geht es nicht um die Dampfplauderei – viel heiße Luft und wenig Greifbares dahinter – sondern, darum, dass Frauen ihren persönlichen Anteil an Projekterfolgen, Unternehmensgewinnen oder Neukundenwerbung klar präsentieren und nach außen verkaufen. „Marketing in eigener Sache ist karriereentscheidend. Das 'Fleißige-Bienchen-Syndrom' allein führt langfristig nicht zum Erfolg“, weiß Vogel.

Und die Gehaltsexpertin Kimich rät: „Beobachten Sie Ihre männlichen Kollegen, wann sie was präsentieren, bei welchen Projekten sie laut hier schreien oder Ihnen bereitwillig den Vortritt lassen. Letzteres sind meist die Projekte mit wenig Außenwirkung, dafür aber umso mehr fleißige Bienchen-Arbeit.“

Unter der Schirmherrschaft von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen geht die women&work am 8. Juni in die dritte Runde. Knapp 100 Top-Unternehmen, mehr als 70 Karriereberater, Netzwerke und Initiativen präsentieren sich in Bonn.

Männer stapeln zu hoch, Frauen zu tief

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