Auch er trug mal Leggings: William Shatner alias Captain Kirk.
Auch er trug mal Leggings: William Shatner alias Captain Kirk. © Foto:W. Shatner/Twitter

Spott für United Airlines | | von LEAD digital

Leggings-Verbot sorgt für Zoff um Dresscode bei US-Airline

Zwei Mädchen dürfen nicht an Bord einer United-Airlines-Maschine, weil sie Leggings tragen. Das Netz reagiert empört und belustigt. Müssen Dresscodes heutzutage noch sein? Das ist eine ambivalente Frage. Experten diagnostizieren zum einen mehr Lockerheit, aber auch das Bedürfnis nach strikten Regeln, wie sie sich etwa im Ruf nach Schuluniformen widerspiegelt. 

Die beiden Mädchen waren Berichten zufolge am Flughafen von Denver am Gate zurückgewiesen worden. Ein weiteres Mädchen soll demnach ein Kleid über ihren Leggings angezogen haben, um an Bord gehen zu dürfen. Die Fluggesellschaft verteidigte ihr Vorgehen. Die Mädchen seien mit einem besonderen Ausweis für Angehörige und Freunde von United-Airlines-Mitarbeitern gereist. Bei dieser Gruppe gelte ein spezieller Dresscode. Für reguläre Kunden hätten diese Kleidervorschriften keine Gültigkeit. Hier heiße es: "Ihre Leggings sind willkommen!"

Das Flugverbot für die Teenager löste einen Sturm der Empörung aus. "Das Vorgehen von United gegen Leggings ist etwas, das ich von den Taliban erwarten würde, nicht von einer großen westlichen Fluggesellschaft", meinte ein Nutzer auf Twitter.

Die Twitter-Nutzerin Shannon Watts, die zu dem Zeitpunkt ebenfalls am Flughafen war, hatte auf den Vorfall aufmerksam gemacht und das Vorgehen der Airline als sexistisch denunziert. "Seit wann kontrolliert @united die Kleidung von Frauen?", fragte Watts, die schon als Aktivistin gegen Waffengewalt in dem Netzwerk bekannt ist, wo sie knapp 34.000 Anhänger hat.

Viele Prominente machten bei Twitter Witze über die Fluggesellschaft. "Ich bin schon einmal mit United geflogen und zwar ganz ohne Hose", twitterte US-Model Chrissy Teigen. "Das nächste Mal trage ich bloß eine Jeans und einen Schal." Schauspieler William Shatner twitterte ein Foto von sich in der Rolle als "Raumschiff Enterprise"-Kapitän James T. Kirk, auf dem er ausschließlich ein Paar rote Leggings trägt und schrieb: "Siehst Du, ich habe es auch schon mal getan."

Aber es gibt auch andere Stimmen: Schauspielerin Tracie Thoms (41, "Cold Case") kann die Entscheidung der Fluggesellschaft nachvollziehen. Sie sei auch schon einmal mit dem besonderen Ausweis geflogen und musste ihre Kleidung wechseln. "Hat es genervt? Sicher. Aber der Dresscode war eindeutig: Keine Leggings. Also bin ich zur Toilette gegangen und habe mich umgezogen."

Wann sind Drescodes berechtigt?

Für Modeexpertin Gundula Wolter können optische Grenzen durchaus ihren Grund haben. "Bestimmte Kleiderfragen, die mit den Befindlichkeiten einer Gesellschaft zu tun haben, machen natürlich Sinn", sagt die 1. Vorsitzende des Berliner Vereins Netzwerk Mode Textil der Deutschen Presse-Agentur. Sie kenne zum Beispiel einen Fall, bei dem jemand in der Erwachsenenbildung mit Radlerhosen in die Schule gekommen sei. Da habe sich die Lehrerin so brüskiert gefühlt, dass sie den Mann wieder nach Hause geschickt und ihm aufgetragen habe, eine andere Hose anzuziehen, weil sie sich provoziert gefühlt habe.

Der Umgang mit Dresscodes sei ambivalent, findet Wolter. Seit langem herrsche zwar eine lockere Handhabe bei den modischen Grundregeln, auf der anderen Seite gebe es eine konservative Rückwärtsbewegung, die sich etwa in der Forderung nach Schuluniformen äußere.

Tatsächlich war die Schule schon in der Vergangenheit Schauplatz erregter Debatten über Modefragen.

2015 etwa trat eine Werkrealschule im baden-württembergischen Horb mit einem Hotpantsverbot eine bundesweite Debatte los. Schüler mit als unangebracht geltender Kleidung mussten dort ein übergroßes T-Shirt überziehen. Für einen Brandbrief an die Eltern, in dem die Schulleiterin gegen bauchfreie Oberteile und knappe Höschen austeilte, setzte es harsche Kritik. Ein Jahr nach der Debatte ließ die Schule eine rote Liste mit Kleidungsstücken erstellen, die aus Schülersicht nicht in den Unterricht passen. Dazu zählen neben zu kurzen Hotpants und zu tiefen Ausschnitten Bademäntel, Hausschuhe, Kostüme und die sehr tief sitzenden Baggypants. Auch das Erscheinungsbild der Jungs stand so im Visier.

Auch bei der Polizei entzündete sich in der Vergangenheit Ärger am Beamten-Look, der sogar Gerichte beschäftigte. 2014 bestätigte der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel ein Urteil der Vorinstanz, wonach die Bundespolizei tätowierte Bewerber ablehnen kann. Das Verwaltungsgericht in Aachen hingegen urteilte 2012 in einem anderen Fall, das Land Nordrhein-Westfalen darf einen Anwärter wegen eines Tattoos nicht abweisen.

Auch die Bundeswehr pflegt strenge Vorgaben in der Frage, wie sehr Soldaten modisch aus der Reihe tanzen dürfen: Nach einem Erlass vom Jahr 2014 sind farbiger Nagellack, sichtbare Piercings oder Tattoos tabu.

Modedesign-Experte Volker Feyerabend von der Hochschule Hannover sieht Dresscodes vor allem als Versuch, "Sicherheiten herzustellen" - gerade in Zeiten, in denen Kleiderregeln in Auflösung begriffen seien. "Es gibt formelle und informelle Dresscodes, und man merkt immer nur, dass man dagegen verstoßen hat, wenn man ein komisches Gefühl in einer Gruppe bekommt und das Gefühl hat, man passt da nicht hin." An der Ausgrenzung durch Kleidung habe sich nichts geändert.

Mit Blick auf den aktuellen Fall im Flugzeug sagt Feyerabend, Unternehmen wollten sich mit Dresscodes als stabil präsentieren. Deren Devise laute: "Wenn ihr euch so kleidet, signalisiert ihr, dass ihr zu diesem erfolgreichen Unternehmen XY gehört."

(dpa)

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