Interview | | von Annette Mattgey

LBi-Chefin Herbener: "Gender-Vorurteile spielen in der Digitalbranche eine wesentlich geringere Rolle"

EU-Kommissarin Viviane Reding will eine europaweite Frauenquote durchsetzen. In Deutschland tobt der Kampf zwischen den Ministerinnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder, ob man das Thema der Wirtschaft und freiwilligen Regelungen überlassen soll oder nicht. Auch im Digital Business finden sich in Spitzenpositionen vorwiegend Männer. Höchste Zeit, eine Frau als Führungskraft ­aufzustöbern und sie zu dieser Thematik zu befragen. Anke Herbener, CEO von LBi Germany, im Gespräch mit LEAD digital.

Ist die Gender-Debatte Quatsch?
Diese Frage kann ich mit einem klaren „Jein“ beantworten. Definitiv sollte branchenübergreifend ein Umdenken stattfinden, damit der Anteil der Frauen in Führungspositionen zunimmt. Dieses Umdenken kann man durch Diskussionen anstoßen. Viel wichtiger ist es jedoch, Taten sprechen zu lassen.

Auch in der Digitalbranche sitzen vorwiegend Männer in Alpha-Positionen. Woran liegt’s – und wie haben Sie es angestellt?
Ich bin mit LBi gewachsen und LBi mit mir. Seit vielen Jahren kenne ich unsere Agentur und die Besonderheiten unserer Branche in- und auswendig, habe viele Dinge angestoßen und immer mehr Verantwortung übernommen. Daher hat sich mein Karriereweg mit jedem Schritt auf logische Art und Weise fortgesetzt. Auch wenn der Männeranteil immer noch sehr hoch scheinen mag, erkenne ich doch deutlich einen Umbruch. Mittlerweile sind schon ein paar meiner Geschäftspartner Frauen, die in ihren Unternehmen und Netzwerken ebenfalls ein Umdenken initiieren. Allein diese Beobachtung gibt mir die Gewissheit und Gelassenheit zu behaupten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Gender-Debatte in den Führungspositionen hoffentlich ad acta gelegt werden kann.

Was muss geschehen, damit in der Digitalbranche mehr Frauen auf Chefsesseln Platz finden?
Grundsätzlich haben Frauen in der digitalen Wirtschaft momentan bessere Chancen auf eine Führungsposition als in anderen Branchen. Die Branche ist jung. Gender-Vorurteile spielen eine wesentlich geringere Rolle als in alten, stark hierarchisch geprägten Berufsbereichen. Durch das rasante Wachstum der gesamten digitalen Landschaft gibt es kaum starre Karrieresysteme. Im Gegenteil: Digital Natives, egal ob männlich oder weiblich, werden dringend gebraucht und entsprechend gefördert. Viel wichtiger ist es deshalb, dass bereits für die frühe Karriereplanung Institutionen wie Hochschulen sich dieses Wirtschaftszweigs stärker annehmen, damit Frauen wie Männer frühzeitig Interesse und Expertise entwickeln.

Die Juristin steht bereits seit vielen Jahren als CEO an der Spitze von LBi in Deutschland und der Schweiz. Seit 2004 ist Anke Herbener Vorstandsmitglied. LBi ist eine der größten unabhängigen Agenturen für digitales Marketing und Technologie weltweit. Anfang 2012 wählte der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) Anke Herbener zur Lei­terin der Unit „Digitales Marketing“, wo sie federführend aktuelle Themen vorantreibt.

LBi-Chefin Herbener: "Gender-Vorurteile spielen in der Digitalbranche eine wesentlich geringere Rolle"

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