Bürogestaltung | | von Annette Mattgey

Launig oder lärmig: Großraumbüros spalten die Gemüter

Nicht nur der Bauarbeiter am Presslufthammer leidet unter Lärm - auch Büro-Arbeiter sind gestresst vom Geräuschpegel am Arbeitsplatz. Telefonierende und diskutierende Kollegen verleiden dem gutmütigsten Kollegen den Job. Davor warnt auch der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Lärmquellen am Arbeitsplatz können zu gesundheitlichen Schäden führen. „Lärm ist immer noch einer der wesentlichen Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz, trotz erheblicher Anstrengungen zur Lärmminderung. Neben den physiologischen Wirkungen sind die psychischen Wirkungen des Lärms, die sich in einer erhöhten Fehlerquote oder in einer geringeren Aufmerksamkeit und Konzentration ausdrücken, verantwortlich für viele arbeitsbedingte Gesundheitsgefährdungen“, erklärt Dr. med. Anette Wahl-Wachendorf (Bild), Vize-Präsidentin des VDBW.

Andererseits, so räumt Wahl-Wachendorf ein, könne sie sich durchaus kreative Bereiche vorstellen, in denen Unruhe und gemeinsames Arbeiten als inspirierend empfunden werde. Hier sollten jedoch gemeinsame Regeln abgesprochen werden (etwa zur Lautstärke von Gesprächen, Telefonaten, Ruhezeiten...).

Schon 50 bis 70 Dezibel können zum Problem werden. „Die Lautstärke im Büro kann auch unterhalb der üblichen Richtwerte zu Fehlbelastungen führen. Schon bei relativ niedrigen Schalldruckpegeln können Geräusche als lästig und störend empfunden werden“, so Wahl-Wachendorf. Betroffen sind insbesondere Kreativarbeiter und Personen, bei denen es auch Konzentration und Genauigkeit ankommt. Stressreaktionen, die sich negativ auf die Leistung und das psychische Wohlbefinden der Mitarbeiter auswirken, sind die Folge.

Abhilfe: Vom Teppich bis zum autogenen Training

Aus dem Arbeitsschutzgesetz heraus hat der Arbeitgeber die Pflicht, seine Mitarbeiter vor Schäden zu bewahren. Umgekehrt hat der Mitarbeiter das Recht, eine Gefährdungsbeurteilung seines Arbeitsplatzes zu bekommen. Ausführliches Material zu den gesetzlichen Vorschriften findet sich hier zum Nachlesen. Checklisten zur Gefährdungsbeurteilung hat z.B. die Unfallversicherung. Hier wird vom Bildschirm bis zum Arbeitsumfeld alles abgefragt und bewertet. Im Ernstfall kann der Gang zum Betriebsarzt eine erste Maßnahme sein.

Technisch lässt sich bereits bei der Raumplanung und beim Geräteeinkauf einiges berücksichtigen. Bei der Einrichtung sollte man an die Reduktion der Schallausbreitung denken, etwa durch Teppichböden oder Schallschluckdecken. Auch bei der Beschaffung von Druckern, Kopierern usw. empfiehlt es sich, von Anfang an auf Lärmarmut zu achten – leise Geräte sind meistens nicht teurer als laute.

Allerdings bleibt die Wahrnehmung des Bürolärms immer eine subjektive Kategorie: Jeder hört ihn anders. Jeder Arbeitnehmer sollte deshalb seine eigenen Lärmbewältigungsstrategien entwickeln, rät Wahl-Wachendorf. Das geht von Entspannungsübungen (wie Autogenes Training) bis zum Kopfhörer. Für den Anfang sollte man es mit einer einfachen Kulturtechnik versuchen: Reden. Ein ehrliches Zeichen des guten Willens könne oft mehr bewirken als jede technische Maßnahme, so die Ärztin.

Launig oder lärmig: Großraumbüros spalten die Gemüter

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