Tag des Systemadminstrators | | von Annette Mattgey

Kampf um Kompetenzen: "IT muss von Social Media lernen"

Heute ist ihr Ehrentag: Die Systemadministratoren begehen am letzten Freitag im Juli den System Administrator Appreciation Day. Sogar ein Song (siehe unten) feiert ihre besondere Funktion im Unternehmen. Wie sich ihre Rolle gewandelt hat und was sie von Social Media lernen können, erklärt Hendrik Lührs, Senior Business Consultant des IT-Spezialisten Direkt Gruppe.

In Deutschland gibt es laut Schätzungen der Gesellschaft für Informatiker (GI) rund 100 000 Systemadministratoren. Heute ist ihr Gedenktag. Was halten Sie davon?

Dass es einen Tag des Systemadministrators gibt, ist eine Wertschätzung für ihre Arbeit. Und natürlich ist das sicherlich auch etwas humoristisch zu nehmen. Aber meist ist es so: Man denkt nur an sie und bekommt sie zu Gesicht, wenn etwas nicht funktioniert: das Netzwerk nicht verfügbar ist, die Anwendungen lahmen oder die Rechner abgestürzt sind. Wenn es läuft, dann fragt keiner, warum eigentlich? Dabei ist die IT und speziell die Administratoren eine der essentiellen Stellen in einem Unternehmen, denn sie sorgen für den reibungslosen Betrieb. Das ist leider oft immer noch nicht allen bewusst, speziell den Fachbereichen. Denken Sie an die Formel 1: Ohne die Techniker im Hintergrund dreht keiner die schnellsten Runden.

Wie haben sich durch Social Media Marketing und Customer Relationship Management die Anforderungen geändert? Damit mischen noch mehr Abteilungen in und an der IT mit. Das kann doch nicht gutgehen, oder?

Doch, das geht gut, wenn die IT die Chancen erkennt, die in Social-Software und Cloud-Lösungen für sie stecken. Social Media Marketing und Customer Relationship Management sind zwei gute Beispiele dafür, dass Fachabteilungen immer häufiger selbst bestimmen, mit welchen Anwendungen sie arbeiten möchten oder, Beispiel Facebook und Twitter, arbeiten müssen. Sie holen sich diese Anwendungen einfach als Cloud-Lösung ins Haus. Das läuft solange gut, bis Probleme auftauchen: Kundendaten, die aus der Dropbox verlorengehen oder persönliche Informationen, die ein Social Engineer sich ganz bequem via Facebook besorgt und als netter Junge von nebenan getarnt, Kontakt zur Zielperson aufnimmt. Dabei ließen sich viele Probleme vermeiden, wenn die IT frühzeitig in die Überlegungen eingebunden wird und das tut, was sie am besten kann: für Service- und Qualitätsstandards sorgen.

Verbieten und Abschalten ist auf jeden Fall kontraindiziert. Die IT kann vielmehr einiges dafür tun, ihr Image – zu sperrig, zu langsam, zu teuer – zu verbessern und sich als Berater auf Augenhöhe zu positionieren. Dazu sollte –  besser gesagt muss – sie von den vielen Vorzügen lernen, die Social-Software heute bietet: Einfache, intuitive Bedienung, einfache Konfiguration und sofortige Verfügbarkeit um einige zu nennen. Es ist für den Anwender nicht nachvollziehbar, dass er sich binnen weniger Minuten  Speicher über die Cloud mieten kann, während die eigene IT dafür Tage oder Wochen braucht. Und sie kann viel von der sogenannten Schatten-IT lernen und eigene Lösungen anbieten, die sich wiederum sehr viel besser in die eigene Landschaft integrieren lassen.

Wie kommen Social Media Manager und Systemadministratoren miteinander aus? Die einen sind ja eher freizügig mit Informationen, die anderen eher restriktiv.

Für ein besseres Verständnis muss die IT mit dem Social Media Manager ins Gespräch gehen über Themen wie Datenschutz und Sicherheitsfragen. Letzterer muss verstehen, dass eine restriktive Haltung eine Schutzfunktion für das Unternehmen hat und auf einer Reihe rechtlicher Regelungen fußt. Die IT muss im Gegenzug verstehen, dass es heute nicht mehr um die Frage „ob Social Media oder nicht“ geht, sondern nur noch um das „Wie“. Eine Social Media Guideline ist ein erster wichtiger Schritt, um Verständnis aufzubauen und kritische Fragen zu regeln. Darüber hinaus können viele Social Services, wie z.B. eine unternehmensweite Filesharing Lösung statt Dropbox, auch intern aufgebaut werden und die Daten sind im sicheren Hafen.

Das heißt also, holt die IT aus dem Keller und positioniert sie als kompetenten Ansprechpartner für die Kollegen in den Fachbereichen?

Ja, so könnte man es formulieren. Denn oft findet einfach keine nachhaltige Integration der IT in das Unternehmen statt. Gefragt ist meist ein kennzahlengetriebenes, controlling-lastiges  Vorgehen, d.h. die IT muss eben performen. Wenn Unternehmen unzufrieden sind, ist für viele Outsourcing die scheinbare „Lösung“. Doch das ist oft nicht kostengünstiger, ganz im Gegenteil. Das Unternehmen muss frühzeitig klären: Was erwarte ich von meiner IT?  Das sind die Hausaufgaben, die gemacht werden müssen. Nur so kann man gemeinsam in die richtige Richtung gehen. Aber auch die IT sollte im Unternehmen eine viel aktivere Rolle spielen. Denn sie kann ebenfalls Veränderungsprozesse anstoßen und leiten. Sie muss nicht, um in dem Bild zu bleiben, im Keller sitzen und warten, bis jemand kommt und sie wach küsst. Hier gilt vielmehr:"Schweigen ist Silber – Reden ist Gold".

Hier der Song zur Ehre der Systemadministratoren:

Kampf um Kompetenzen: "IT muss von Social Media lernen"

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