W&V Coach | | von Annette Mattgey

Jobsuche: Warum miese Onlinebewertungen nicht ausschlaggebend sind

Gerade die Generation Y neigt dazu, Erfahrungen aus dem Netz ins "wahre Leben" zu übertragen. Auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz sollten man sich allerdings nicht zu stark von Onlinebewertungen beeinflussen lassen, rät Personalexperte Harald Fortmann.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich im Auftrag eines Kunden nach einer neuen Führungskraft gesucht. Nach Identifikation, persönlicher Ansprache und Auswahl der besten Kandidaten für die Position endeten die Gespräche jedoch häufig dann, wenn der Kundenname gefallen war. Was war passiert? Die Kandidaten recherchierten im Internet nach Informationen zu ihrem potenziellen neuen Arbeitgeber. Da dieser zudem über keine eigene Webpräsenz verfügte, landeten sie meist bei Kununu. Und dort gab es vier negative Bewertungen. Bei über 200 Mitarbeitern kann man die Aussagekraft in diesem konkreten Fall sicherlich infrage stellen, jedoch nehmen die Bedeutung und der Einfluss von Bewertungsportalen stetig zu.

So informieren sich laut Bitkom-Studie bereits drei von zehn deutschen Internetnutzern auf diesen Plattformen – und lassen sich wie in dem zuvor geschilderten Beispiel von den Erfahrungen beeinflussen. Allerdings sollten Bewerber oder wechselwillige Kandidaten ihre Entscheidung für oder gegen einen neuen Arbeitgeber nicht allein aufgrund dieser Bewertungen treffen. Zum einen – das ist zumindest mein Empfinden – bewerten meist diejenigen Menschen Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen, die etwas zu beklagen haben und ihrem Unmut Luft machen wollen. Zum anderen gibt jede Bewertung nur einen einzelnen, rein subjektiven Eindruck wieder, und die persönlichen Hintergründe sind für den Leser oftmals nicht klar.

Daher sollten sich Bewerber und Kandidaten neben der Informationsbeschaffung über Onlinequellen im Fall eines schlechten Leumunds, zum Beispiel auf Kununu, am besten persönlich mit ihren zukünftigen Arbeitgebern und, wenn möglich, auch den zukünftigen Kollegen austauschen – und sie mit den Bewertungen konfrontieren, um die Hintergründe zu erfahren.

Am wichtigsten ist ohnehin der Gesamteindruck, um eine Entscheidung pro oder kontra neuen Arbeitgeber zu treffen. Stimmt das Gehalt? Ist die Aufgabe vielversprechend? Wie sehen die Rahmenbedingungen aus? Und vor allem: Was sagt das Bauchgefühl?

Abschließend noch ein paar Hinweise in Richtung der Unternehmen, die sich mit Kritik auf Bewertungsplattformen konfrontiert sehen: Die Digitalisierung verändert unser aller Leben maßgeblich, und das nicht nur hinsichtlich der Informationsbeschaffung. Wir befinden uns mitten in einem Strukturwandel. Das zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass der sagenumwobenen Generation Y, aber auch den Top-Digitalkräften das "Was, wo und in welchem Rahmen" sehr viel mehr wert ist als das "Wieviel". Insofern ist das sogenannte Employer Branding heute essenziell, denn die monetären Anreize stehen hinter der Arbeitskultur, der Art und Weise, wie zusammengearbeitet wird, und den Herausforderungen, die eine Position mit sich bringt, zurück. Unternehmen tun daher gut daran, eine offene und faire Unternehmenskultur zu pflegen und sich im Netz ehrlich und offen darzustellen. Und schlechte Bewertungen ernst zu nehmen und authentisch auf sie zu reagieren.

Harald Fortmann ist sowohl Vizepräsident des Bundesverbands für Digitale Wirtschaft (BVDW) als auch Director Executive Search bei der Personalberatung Cribb, wo er Konzerne und Mittelständler berät. Zudem unterstützt er Start-ups als Beirat oder Investor.

Haben auch Sie eine Frage an den W&V Coach? Dann schreiben Sie an coach@wuv.de. Die neuesten Kolumnen lesen Sie immer aktuell in W&V. Hier geht es zum W&V-Abo.

Jobsuche: Warum miese Onlinebewertungen nicht ausschlaggebend sind

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht