Bitkom | | von Annette Mattgey

In der Mühle: Jeder fünfte nimmt täglich Arbeit mit nach Hause

Füße hochlegen und entspannen war gestern. Heute erledigt ein Fünftel der Befragten täglich Arbeit von zuhause aus. Und wenn es nur das Mails checken vor oder nach der Arbeit ist. Diese Zahlen veröffentlichte jetzt der Branchenverband Bitkom. Für die Bitkom-Studie „Arbeiten in der digitalen Welt“ wurden zwei repräsentative Umfragen unter 505 Berufstätigen und Personalverantwortlichen von 854 Unternehmen durchgeführt. Die Erreichbarkeit über die reguläre Arbeitszeit im Büro ist für viele bereits Alltag. Drei Viertel aller Berufstätigen (77 Prozent) in Deutschland sind außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten für Kollegen, Vorgesetzte oder Kunden per Handy oder Mail erreichbar: 30 Prozent sind jederzeit erreichbar und 32 Prozent zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel abends an Wochentagen oder am Wochenende. Weitere 15 Prozent sind nur in Ausnahmefällen und 16 Prozent gar nicht erreichbar.

 

Doch wenn es um klare Regelungen zur Verfügbarkeit geht, herrscht bei den meisten Unternehmen Fehlanzeige:In 62 Prozent aller Betriebe gibt es keinerlei Vorgaben, wann Mitarbeiter elektronisch erreichbar sein sollten und wann nicht. „Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten klare Vereinbarungen über Arbeitszeiten und Erreichbarkeit treffen“, empfiehlt daher Bitkom-Präsident Dieter Kempf. Nach den Ergebnissen der Umfrage erwarten 52 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihre Mitarbeiter außerhalb der regulären Arbeitszeiten jederzeit oder zu bestimmten Zeiten per Handy oder Mail erreichbar sind. 48 Prozent verlangen keine Erreichbarkeit oder nur in dringenden Ausnahmefällen. „Viele Berufstätige leiden unter Stress, wenn sie sich in einem dauernden Standby-Modus befinden“, sagte Kempf. Daher sei ein bewusster Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln unabdingbar. Notwendig sind klare Vereinbarungen zwischen den Parteien, um Grundsätze für Arbeitszeiten und Erreichbarkeit im Home Office und in der Freizeit zu etablieren. Zudem sollten Mitarbeiter im effizienten Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln besser geschult werden. Bislang bieten erst 27 Prozent aller Unternehmen Seminare zum Umgang mit E-Mails und 25 Prozent für das persönliche Zeitmanagement an.

 

Nach den Ergebnissen der Umfrage haben sich Computer und Handy in nahezu allen Berufen durchgesetzt: 87 Prozent aller Berufstätigen arbeiten mit einem Computer und 67 Prozent mit Handy oder Smartphone. Dabei geht der Trend zum mobilen Arbeiten. Laut Umfrage nutzen 79 Prozent aller Erwerbstätigen für ihre tägliche Arbeit mobile Geräte, also Notebooks, Tablet Computer, Smartphones oder Handys. „Mobile Endgeräte in Verbindung mit Breitbandnetzen und Cloud Computing ermöglichen es, an nahezu jedem Ort zu arbeiten und dabei mit anderen in Kontakt zu stehen“, sagte Kempf. So arbeiten laut Umfrage 55 Prozent der Beschäftigten, die mobile Geräte nutzen, zumindest gelegentlich unterwegs: 22 Prozent arbeiten zeitweise im Auto, 20 Prozent in der Bahn und je 19 Prozent im Hotel sowie in Bussen oder Bahnen des Nahverkehrs.

Zuhause ist nicht gleichbedeutend mit Freizeit

Wer die Wohnungstür hinter sich zuzieht, hat oft seine Arbeit noch nicht abgeschlossen. Heute erledigt ein Fünftel der Befragten täglich Arbeit von zuhause aus. Und wenn es nur das Mails checken am Morgen oder Abend ist. Ein Drittel der befragten Berufstätigen arbeitet regelmäßig von zu Hause, 21 Prozent täglich, zehn Prozent an mehreren Tagen in der Woche und zwei Prozent an einem Tag pro Woche. Weitere 13 Prozent arbeiten zumindest gelegentlich zu Hause. Laut Umfrage sind vier von fünf Berufstätigen der Ansicht, dass sich dadurch Arbeit und Familie besser vereinbaren lassen. 56 Prozent meinen, dass sie Berufstätige zufriedener macht. Allerdings sind 55 Prozent der Meinung, dass sich bei der Arbeit im Home Office Beruf und Freizeit zu stark vermischen. Ängste, durch Home-Office-Nutzung Nachteile zu erleiden, gehören der Vergangenheit an: Nur ein Viertel (26 Prozent) ist der Meinung, dass die Arbeit von zu Hause die Karriere behindert.


Auch Personalverantwortliche sehen die positiven Effekte der Arbeit von zu Hause. Eine große Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass sie Arbeit flexibler macht (79 Prozent) und dazu beiträgt, Fachkräfte an das Unternehmen zu binden (59 Prozent). Nur 16 Prozent sagen, dass sich die Arbeitsleistung verringert. 61 Prozent sind der Meinung, dass sie die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern hemmt. „Moderne Arbeitskonzepte sollten darauf abzielen, die Kommunikation der Mitarbeiter zu fördern“, betonte Kempf. Nur 27 Prozent aller Unternehmen fördern die Arbeit im Home Office aktiv. Der Bitkom schlägt Regeln für Unternehmen und Beschäftigte vor, die flexibles Arbeiten und den Umgang mit der Erreichbarkeit erleichtern sollen. Kempf: „Von flexiblen Arbeitsmodellen können beide Seiten profitieren: Beschäftigte können persönliche Freiheiten gewinnen, Arbeitgeber höher motivierte Mitarbeiter.“

In der Mühle: Jeder fünfte nimmt täglich Arbeit mit nach Hause

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